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Altenwerder: Bahnhof der bunten Boxen

Mehr als 160 Kilometer Anschlussgleise von Unternehmen ergänzen das Streckennetz der Hafenbahn. Den Mengenrekord halten die Containerterminals.

 

Hamburg ist an erster Stelle ein Containerbahnhof, aber es gibt auch riesige Werksbahnhöfe wie den von Hansaport, wo Güterzüge mit Rekordlasten an Erz oder Kohle beladen werden. Andere Anlagen haben wenige Gleise, etwa für die Autozüge auf dem O’Swaldkai, oder sehr kleine Ladestellen für Stückgüter. Die Mineralölwirtschaft, die sich im Süden des Hafens konzentriert, verlädt ihre Produkte auf Kesselwagen, vor allem über den Bahnhof „Hohe Schaar“.

Die größten Mengen werden im westlichen Hafen auf die Bahn gebracht. Zwischen Bahnhof „Alte Süderelbe“ und dem Waltershofer Hafen, wo die Containerterminals von HHLA und Eurogate umschlagen, stehen meist bunte Stahlboxen auf den rotbraunen Waggons. Den Rekord hält mit exakt 813.100 Standardcontainern (2013) der Bahnhof des HHLA Container Terminal Altenwerder, was den CTA zum größten europäischen Bahnterminal macht.

Auf dem Bahnhof sorgen vier teilautomatisierte Bahnkräne für die reibungslose Be- und Entladung. Alles geht extrem flott, rund um die Uhr sind die neun jeweils 700 Meter langen Gleise belegt. Die Gleiskapazität des ganzen Jahres ist aufgeteilt in Slots, um die sich Bahnoperateure schon im September des Vorjahres bewerben müssen. Ein Slot ist zwischen 4 und 4,5 Stunden lang, in denen der komplette Bahnumschlag erledigt werden muss.

 

 

Mehr Boxen auf begrenzte Fläche bringen

Weil diese Zeitfenster fast alle belegt sind, wurde getüftelt, wie man noch mehr Gleise auf der begrenzten Fläche unterbringen kann. Ein ausgefeilter Umbauplan wurde erdacht, und die Bauarbeiten für seine Umsetzung laufen bereits. Bis dahin helfen nur Flexibilität, Schnelligkeit und eine sehr gute, einsatzbereite Mannschaft.

Für Flexibilität muss das CTA-Bahnbüro sorgen. Falls es Verspätungen bei den einkommenden Zügen oder bei der Beladung gibt, sucht man gemeinsam mit den Disponenten der betroffenen Züge eine Ausweichlösung. Zum Glück wurde die Vorstellgruppe Altenwerder Ost im letzten Jahr zweigleisig an den CTA angebunden und die Schienenverbindung mit moderner Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Jetzt reicht ein Anruf bei der Leitzentrale der Hafenbahn, um kurzfristig eine Fahrstraße zwischen Bahnterminal und der nahegelegenen Vorstellgruppe frei zu schalten.

 

Tollerort in Richtung Osten ideal aufgestellt

Anders als die überfüllten Bahnhöfe auf der westlichen Hafenseite wäre auf dem Tollerort noch Platz. „Unsere Reederkunden setzen beim Hinterlandtransport weniger auf die Schiene, deshalb kommen wir nicht immer auf die großen Mengen, die für Ganzzüge notwendig sind“, fasst Thomas Schwarz vom HHLA Container Terminal Tollerort zusammen.

Die Anlage im nordöstlichen Hafen wird durch den Köhlbrand von den drei anderen Containerterminals im Westen abgetrennt. Diese liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, so dass auch der Transport einzelner Wagengruppen rentabel ist. Menge bringt Menge, wie es in der Transportbranche heißt.

Doch unabhängige Gutachter haben der Schieneninfrastruktur im nördlichen Hafenteil sehr gute Noten gegeben, und die Hafenbahn stellt hier deutlich mehr Gleise der günstigen Kategorie II und III zur Verfügung. „Deshalb werden die Bahnoperateure langfristig nicht am Tollerort vorbeifahren, denn besonders für Verkehre Richtung Osten sind wir ideal aufgestellt“, betont Thomas Schwarz.