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Unschlagbar authentisch

Das frühere „Schaudepot“ in den historischen 50er Schuppen glänzt mit einer riesigen Zahl von Exponaten. Direktorin Ursula Richenberger ist dabei, eine neue Ordnung und Inszenierung zu schaffen. Mit Partnern wie die HHLA soll auch der moderne Hafen stärker zur Geltung kommen.

Als authentischer Museumsort ist Schuppen 50A mit dem angrenzenden Bremer Kai unschlagbar. Hier wurde der moderne Stückgutumschlag zu Beginn des 20. Jahrhunderts praktisch erfunden. Auf der klassischen „Hamburger Kaizunge“ liegen Gleise, auf denen allerlei Schienenfahrzeuge parken, und Speditionen nutzen nach wie vor die Laderampen der Nachbarschuppen.

Geht der Besucher über den Vorplatz, wo ausgemusterte Van-Carrier der HHLA aufragen, und klettert über die Flutschutzmauer, stößt er auf einen Wald von abgestellten Wipp-, Portal- und Halbportalkränen. Dahinter dümpeln verschiedenste historische Wasserfahrzeuge im Hansahafen. Einige, die der Stiftung Hamburg Maritim oder dem Museum der Arbeit gehören, können besichtigt werden. Andere werden von Privatpersonen oder Vereinen instand gehalten und sind nur bei besonderen Anlässen zugänglich.

 

Perfekt erhaltenes Ensemble

Für uns ist es ein Glücksfall, dass dieses Ensemble um die 50er Schuppen so perfekt erhalten geblieben ist“, freut sich Ursula Richenberger (43), die im Februar 2013 die Leitung des Hafenmuseum – einer Zweigstelle des Museums der Arbeit – übernommen hat. Selbst eine traditionelle Kaffeeklappe und die Sanitäranlagen im Keller wurden nur renoviert, nicht verändert.

Einige Nachteile hat die historische Anlage auch. Es gibt keine Heizung, daher muss das Museum von Oktober bis April schließen. Außerdem sind die mit unterschiedlichsten Exponaten vollgepackten Hochregale zwar eindrucksvoll, aber auch unübersichtlich. Die frühere Materialsammlung, die 2007 als „Schaudepot“ eröffnet wurde, will Direktorin Richenberger „für Nicht-Eingeweihte zugänglicher machen“. Sie ist dabei, eine neue Ordnung und Inszenierung zu schaffen.

 

Mehr Gegenwart zeigen

Bisher haben vor allem die „Hafensenioren“ Besuchern die Schauobjekte vermittelt. Da finden sich Kisten mit Handhaken für verschiedene Warengruppen, Anschlagmittel für Kräne und Hieven, Vitrinen mit alten Rechenmaschinen oder Twistlocks. Sie liegen zum größten Teil ohne Namen oder Erläuterung in den Regalen.

Von den Schautafeln, die darüber informieren, wozu all diese Geräte gebraucht werden, soll es in Zukunft mehr geben. Eine Nische, die den Beruf des Tauchers erläutert, zeigt schon die Richtung der Veränderung. Verschiedene Exponate zu einem Thema wurden hier konzentriert, ein Film über einen Tauchgang gedreht. „Wir wollen über die Berufe zeigen, was eigentlich im Hafen passiert“, sagt Richenberger. „Dabei ist uns die Einbindung der Gegenwart sehr wichtig, es soll nicht alles nur historisch daher kommen.“

 

HHLA stiftet begehbaren Container

Auch die HHLA leistet dazu einen Beitrag. Das Unternehmen hat schon viele ausgemusterte Gerätschaften beigesteuert, die von den Werkstätten und sehr aktiven Rentnern gewartet werden. Ohne die Hilfe von insgesamt 200 ehrenamtlichen Mitarbeitern wäre die umfangreiche Ausstellung gar nicht in Schuss zu halten. Dazu kommt noch der Verein „Freundeskreis Hafenkultur“, unter dessen Mitgliedern auch viele Firmen sind, die im Notfall die sehr knappen Finanzmittel des Museums aufstocken. So kamen zum Beispiel 80.000 € zusammen, um eine komplett erhaltene Lotsenstube aus Brunsbüttel nach Hamburg zu bringen, aufzuarbeiten und im Museum zu installieren.

In Zukunft sollen mehr speziell angefertigte Schau-Objekte die Sammlung ergänzen, die sich auch mit der Gegenwart beschäftigen. Zum Beispiel Filme, die den Beruf des Stauplaners und Containerbrückenfahrers beschreiben. Sie kommen von der HHLA, wie auch ein begehbarer 40-Fuß-Container, der die Vorteile der Standardbox für den internationalen Warenaustausch begreifbar macht. Dabei stehen als Zielgruppe vor allem Schüler im Focus. Sie machen schon jetzt einen erheblichen Teil der Besucher aus und mit dem Projekt Hafen-Scouts sollen noch mehr die Möglichkeit erhalten, den Hafen durch spielerische und unterhaltsame Elemente zu verstehen.