Die Vielreisende
97 / 02.02.2011
Susanne Milberg, 47, HPC Hamburg Port Consulting GmbH, über die Beratung von Regierungen und Organisationen bei der Entwicklung, Planung und Umsetzung von Hafenkonzepten. Ihren Reisepass muss sie bei dieser Arbeit etwa alle zwei Jahre erneuern.
Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben, werden Sie – wo immer Sie einen Hafen auf dieser Welt erblicken – an Susanne Milberg denken.
„Wir tragen das Wissen und die Expertise der HHLA, des Hamburger Hafens, in die Welt“, beschreibt die dynamische Frau ihre Arbeit. Milberg ist Beraterin bei der HPC Hamburg Port Consulting GmbH. An dem unabhängigen Unternehmen innerhalb des HHLA Konzerns ist sie zudem als eine von sechs Partnern beteiligt. Was sie am Ende des Jahres verdient, hängt also davon ab, welche Früchte ihre Arbeit und die der knapp 90 Kollegen tragen.
Milberg hat es mit den Großen der Welt zu tun. Sie berät Regierungen, Organisationen der nationalen und internationalen Entwicklungs-zusammenarbeit wie etwa die Weltbank, die African und die Asian Development Bank, die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Und natürlich gehören auch Privatunternehmen zu ihren Kunden. Dabei dreht es sich stets um ein Thema: Wie kommen wir zu einem Hafen und wie bringen wir ihn zum Laufen? „Uns geht es in erster Linie um Containerhäfen und -terminals“, ergänzt die Diplom-Volkswirtin.
Um die Fragen ihrer Kunden zu beantworten, erstellt Milberg mit ihrem Team Studien und Analysen, Angebote und Bewerbungen für Ausschreibungen und Wettbewerbe, beobachtet Märkte, entwickelt Hafenlayouts, macht sich Gedanken über Infrastruktur, technische Ausstattungen, Hinterlandanbindungen und natürlich über die notwendigen Finanzmittel. „Manchmal schauen wir auch in die Kristallkugel“, sagt sie und meint Zukunftsprognosen über Schiffs- und Frachtaufkommen in 20 bis 30 Jahren.
Die Tochter eines Kaufmanns, die sich selbst als „frühe Nestflüchterin“ bezeichnet, ist stets auch vor Ort auf grünen Wiesen, am Rande des Wassers oder inmitten eines wuselnden Hafens, dem nach Effizienz und modernen Umschlagsystemen dürstet. Drei bis vier Monate pro Jahr ist sie in der Welt unterwegs; ihr Reispass hält im Schnitt zwei Jahre – dann ist er vollgestempelt. Die Inaugenscheinnahme ihrer Studienobjekte hält sie für unerlässlich: „Am Ort des Geschehens ist es meist anders, als man sich das vorgestellt hat“, sagt sie. Das Reisen macht ihr Freude und verwöhnte Zimperlichkeiten scheinen ihr fremd. „Bei uns muss jeder überall hin, die wesentlichen Kulturtechniken beherrschen und einen rücksichtsvollen Umgang pflegen“, sagt sie und ergänzt: „Wir fliegen Holzklasse, denn es wäre peinlich, wenn wir vorne und der Kunde hinten im Flieger sitzt.“
Und woran macht Frau Milberg Erfolg fest? „Wenn aus einer Akquisition ein Auftrag wird, wenn ein Projekt erfolgreich geleitet, wenn junge Kollegen angelernt und der Kontakt zum Kunden gehalten wurde“, sagt sie. Dann denkt sie kurz zwischen ihren Plänen, Studien und Listen nach und fügt hinzu: „Die größte Freude ist es, wenn ich an einen Ort zurückkomme und der Hafen, den wir geplant haben, liegt vor mir.“
Denken Sie an Frau Milberg, wenn Sie das nächste Mal irgendwo auf der Welt in einen Hafen einfahren. Vielleicht hat man ihn nach ihrem Rat er- oder ausgebaut.
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