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Der Windenkopf

Die Speicherstadt war und ist ein innovativer Logistikstandort. Schon im schienengeführten Windenkopf steckt das Prinzip der Containerbrücke.

 

1959. In der vierten Etage von Block O, seine Hand fest am Steuergestänge, lässt der Quartiersmann den Windenkopf herausfahren. Es ist neu für ihn, den Windenhaken nicht nur hoch und runter, sondern auch vor und zurück steuern zu können. Unten in der Schute vertäut der Ewerführer die Waren und gibt ihm ein Zeichen zum Anhub. Auf Höhe der Warenluke fährt die Winde auf der Schiene zurück und setzt die Kaffeesäcke in der vierten Etage ab. Dieses in der Speicherstadt erfolgreich eingesetzte Umschlagprinzip ist der Vorläufer der modernen Containerbrückentechnik. Die Weiterentwicklung der festen Winden, die den Lastenhaken stets an der gleiche Stelle heben und senken, zu schienengeführten, ausfahrbaren Winden war eine Sensation für das moderne Logistikzentrum. Die Erfindung erfüllte die Anforderungen der Quartiersleute, die bis zu 750 Kilogramm schweren Lasten auf engem Raum nicht immer mit dem „richtigen Schwung" in die Ladeluken hinein lenken zu müssen. Die Schienenführung vergrößerte den Umschlagradius und beschleunigte so vor allem die wasserseitige Verladung aus den Lastenschuten. Angetrieben wurde die Windenhydraulik aller Speicher mit Elektromotoren, die seit Anfang der 50er-Jahre in den Windenköpfen installiert waren. Der Antrieb über die Dampfmaschinen im Kesselhaus am Sandtorkai wurde im Jahr 1953 vollständig eingestellt.

 

Dank des beschleunigten Be- und Entladeprozesses konnten die selbstständig arbeitenden Quartiersleute die Waren der Hamburger Kaufleute in der Speicherstadt besonders flexibel und stadtnah lagern. Noch bevor die innovative Hydraulikwinde ihren Siegeszug zu allen Lagern antreten konnte, hatte sich der Warenumschlag aufgrund der Verbreitung des Containers weiter flussabwärts verlagert.   Auch heute bietet die Speicherstadt ihren Mietern die Nutzung der landseitig immer noch voll funktionsfähigen Seilwinden an. Ein Zertifikat für die Nutzung, einen sogenannten Windenschein, besitzen vor allem die Teppichhändler, deren Geschäft traditionell in der Speicherstadt verwurzelt ist. Daneben erobert die moderne Nutzung die Lagerflächen des historischen Viertels immer stärker. Die alten Speicher sind heute Locations für Event- und Erlebnisgastronomie. Der „Dialog im Dunkeln" lockt Besucher ebenso wie das „Hamburg Dungeon" oder das „Criminal Dinner" im Speicherstadttheater. Mode-Showrooms und Künstlerateliers bereichern das historische Viertel und verleihen ihm ein modernes Flair. Die Speicherstadt liegt dank der gelungenen Mischung aus Tradition und Innovation voll im Trend.