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Auf dem Weg zum emissionsfreien Containerterminal

Das HHLA Container Terminal Altenwerder ist nicht nur eine der weltweit modernsten Anlagen für Containerumschlag. Es ist auch ein Test- und Forschungslabor, wo zukunftsweisende Pionierarbeit geleistet wird.

 

Elektroantriebstechnik ist das Mobilitätssystem der Zukunft. Deutschland hat sich in der Vergangenheit nicht gerade als Vorreiter in diesem Bereich hervorgetan. Die Automobilindustrie hat die Entwicklung lange Zeit verschlafen und versucht nun ihren Entwicklungsrückstand aufzuholen. Umso erfreulicher ist es da, dass ausgerechnet ein Hafenunternehmen aus Hamburg ein Vorreiter in Sachen Elektromobilität ist. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ist auf dem besten Wege, ihr Terminal Altenwerder (CTA) zum weltweit ersten Zero-Emission-Terminal zu entwickeln. Ziel ist die vollständige Elektrifizierung der Anlage und ein Betrieb, der ausschließlich mit Ökostrom erfolgt.

 

Seit der Eröffnung 2002 zählt der CTA zu den modernsten Containerumschlaganlagen der Welt. Mit seinen automatisierten, softwaregestützten Prozessen, dem damals schon hohen Elektrifizierungsgrad und einer sehr produktiven Flächeneffizienz gilt das CTA von Beginn an als Meilenstein der Terminalentwicklung. Ein Grund zum Ausruhen? Fehlanzeige! Mit Innovationen entwickelt die HHLA das CTA stetig weiter. Mehr sogar: Die Anlage ist heute ein Test- und Forschungslabor, wo zukunftsweisende Pionierarbeit geleistet wird.

 

Zu den größten Errungenschaften gehören die fahrerlosen AGV (Automated Guided Vehicles), die Container zwischen Kaikante und Blocklager bewegen. Auf die ersten dieselbetriebenen Fahrzeuge folgten emissionsärmere diesel-elektrische AGV. 2011 kamen die ersten batteriebetriebenen Schwerlastfahrzeuge mit Blei-Akkus zum Einsatz. Im Herbst 2016 transportierte dann erstmals der Prototyp eines AGV mit moderner Lithium-Ionen-Technologie Container über das CTA. Dieser wurde im Zusammenwirken mit einer automatischen Stromtankstelle erfolgreich getestet.

 

Im April 2018 hat die HHLA nun die Anschaffung von 25 dieser mit Ionen-Lithium-Batterien angetriebenen AGV bekanntgegeben, die noch in diesem Jahr am CTA in Betrieb gehen sollen. Bis Ende 2022 wird dann die knapp 100 AGV umfassende Flotte komplett auf Lithium-Ionen-Batterieantrieb umgestellt. Zudem werden zu den aktuell sechs Stromtankstellen zwölf weitere installiert.

Die neuen AGV laden ihre Lithium-Ionen-Batterien automatisch an einer der Stromtankstellen auf.

 

Die neuen E-Fahrzeuge punkten nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit, sondern sind auch wirtschaftlich attraktiv. Sie sind dreimal effizienter als die dieselbetriebenen Vorgänger der ersten Generation, da bei ihnen das Verhältnis der eingesetzten Energie zur realen Antriebsleistung deutlich höher ist als bei Diesel-AGV. Weitere Vorteile der Lithium-Ionen-Batterien sind ihre Ladezeit, die bei nur eineinhalb Stunden liegt, sowie ihre hohe Lebensdauer. Außerdem verringert sich das Gewicht im Vergleich zu Blei-Akkus von zwölf auf vier Tonnen. Hinzu kommt, dass Lithium-Ionen-Batterien anders als Blei-Säure-Akkus nicht gewartet werden müssen. Das reduziert Kosten und wartungsbedingte Ausfallzeiten.


Dem Ziel eines emissionsfreien Containerterminals schon sehr nahe

„Die AGV waren in der Vergangenheit die größten Treibstoffverbraucher am CTA“, erläutert Jan Hendrik Pietsch, Nachhaltigkeits- und Energiemanagementbeauftragter der HHLA. „Jedes Jahr wurden hier ca. fünf Millionen Liter Diesel verbraucht. Deshalb lag der Fokus unserer Nachhaltigkeitsbestrebungen am CTA auf den AGV.“ Mit Erfolg, denn durch die neuen Ökostrom-AGV werden zukünftig jedes Jahr rund 15.500 Tonnen CO2 und rund 118 Tonnen Stickoxid eingespart. „Damit sind wir unserem Ziel eines emissionsfreien Containerterminals schon sehr nahe“, so Pietsch.

 

Als letzter Terminalabschnitt werden nur noch für den Transport der Container zwischen elektrifiziertem Blocklager und Containerbahnhof dieselbetriebene Fahrzeuge eingesetzt. „Aber auch dort planen wir schon für die Zukunft“, sagt der Umweltexperte. „Ende 2017 haben wir ein Forschungsprojekt zum Einsatz von Zugmaschinen mit Ionen-Lithium-Batterie erfolgreich abgeschlossen.“ Gemeinsam mit der Firma Konecranes wurde der Prototyp einer Elektrozugmaschine mit Ladegerätcontainer entwickelt und auf dem Testfeld CTA auf Herz und Nieren erprobt. Wann die Zugmaschinen auf Batteriebetrieb umgestellt werden, steht allerdings noch nicht fest. Pietsch: „Bisher gibt es keine geeignete Serienproduktion. Und ohne die geht es nicht. Wir sind ja kein Hersteller und benötigen zudem eine funktionierende Wartungs-, Service- und Ersatzteilinfrastruktur. Wir sind der Entwicklung sozusagen einen Schritt voraus.“ Er ist jedoch überzeugt, dass sich der Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird und dann auch diese letzten dieselbetriebenen Verkehre auf Elektrobetrieb umgestellt werden können. Dann wäre das erste, 100 Prozent emissionsfreie Containerterminal tatsächlich Realität.