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Wege aus dem Wartezimmer

90 / 10.01.2011

Kai Gerkens, 44, im Interchange am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB), über die Entwicklung technischer Lösungen für eine schnellere LKW-Abfertigung. Sein Ziel: Mehr Container schneller umschlagen mit kürzeren Wartezeiten für Lastwagenfahrer.

 

Es muss noch eine Lanze für die Lastwagenfahrer gebrochen werden. Sie haben es auch nicht leicht: Nach einem langen Tag auf dem Bock müssen sie sich im unübersichtlichen Hafen zu den Terminals durchschlagen, an den Gates mit Papierkram abquälen und warten, warten, warten – im Stau, auf dem Parkplatz, auf Frachtpapiere, Zollerklärungen und Eingangs- wie Ausgangskontrollen. Rund 2.500 LKWs kommen pro Tag etwa auf den HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB), im Schnitt 50.000 pro Monat. Das klingt nicht nach fließendem Verkehr.

 

Kai Gerkens will das ändern. Der diplomierte Betriebswirt ist zuständig für die Umsetzung von Projekten, mit denen die Terminals weiterentwickelt werden sollen. „Die Frachtmengen wachsen, die Technik entwickelt sich weiter. Wir müssen mit der technischen Entwicklung mithalten, um die anschwellenden Warenströme zu meistern“, sagt er. Sein Spezialgebiet ist das Hinterland. In der hafenzentristischen Betrachtungsweise heißt das: Alles was von „hinten“ zum Hafen oder vom Hafen nach „hinten“ fließt. Womit wir bei den Lastwagen sind, die Container zum CTB bringen oder holen.

 

„Wir wollen die Gate-Abläufe vereinheitlichen, zentralisieren und beschleunigen – terminalübergreifend“, formuliert Gerkens das Ziel. Dazu koordiniert er derzeit die Optimierung des Truckerkartensystems inklusive der transponderbasierten „Truckercard“  und einer automatisierten Anlage zur Annahme und Ausgabe von Containern. Was derzeit mit einigen Spediteuren getestet wird, soll eines Tages Normalität werden: Der Lastwagenfahrer fährt durch das Terminalgate und identifiziert sich an einem Automaten mit seiner „Truckercard“. Die enthält Information über den Fahrer, seine Spedition und sein Transportgut. Im Gegenzug spuckt der Automat einen Plan aus, der dem Fahrer zeigt, wo er seinen Container abzustellen oder abzuholen hat. Gleichzeitig checken Kameras und Scanner Zustand und Kennung des Containers und lesen die Daten ins System ein. Im System – verborgen im virtuellen Datenverkehr – läuft der Papierkram ab: Warenan- und -abmeldungen, Zollerklärungen und was es sonst noch so braucht, um einen Container um die Welt zu schicken. So könnte eines Tages der gesamte Verkehr durch das Gate fließen.

 

Nun sind Lastwagenfahrer auch nur Menschen. Sie beherrschen es zwar, eine mindestens 7,5 Tonnen schwere Maschine durch Europa zu lenken. Sind deswegen aber nicht automatisch mit den Finessen modernster Informationstechnologie vertraut. „Wir brauchen Geduld, Fingerspitzengefühl. Wir müssen die Fahrer schulen und ihnen die Angst vor der Technik nehmen“, beschreibt Gerkens die Herausforderungen. Er sitzt dabei ganz dicht dran. Im hektischen Treiben des Interchanges am Burchardkai hat Gerkens sein Büro – sozusagen auf Auspuffhöhe.

 

„Ich schätze die Kombination aus Praxis und Theorie sehr“, sagt er während eine Prise Diesel über seinen Schreibtisch weht. „Wir entwickeln unsere Projekte am lebenden Organismus und nicht am grünen Tisch. Das bewährt sich bei der Umsetzung.“ Nur ein Problem könne er nicht lösen, so Gerkens: „Für die LKW-Staus jenseits der Terminals im Hamburger Hafen muss die Stadt eine Lösung finden.“