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Der Mann in der "Blauen Lagune"

82 / 13.12.2010

Wilhelm Noll, 56, über die LKW-Stückgutabfertigung an der Halle 6 am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) und warum das manchmal viel mit Detektivarbeit zu tun hat.

 

An Wilhelm Noll und der „Blauen Lagune“ kommt am CTB kein Lastwagenfahrer vorbei. Die „Blaue Lagune“ – ein blauer Bürocontainerkomplex – beherbergt die Hebestelle und Wilhelm Noll steht ihr vor. Das etwas verstaubt anmutende Wort kommt aus der Historie. In der Hebestelle wurden früher ladungsbezogenen Entgelte von den Kunden eingenommen. „Damals wurden hier mitunter große Summen bewegt. Heute geht die Barzahlung über eine andere Abteilung. Es kommt aber immer noch vor, dass ich Waren herausgebe – etwa ein Auto – wenn ein Kunde Vorkasse geleistet hat und seine Quittung vorlegt“, sagt Noll.

 

Überhaupt erreichen oder verlassen Waren per LKW nur dann das Terminal, wenn sie das Nadelöhr der LKW-Abfertigung bei Noll passieren. „Im Idealfall sind bei uns alle Aufträge hinterlegt und wir wissen, wann welcher Fahrer Fracht bringt oder holt“, so Noll. Leider läuft das nicht immer reibungslos. „Häufig kommen Fahrer zu uns, für die noch keine Unterlagen vorliegen oder wir können sie nicht zuordnen“, bilanziert der 56-Jährige. Viele Fahrer sprechen schlecht bis gar kein Deutsch, die Aufträge sind so komplex, dass selbst die Spediteure fehlerhafte Angaben liefern und so gilt es oft, Rätsel zu lösen. „Dann beginnt die Puzzlearbeit und wir müssen die fehlenden Informationen über drei oder vier Ecken einholen. In solchen Fällen warten die Fahrer einige Stunden oder auch mal einen Tag, bis wir wissen, was sie laden sollen.“ Wichtiges Werkzeug des gelernten Kaufmanns ist dabei das Telefon. „Wir sprechen mit Kunden, Spediteuren oder Maklern. Das macht die Arbeit nie langweilig und zu 90 Prozent sind es klasse Gespräche.“

 

Dass Noll seine Arbeit gerne mag, zeigt der Blick auf seine Betriebszugehörigkeit. Der aus Finkenwerder stammende ist seit 34 Jahren bei der HHLA, wo er als einfacher Hafenarbeiter anfing. „Ich wollte ursprünglich nur ein Jahr bleiben und nach meiner Lehre etwas Geld verdienen“, sagt er mit einem gewinnenden Lächeln. „Mein Zwillingsbruder arbeitete damals bereits sechs Monate im Hafen, so kam ich zur HHLA.“ Auch Nolls Zwillingsbruder Wolfgang ist noch immer bei der HHLA. Er arbeitet in der Materialwirtschaft. „Wenn man unsere beiden Lebenswege nimmt, sind wir uns schon sehr ähnlich. Wir haben beide Kaufmann gelernt, haben unseren jeweiligen Ersatzdienst beim Deutschen Roten Kreuz absolviert und haben den selben Arbeitgeber“, bilanziert der Familienvater. Mit seinem Sohn, der als Seegüterkontrolleur am Burchardkai arbeitet, gibt es seit einigen Jahren einen dritten Herrn Noll bei der HHLA. Scheint eine Tradition zu werden.