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Der Einteiler

110 / 21.03.2011

Michael Herrmann, 53, sorgt als Mitarbeiter der Einteilung Umschlag am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) dafür, dass die Schichten besetzt sind. Eine Aufgabe, bei der er sich Respekt verschaffen und Gerechtigkeit walten lassen muss. Vom Tanz hinter dem Tresen.

 

Am Tresen ist Betrieb. Die Jungs kommen und gehen, stiefeln rein, poltern raus, werfen sich kernige Sprüche um die Ohren, klopfen mit großen Händen auf breite Schultern und schlagen auch mal auf den Tisch. Der Ton ist hart, aber herzlich. Die Sitten rau, die Regeln klar und Michael Herrmann hat hinter dieser Theke das Sagen.

 

Herzhafte Getränke werden nicht ausgeteilt; es geht um Wichtigeres: um Schichtdienste, um Urlaub und Überstunden, um Nachtdienste und um Gerechtigkeit – da verstehen die Jungs keinen Spaß. Kurzum: Es geht um die Arbeit: wer, wann, wo? Und damit geht es auch um die Pfründe, die Frage nämlich, wer am Monatsende wie viel auf dem Konto hat. „Ich mag es, wenn Dampf auf dem Kessel ist“, sagt Herrmann. Das ist gut so, denn sein Kessel kann dampfen.

 

Herrmann ist Einteiler am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB). Rund 450 Mitarbeitern teilt er mit sechs Kollegen die Arbeit zu – drei bis vier Schichten pro Tag, Woche für Woche, an Wochenenden und Feiertagen. Immer dann, wenn Schiffe an der Kaimauer liegen und Last loswerden wollen oder die Bäuche gestopft bekommen sollen. Schiffe mögen nicht warten; noch weniger schätzen das ihre Besitzer. Containerbrücken müssen just-in-time besetzt sein: „Pro Brücke, ein Gang, pro Gang sieben Mann, zwei Brückenfahrer, drei Van Carrier Fahrer, eine Ablösung und eine Brückenaufsicht“, beschreibt Hermann die Teams, die er zusammenstellt.

 

Nun sind die Jungs nicht einfach. Sie haben Wünsche und Bedürfnisse, Frauen und Kinder, wollen in Urlaub fahren, die Oma besuchen oder das Eigenheim schnell abbezahlen. Und der CTB hat auch Ansprüche: Manchmal kommen Schiffe später, manchmal kommen keine, manchmal stauen sie sich vor der Kaimauer. Das alles muss Hermann ausbalancieren und dabei gerecht bleiben. Sonst fliegt ihm der Kessel um die Ohren.

 

„Ich laufe schon mal mit einem Block durch das Haus und suche auf die Schnelle Kollegen für eine freiwillige Samstagsschicht“, beschreibt er seinen Balanceakt. „Ich war früher auch mal Kaitorte“, sagt er. „Ich weiß, wie es den Jungs da draußen geht. Außerdem sabbel ich gerne, mag viele Menschen um mich und kann schnell reagieren.“ Ein bis zwei Mal die Woche geht er an die Geräte im Fitnesscenter. Auch, um sich fit für den Tanz hinter dem Tresen zu halten. Respekt zollen ihm die Jungs; das mit der Gerechtigkeit scheint fast immer zu gelingen.

 

In Kürze will Herrmann noch mal heiraten – seine Freundin, mit der er seit 16 Jahren zusammen ist. Das wäre doch für die rund 450 Kollegen vom CTB eine wunderbare Gelegenheit, ihrem Einteiler mal so richtig dampfend Hoch leben zu lassen.