Der Mutmacher
51 / 30.09.2011
Uwe Boldt, 52, aus der Schwergutabteilung des CTA musste als Analphabet einen schwierigen Weg gehen. Mit seinem Erfolg will er motivieren und sagt: „Redet drüber!“
7,5 Millionen Analphabeten gibt es nach einer Studie der Uni Hamburg in Deutschland, und Uwe Boldt war bis vor kurzem einer von ihnen. Als Junge, in der Schule, wurde er trotzdem versetzt, „aus pädagogischen Gründen“. Später rutschte er immer so durch, konnte das notwendigste entziffern, schrieb so wenig wie möglich.
Uwe hatte andere Probleme, die wichtiger waren und deren Lösung er mit Hilfe der HHLA Suchtberatung anging. Seit 20 Jahren ist er trockener Alkoholiker. Kollegen haben ihm gezeigt, dass es auch „ohne“ geht, wenn man den richtigen Weg findet. Diese Erfahrung gab ihm letztendlich den Mut, sich auch seiner anderen Schwäche zu stellen.
Lange fand er es abschreckend, einen Kurs an der Volkshochschule zu belegen, rang sich aber durch. Nach mehreren Jahren kann er jetzt alles lesen und schreiben, auch wenn es mit der Rechtschreibung noch manchmal hakt. Weil er weiß, dass viele Analphabeten sich schämen, engagiert Uwe sich im Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Sogar auf der Frankfurter Buchmesse war er, um deren Kampagne zu unterstützen.
Ein wenig stolz spricht er das Wort Alphabetisierung aus ohne zu stocken. Seine Kurse haben ihm auch geholfen, sich besser auszudrücken. „Es gibt viele wie mich, die nicht richtig lesen oder rechnen können“, weiß Uwe. „Sie sagen oft: Mich versteht sowieso keiner.“ Genau für solche Menschen möchte er da sein, ihnen durch sein Beispiel Mut machen.
„Vertuschen hilft nicht“, warnt er, „irgendwann kommt es doch raus. Redet lieber drüber, es gibt immer einen Weg!“ Deswegen hat Uwe Boldt sich als Ansprechpartner im Rahmen der Sozialbetreuung gemeldet. Er ist für seine Kollegen bei der HHLA da, egal welche Art von Problem sie haben.
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