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VON DER MUSTERANLAGE ZUM MUSEUM: DIE 50ER-SCHUPPEN

Anfang des 20. Jahrhunderts galten sie als moderne Musteranlage, seit den 80er Jahren verfielen sie allmählich. Als Schuppen 53 sogar abgerissen werden musste, engagierten sich die Stiftung Hamburg Maritim und die HHLA für den Erhalt dieses historischen Erbes.

 
Die Schuppen 50 bis 53 auf dem Kleinen Grasbrook lagen zwi­schen dem Hansahafen und dem Indiahafen, die 1893 als letzte Hafenbecken noch für die Segelschifffahrt gebaut wurden. Zum Glück erfolgte die Bebauung deutlich später, sodass die modernste Hafenanlage ihrer Zeit entstand. Zwischen 1908 und 1912 wur­den vier gleichartige Schuppen gebaut, jeder etwa 270 Meter lang und 48 Meter breit. Sie konnten die Ladung von je zwei See­schiffen aufnehmen, die direkt neben den Schuppen festmachten und mithilfe von elektrischen Halbportalkränen entladen wurden. Die Säcke, Fässer und Kisten verließen die Schuppen meist sehr schnell wieder mit der Fuhre oder der Hafenbahn, die auf einem Gleis direkt unter den genieteten Stahlbögen der Kräne fuhr.

Im Gegensatz zu der verspielten Architektur der Speicherstadt wirkten die Lagerschuppen, deren lange Fensterfronten im Mit­telbau das Arbeiten bei Tageslicht ermöglichten, sehr nüchtern. Nur die Wohnhäuser für Vorsteher und Beamte fielen etwas reprä­sentativer aus. Man hatte einige Wohnungen gebaut, damit die wertvolle Ware nicht unbeaufsichtigt blieb. Im Zweiten Weltkrieg wurden die 50er-Schuppen nur teilweise beschädigt und später modernisiert. Sie waren in den Besitz der HHLA übergegangen, die dort bis in die 70er Jahre Hunderte Hafenarbei­ter beschäftigte. Seit den 80er Jahren gab es kaum noch Verwendung für die Stückgutschuppen. Sie waren zunehmend vom Verfall bedroht und Schup­pen 53 musste 2002 sogar abgerissen werden.

Um das historische Ensemble vor weiterem Abbruch zu retten, übernahm noch im gleichen Jahr die Stiftung Hamburg Maritim die Schuppen 50 bis 52 sowie das Beamtenwohnhaus und sorgte dafür, dass die Anlage unter Denkmalschutz gestellt wurde. Als ehemalige Eigentümerin unterstützte die HHLA die Baumaßnahmen zum Erhalt mit rund einer hal­ben Million Euro. Auch die kürzlich enthüllten Info­tafeln, die Erläuterungen zur historischen und aktu­ellen Entwicklung des Areals geben, wurden durch die HHLA finanziert.

Die umfangreiche Restaurierung des Areals dauert bis heute an. Die meisten Schup­pen werden immer noch für Lagereizwecke genutzt, den aufwändig restaurierten Schuppen 52A nutzt der Gastronom Klaus Gerresheim für verschiedene Events mit bis zu 3.000 Gästen. Der bekannteste Mieter ist allerdings das Hamburger Hafenmuseum. Es gibt in ganz Europa kaum einen anderen Ort, an dem der klassische Stückgutumschlag des 20. Jahrhunderts so authentisch gezeigt werden kann. Deshalb bekam die umfangreiche hafengeschichtli­che Sammlung des Museums der Arbeit ihre Heimat im Schuppen 50A.