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/ 28.10.2015

Schiffsplaner – die Kistenartisten

Sie planen die Abfertigung jedes Schiffes, das an den HHLA-Terminals festmacht. Präzision und Organisationstalent sind ihre Stärken. Durch das zweite Certified-Ship-Planner-Programm der HHLA wurden jetzt zehn weitere HHLA-Beschäftigte zu Schiffsplanern ausgebildet.

Klaus Stender sitzt an einem langen Schreibtisch mit drei Bildschirmen. Auf jedem Monitor sind kleine Schiffe, viele Zahlenkombinationen und jede Menge bunte Boxen zu sehen. Im ersten Moment ergeben die drei Bildschirme ein farbenfrohes Bild und erinnern an ein Spiel. Doch was bunt aussieht, ist filigrane Kleinarbeit. Klaus Stender muss alle drei Monitore im Blick behalten. Sie bilden die Längsseite eines Containerschiffes ab. Außerdem werden mehrere Querschnitte des Schiffes sowie Containernummern und Hinweise auf besondere Ladung angezeigt.

Klaus Stender ist Schiffsplaner und bereitet den Stauplan der Container­schiffe noch vor ihrer Ankunft am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) für die jeweilige Schicht vor. Jeder Container, der gelöscht oder geladen werden muss, wird von Stender exakt aufgelistet und geplant.

Am ersten Schiff gleich 850 Container geplant

Welche Container müssen zuerst von Bord? Welche Container müssen in welchem Hafen wieder gelöscht werden und wo ist ihr optimaler Stellplatz auf dem Schiff? Gibt es Container, die Gefahrgut enthalten oder gekühlt werden müssen? Das ist nur ein Bruchteil der Fragen, die sich ein Schiffsplaner stellen muss.

„Für mein erstes Schiff, das ich alleine vorbereitet habe, benötigte ich sieben Stunden. Ungefähr 850 Container habe ich dabei geplant“, sagt Stender. Der 47-Jährige schloss Anfang Juli, zusammen mit neun weiteren HHLA-Beschäftigten, den theoretischen Teil der Ausbildung zum Certified-Ship-Planner ab. Er durchlief erfolgreich ein strukturiertes Auswahlverfahren (sAV). Anfang Mai 2015 starteten acht Männer und zwei Frauen in das Ausbildungsprogramm der HHLA. „Unsere eigenen Leute auszubilden, ist deshalb ein Vorteil, weil wir bereits ihre Stärken kennen und auf ihre Erfahrungen zählen können“, sagt Matthias Bartels, Leiter der Schiffsplanung am Container Terminal Tollerort (CTT). 

Viel Praxiserfahrung gesammelt

Sechs Wochen lang wurden die angehenden Schiffsplaner im maritimen competenzcentrum geschult. Drei weitere Wochen erhielten sie von Matthias Barthels in der Fachschule eine Einführung in die Planungssoftware SPARCS. Seit Juli sind die neuen Schiffsplaner in der praktischen Einarbeitungsphase an ihren zukünftigen Einsatzorten an den Terminals Burchardkai und Tollerort. „Ich finde es wichtig, dass die angehenden Schiffsplaner Praxiserfahrung sammeln können“, sagt Barthels.

Wer denkt, dass ausschließlich Nautiker eine Chance haben, den Beruf des Schiffsplaners zu erlernen, irrt. Klaus Stender ist ein bekanntes Gesicht auf dem Burchardkai. Er startete seine berufliche Laufbahn als Seegüterkontrolleur und kam im Jahr 1991 als Checker zu der HHLA. Später wurde er auf dem CTB Van-Carrier-Fahrer, anschließend Vorarbeiter und plant seit 2014 die Arbeitsprogramme für die Containerbrücken am Schiff. Von der langjährigen Erfahrung im Hafenumschlag profitiert er natürlich. Seit Mai 2015 wird er zum Schiffsplaner ausgebildet. „Ich bin sehr glücklich darüber, unter den zehn Personen zu sein, die für dieses Programm ausgewählt wurden“, sagt Stender. „Für mich ist damit ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen.“

Kein klassischer Bürojob

Genauso geht es auch Denise Köhler. Die 25-jährige Hafenlogistikerin ist eine der beiden Frauen, die ebenfalls zur Schiffsplanerin ausgebildet werden. Seit dreieinhalb Jahren fährt sie Van-Carrier (VC) auf dem Tollerort. „Mir gefällt der Beruf der VC-Fahrerin. Dennoch wollte ich etwas verändern und habe mich für die Ausbildung zur Schiffsplanerin beworben. Dass ich tatsächlich genommen werde, hätte ich nicht gedacht. Ich bin sehr froh darüber“, sagt Köhler. 

Besonders gut an dem Beruf gefalle ihr, dass es kein klassischer Bürojob sei. Es sei ein vielfältiger Beruf. Schiffsplaner arbeiten eng mit den Stauzentralen der Reedereien zusammen. Nach jeder fertiggestellten Planung müssen die Schiffsplaner auf die Containerschiffe. Dort besprechen sie mit dem 1. Offizier der Besatzung den Stauplan. Erst wenn der verantwortliche Offizier den Stauplan abgesegnet hat, darf das Schiff beladen werden.

Denise Köhlers praktische Einarbeitung beginnt im November. „Darauf bin ich schon gespannt“, sagt sie. Klaus Stender durfte, zusammen mit fünf weiteren neuen Schiffsplanern des Burchardkais, im September auf einem Hamburg Süd-Containerschiff von Rotterdam über London bis Hamburg mitfahren und dabei Erfahrungen an Bord sammeln. Seine Einarbeitungsphase wird Ende des Jahres abgeschlossen sein. „Ich habe mit der Ausbildung zum Certified-Ship-Planner einen Job, den ich bis zum Ende meiner Laufbahn bei der HHLA machen möchte“, sagt Stender.