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Geschäftsführer mit Ausblick

65 / 13.10.2010

Jens Wismann, 49, ist Geschäftsführer der Hamburger Container- und Chassis-Reperatur Gesellschaft (HCCR) und kann an seinem Betriebsgelände die Lage der Weltwirtschaft ablesen.

 

Wissen Sie was Jens Wismann manchmal nach Feierabend macht? Wir verraten sein Geheimnis: Er kocht sich Muscheln in der Pantry, nimmt sich einen Liegestuhl mit auf das Dach seines Büros und genießt dort die Muscheln und den Sonnenuntergang auf der funkelnden Elbe hinter dem Burchardkai.

 

Wenn Wismann bei einer dieser Gelegenheiten nach unten statt in die Ferne blickt, auf den Werkshof der Hamburger Container- und Chassis-Reparatur Gesellschaft (HCCR), dann weiß er, wie es um Deutschland steht. Stehen nur wenige leere Container auf dem Hof, brummt die Wirtschaft. Ist der Hof voll mit den stählernen Kisten, stottert der Konjunkturmotor. HCCR ist ein Tochterunternehmen der HHLA.

 

„Zurzeit stehen etwa 4.000 leere Standardcontainer (TEU) bei uns“, beschreibt Wismann die aktuelle Lage. „Wir hatten hier auch schon 30.000 TEU stehen.“ Es geht also wieder aufwärts mit Deutschland. „In den vergangenen anderthalb Jahren wurden aufgrund der weltweiten Wirtschaftslage keine neuen Container mehr gebaut. Jetzt zieht die Konjunktur wieder an und die Ware Container ist gerade ausgesprochen knapp“, erklärt Wismann das wirtschaftliche Weltgeschehen am Beispiel des Leercontainers.

 

Der 49-jährige Industriekaufmann, Betriebswirt, Muschelliebhaber und Hobie 16-Segler (für Nicht-Segler: eine sportlich-nasse Segelvariante) ist seit 2003 Geschäftsführer der HCCR. Das Tochterunternehmen der HHLA repariert, reinigt und lagert leere Container im Auftrag ihrer Besitzer (Reedereien und Leasinggesellschaften) und betreibt Leercontainerlager für die Terminals. „Noch vor einigen Jahren haben die Terminals massenweise leere Container auf die Schiffe nach Asien geladen, weil mehr Fracht aus Asien eingeführt als dorthin ausgeführt wurde“, beschreibt Wismann das ständige Auspegeln der Gepäckstücke für die internationalen Warenströme. „Heute lagern wir weniger Leercontainer, müssen aber viel mehr Container unter hohem Zeitdruck reinigen, reparieren und ganz schnell wieder auf die Reise schicken. Natürlich wird sich das alles auch wieder ändern“, weiß Wismann, „die Weltwirtschaft bewegt sich in Zyklen.“

 

Neben der Betrachtung des Mikrokosmos Leercontainer und den makroökonomischen Schlussfolgerungen überrascht der ebenso humorvolle wie gelassene Wismann mit einer weiteren Erkenntnis: „Logistik heißt, Transporte vermeiden!“ Deswegen habe die HCCR auch – und da blitzt der Unternehmer in ihm auf – vier Standorte im Hamburger Hafen. Die HCCR sei auf allen HHLA-Terminals mit Leercontainerlagern vertreten und spart so das Umherfahren der leeren Container im Hafen. Nur auf dem Burchardkai gibt es noch kein durch HCCR bewirtschaftetes Leercontainerlager – aber der ist nur ein Muschelwurf weit vom Hauptsitz der HCCR entfernt. „Wir sind wohl der einzige Leercontainer-Dienstleister in Deutschland mit direkt angeschlossenem Terminal“, so Wismann.