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/ 11.01.2017

Sicher durch die Hochwasser-Saison

Andreas Pilgrim (52) sorgt dafür, dass die Anlagen der HHLA im Hamburger Hafen auch bei Hochwasser nicht überflutet werden. Momentan ist für ihn Hochsaison. Er ist seit drei Jahren Hochwasserschutz-Beauftragter der HHLA und arbeitete zuvor vierzehn Jahre lang im Baubereich des Konzerns.

Herr Pilgrim, wie entsteht eigentlich eine Sturmflut? 

Wenn starke, auf die Küste zuwehende Winde, das Nordseewasser in die Elbe drücken, steigt der Wasserstand in Hamburg und damit die Gefahr einer Sturmflut. Die Wahrscheinlichkeit für Sturmfluten steigt ab September stark an und erreicht in den Wintermonaten ihren Höhepunkt. Daher wird in der Polderordnung eine Hochwassersaison definiert, die vom 1. September bis zum 15. April dauert.


War die Saison 2015/2016 sehr turbulent? 

Die vergangene Sturmflutzeit verlief zum Glück relativ ruhig. Die letzte sehr schwere Sturmflut hatten wir am Nikolaustag 2013. Dieses Hochwasser war mit 6,08 Metern über Normalnull die zweithöchste in Hamburg gemessene Sturmflut nach dem Hochwasser von 1976 mit damals 6,45 Metern über Normalnull. 


Wie reagiert die HHLA bei einer Sturmflutwarnung? 

Ab 4,50 Metern über Normalnull gibt der Warndienst der Hamburg Port Authority (HPA) per Funk eine Sturmflutwarnung heraus. Die HHLA wird bereits ab 3,50 Metern über Normalnull vom Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie gewarnt. Ab dann greift auch der Notfallplan der HHLA. Je nach voraussichtlichem Wasserstand wird ein mehrstufiger Notfallplan in Gang gesetzt. Einsatzleiter, Polderpiloten und Vertreter werden zu jeder Tages- und Nachtzeit per Handy, SMS und Festnetz informiert, um beispielsweise Flutschutztore zu schließen, Mitarbeiter einzuweisen und im Notfall die Anlage zu räumen. 

 
Wie werden die HHLA-Terminals vor einer Überflutung gesichert? 

Da gibt es unterschiedliche Sicherungssysteme. Der HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) befindet sich auf einer Höhe von 7,50 Metern über Normalnull auf einer künstlich aufgeschütteten Ebene, der so genannten Warft. Im Gegensatz dazu ist der HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) durch Flutschutzwände gesichert. Diese geschützte Fläche, der so genannte Polder, bildet mit einer Fläche von 1,7 Millionen Quadratmetern das größte zusammenhängende gesicherte Areal der HHLA. Im Notfall werden alle 45 Tore und 54 unterirdischen Schieber geschlossen. 

 
Braucht der Hochwasserbeauftragte eine besondere Ausrüstung?

Helm, Sicherheitsschuhe und eine dicke wetterfeste Jacke sind die Grundausstattung für einen Hochwasserschutz-Beauftragten. Um Schäden zu dokumentieren, habe ich außerdem einen Fotoapparat und ein Diktiergerät dabei, ein Klemmbrett um Skizzen anfertigen zu können. Vor allem gehört eine gute Portion Erfahrung mit Bauwerken im Allgemeinen und insbesondere mit Hochwasserschutz-Anlagen dazu. 

 
Und was machen Sie in der sturmflutfreien Zeit? 

Diese Zeit ist für uns besonders wichtig. Wir haben nur diesen kurzen Zeitraum, um die Hochwasserschutz-Anlagen auf die kommende Flutsaison vorzubereiten. Ein jährlicher Übungseinsatz mit allen Beteiligten und regelmäßige Wartungsgänge gehören zum Pflichtprogramm. Alle technischen Geräte der Schutzanlagen werden ein- bis zweimal jährlich gewartet und wenn nötig instandgesetzt. Am CTB beginnen wir ab April damit, die während der Hochwasser-Saison festgestellten Schäden zu beseitigen. Dazu gehören in der Regel das Ausbessern von beschädigten Tordichtungen sowie die Reinigung von Hochwasserschutz-Schiebern und Pumpen.