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Geschichte der Speicherstadt

25. Mai 1881: Nach längerem Streit unterzeichnet Hamburg den Vertrag über seinen Zollanschluss an das Deutsche Reich, behält jedoch die Zollverwaltung und das Recht, ein verkleinertes Freihafengebiet festzulegen. In dieser Enklave sollte weiterhin das angestammte Privileg der Hamburger Kaufleute gelten, Importgüter zollfrei zu lagern und zu veredeln.

1883: Das Gebiet südlich der Innen- und Geschäftstadt, die Kehrwieder- und Wandrahminsel, wurden für den Bau einer Speicherstadt ausgewählt. Für den Bau der Speicherblöcke wurde in Teilabschnitten ab 1883 das Kehrwieder- und Wandrahmviertel mit etwa 1.000 Häusern und über 20.000 Einwohnern geräumt beziehungsweise abgerissen. Die Stadt siedelte die Betroffenen meist ohne Entschädigung aus, das Schaffen von neuem Wohnraum wurde dem freien Markt überlassen.

1885: Gründung der HFLG (Hamburger Freihafen-Lagerhaus Gesellschaft) zum Bau sowie zur neutralen und transparenten Vermietung der Speicher unter einheitlicher Leitung. Bis zum Zollanschluss 1888 mussten auf dem Freihafengelände ausreichend Räumlichkeiten für die Lagerung und Bearbeitung der Waren geschaffen werden, die vorher über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren.

1888: Am 15. Oktober 1888 vollzog Hamburg seinen Zollanschluss, am 29. Oktober kam Kaiser Wilhelm II., um das Ereignis zu würdigen. Mit einem Festakt an der Brooksbrücke wurden der erste Teil der Speicherstadt und der neue Freihafens eingeweiht.

 

1885-1927: Zwischen 1885 und 1927 wurde die Speicherstadt in drei Bauabschnitten errichtet. Bis 1889 entstanden zwischen Kehrwiederspitze und Kannengießerort etwa 60 Prozent der Lagerflächen (Blöcke A bis O). Im zweiten Bauabschnitt von 1891 bis 1897 wurden die Speicherblöcke P, Q und R am St. Annenufer und Neuer Wandrahm errichtet. Im dritten Bauabschnitt von 1899 bis 1927, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg und die Inflationsjahre, wurde das Gebiet östlich der Straße Bei St. Annen fertig gestellt (Blöcke S bis X). Es war ursprünglich geplant, ab 1905 einen vierten Bauabschnitt auf der Ericusspitze (Blöcke Y und Z) zu errichten, wurde aber nie verwirklicht.

1904: Das neue Verwaltungsgebäude der HFLG wurde zwischen 1902 und 1904 nach Entwürfen von Johannes Grotjan und der Firma Hanßen & Meerwein erbaut. Die Architekten wirkten auch maßgeblich am Hamburger Rathaus mit, was dem Gebäude Bei St. Annen eine erkennbare Ähnlichkeit und den Beinamen "Rathaus der Speicherstadt" eintrug.

1927: 24 Speicherblöcke mit rund 300.000 Quadratmeter Lagerfläche waren entstanden, Brückentore markierten die Freihafengrenze und machten das Bild einer "Stadt aus Speichern" augenfällig. Die Funktion der Speicher bestand im zollfreien Lagern von Waren, die sowohl über die Straße als auch über die Fleete transportiert wurden. Auch Bahngleise führten durch das Quartier zum angrenzenden Sandtorhafen. Auf den Speicherböden lagerten überwiegend Kolonialwaren wie Tee, Kaffee und Gewürzen, die dort auch veredelt und umgepackt wurden. Neben dem Lagerraum gab es Büroflächen, die Kontore der Lager- und Handelsfirmen. Sie befanden sich meist in den unteren Geschossen, in den Kopfgebäuden und in den Blöcken H und O.

 

Zerstörung im 2. Weltkrieg und Wiederaufbau

1943/44: Im Zweiten Weltkieg wurden vor allem während der Luftangriffe im Sommer 1943/44 über 50 Prozent der Speicherstadt zerstört. Der anschließende Wiederaufbau konzentrierte sich zunächst auf die Kaianlagen, um den Warenumschlag zu gewährleisten, erst danach wurden die Speicher instand gesetzt.

 

1946-1967: Die Speicherblöcke A, B, C, J, K, M sowie der östliche Teil von Block O waren fast vollständig ausgebrannt oder vernichtet. Die Blöcke A, B, C und J wurden nicht wieder aufgebaut. An ihrer Stelle befindet sich heute das Hanseatic Trade Centre. Unter dem Architekten Werner Kallmorgen und der Bauleitung der HHLA konnte jedoch der größte Teil der Speicher erhalten und restauriert werden, teilweise allerdings nur die Fassaden (Block M). Block D, E und L waren lediglich im oberen Teil gering beschädigt und wurden detailgetreu rekonstruiert. Der soliden Bauweise und den vielen Brandmauern in den einzelnen Speicherböden ist es zu verdanken, dass überhaupt einige Speicher vor dem Ausbrennen bewahrt wurden. Beim Wiederaufbau wurden die vorhandenen Holzpfahlgründungen überall wieder verwendet.

 

1952/53: Unter den neuen Bürohäusern ragen das Freihafenamt Bei St. Annen 2 (1952/53) und Block T am Alten Wandrahm (1967) heraus, deren streng gegliederten Backsteinfassaden beispielhaft sind für Werner Kallmorgens Bestreben, die Hamburger Bautradition mit modernen Mitteln wiederzubeleben.

1960: Bis zur Einführung des Containers in den 1950er Jahren und die darauf zurückführende Umstrukturierung des Hamburger Hafens, waren Quartiersleute und Schiffsausrüster mit ihrer Tätigkeit in der Speicherstadt bestimmend. Die aufwendige Lagerung der Waren ist jedoch teurer und lohnt nicht für Massengüter. Zahlreiche traditionelle Nutzer mussten ihre Unternehmen aufgeben oder verlagern.

1980: Anfang der 1980er Jahre hatte ein erheblicher Strukturwandel die Speicherstadt erfasst. Das Vordringen des Containers revolutionierte den Hafen und die Lagerlogistik, der konventionelle Stückgutverkehr verlor seine Bedeutung. Der wasserseitige Schutentransport, der bereits seit den 60er Jahren kontinuierlich zurückging, kam vollständig zum Erliegen. Traditionelle Lagergüter, wie etwa Kaffee oder Kakao, wurden zunehmend lose in Containern befördert. Doch in den 1980er Jahren entwickelte sich die Speicherstadt zum weltgrößten Lager- und Handelsplatz für Orientteppiche.

 

Strukturwandel und Neuorientierung

1988: Der Hamburger Senat beschließt ein Konzept zur Privatisierung der Speicherstadt. Nach einem von den Quartiersleuten unter dem Motto „Hände weg von der Speicherstadt“ initiierten Protest, dem sich die Öffentlichkeit anschließt, gibt der Senat das Vorhaben auf.

1991: 3,3 Hektar an der Kehrwiederspitze werden aus dem Hafengebiet herausgenommen und privatisiert. Das verbleibende Gebiet der Speicherstadt wird als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt.

1997: Bürgermeister Henning Voscherau präsentiert einer völlig überraschten Öffentlichkeit das vom Architekten Volkwin Marg und vom damaligen HHLA-Vorstandsvorsitzenden Peter Dietrich entwickelte Projekt HafenCity.

1999: Mit der ständigen Ausstellung Hamburg Dungeon eröffnet das erste touristische Angebot in der Speicherstadt. Kurz danach (2000) folgen der Dialog im Dunkel und das Miniatur Wunderland (2002). Das Miniaturwunderland ist heute das Hamburger Museum mit den meisten Besuchern. (2014: 1,1 Mio.)

2001: Die HHLA entscheidet sich für die Strategie eines beschleunigten, aber behutsamen Strukturwandels in der Speicherstadt.

2002: Das „Rathaus der Speicherstadt“, Sitz der HHLA, wird unter Federführung des renommierten Büros gmp komplett saniert und umgebaut.

 

2003: Am 1. Januar, 0.00 Uhr, wird die Speicherstadt aus dem Freihafenstatus entlassen. Seither entwickelt und realisiert HHLA Immobilien moderne Nutzungskonzepte für die Speicherblöcke und Kontorhäuser. Als erstes ziehen Agenturen, Verlage und andere Dienstleister in die neuen Räumlichkeiten.

2007: Die Speicherstadtimmobilien der HHLA werden zusammen mit der Fischmarkt Hamburg- Altona GmbH ein eigener Teilkonzern der HHLA, dessen Aktien nicht an der Börse gehandelt werden und zu 100 Prozent bei der Stadt Hamburg bleiben.

2008: Erste Büros für den Textil-Großhandel eröffnen, schnell kommen große Show-Rooms dazu. Heute ist die Modebranche mit fast 30.000 qm einer der größten Nutzer der alten Speicherböden.

2008: Das Internationale Maritime Museum zieht in die Räumlichkeiten des Kaispeichers B ein.

2012: Die Speicherstadt ist nicht länger Hafengebiet. Die Hamburger Bürgerschaft verschiebt am 13. September die Hafengrenzen und beschließt ein Entwicklungskonzept für die Speicherstadt.

2014: Das erste Hotel in der Speicherstadt eröffnet. Das ehemalige Kontorhaus am Sandtorkai und die Kaffeebörse werden dafür umgebaut.