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Die HHLA öffnet das Tor zur Zukunft im Hafen

HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath beantwortet Fragen zu intelligenten Mobilitätslösungen und der Relevanz des Hamburger Hafens.


Frau Titzrath, helfen Sie uns, einen Widerspruch aufzulösen?

Titzrath: Gerne doch. Welchen Widerspruch denn?


Warum wird die Entwicklung des Hamburger Hafens mit „Stagnation“ und „im Wettbewerb den Anschluss verloren“ beschrieben, obwohl die HHLA als größtes Unternehmen im Hafen doch sehr erfolgreich ist?

Titzrath: Die lange juristische Auseinandersetzung um die Fahrrinnenanpassung der Elbe hat dem Hafen insgesamt geschadet. Damit verbunden ist die Akzeptanz für den Hafen in der Stadt zurückgegangen, trotz der Sicherung von rund 160.000 Arbeitsplätzen und einer jährlichen Wertschöpfung von mehr als 600 Mio. €. Auch hat der Standort vom Wachstum im Containergeschäft nicht so profitiert wie andere Häfen in der Nordrange. Das Zählen von Boxen ist allerdings eine rein quantitative Betrachtung, die sich vielleicht für Marketingzwecke eignet, aber über die Qualität eines Hafens wenig aussagt. Der Hamburger Hafen ist nach wie vor weltweit einer der modernsten und leistungsfähigsten und die HHLA hat daran einen gewichtigen Anteil.


Die Fahrrinne der Elbe wird nun vertieft und verbreitert. Was bedeutet diese Maßnahme für die Zukunft des Hamburger Hafens?

Titzrath: Eine stabile nautische Erreichbarkeit ist eine unabdingbare Voraussetzung, damit der Hafen im Wettbewerb der europäischen Seehäfen seine Position behaupten und ausbauen kann. Wir gehen davon aus, dass die Fahrrinnenanpassung zu einem moderaten Wachstum der Umschlagsmengen führt. Die Verbreiterung und Vertiefung der Elbfahrrinne ist allerdings nur eine notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Zukunft des Hafens. Es bedarf darüber hinaus weiterer Investitionen in die Hafen- und Verkehrsinfrastruktur.



Wie realistisch ist die Forderung nach mehr Geld für den Hafen, angesichts einer inzwischen weit verbreiteten Ansicht, Hamburg müsse mehr sein als Hafen und Handel?

Titzrath: Die Ansicht ist ja nicht neu. Bereits der frühere Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hat 1983 darauf hingewiesen, dass die Zukunft Hamburgs und des Hafens nicht allein auf dem Wasser, sondern stärker auf dem Lande liege. Diese Einschätzung teile ich. Der Hafen eignet sich hervorragend als Testfeld für digitale Innovationen. Nur eines sollten wir berücksichtigen: Der Hamburger Hafen hat nicht nur lokale Relevanz. Er ist systemrelevant für die Industrienation Deutschland, weil ein Viertel des deutschen Außenhandels über ihn abgewickelt werden.


Wie wichtig der HHLA das Thema Zukunft ist, lässt sich an dem Claim „Das Tor zur Zukunft“ ablesen. Welche Bedeutung hat dieser Namenszusatz?

Titzrath: Unser strategisches Ziel ist es, die Gestaltungskraft und Zukunftsfähigkeit der HHLA zu stärken. Gemeinsam mit unseren Kunden wollen wir logistische und digitale Knotenpunkte entlang der Transportströme der Zukunft entwickeln. Wir denken dabei nicht in den vorgegebenen Bahnen, sondern ergebnisoffen: Ob Wasser, Schiene, Straße, Glasfaser oder etwas völlig anderes wie etwa die Hyperloop-Technologie – die Ziele und Bedarfe unserer Kunden bestimmen unser Handeln.


Klingt so, als bereite sich die HHLA schon auf eine Zeit nach dem Container vor.

Titzrath: Der Container wird auch weiterhin eine wichtige Rolle beim Transport von Gütern spielen. Mit dem 3D-Druck und der Drohnentechnik entstehen zusätzliche neue Möglichkeiten, um Produkte herzustellen und diese dann noch effizienter als in der bisher gewohnten Art und Weise im Container zu transportieren.

Vor zwei Jahren haben Sie angekündigt, die HHLA werde der Motor des digitalen Wandels im Hafen sein. Wie leistungsstark ist dieser Motor inzwischen?

Titzrath: Unser Motor schafft schon eine ganz ordentliche Umdrehungszahl. Im Bereich Drohnentechnik entwickeln wir eigene Lösungen bzw. nutzen das Know-how eines Hamburger Start-ups, an dem sich die HHLA beteiligt. Mit dem Lkw-Hersteller MAN kooperieren wir bei einem Projekt zu intuitiver Mobilität. Unsere Auszubildenden befassen sich mit 3D-Druck und digitalem Schweißen. Wir beteiligen uns zudem an dem vom Senat initiierten Digital Hub, das in von HHLA Immobilien entwickelten Räumen der Historischen Speicherstadt PS auf die Straße bringt.


International stark beachtet wurde die Ankündigung der HHLA, mit der amerikanischen Firma Hyperloop Transportation Technologies ein Joint Venture zu gründen. Manche meinen, dass sei nur ein netter PR-Gag gewesen. Können demnächst wirklich Container nahe der Schallgeschwindigkeit transportiert werden?

Titzrath: Warum nicht? Als im Dezember 1835 die erste Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth fuhr, konnte sich auch niemand vorstellen, dass Züge einmal Geschwindigkeiten von über 200 Kilometer in der Stunde erreichen würden. Unser Joint-Venture-Partner HTT hat bereits erste Komponenten für den Transport von Personen erfolgreich getestet. Jetzt geht es darum, die Technologie auch auf den Gütertransport zu übertragen. Gemeinsam wollen wir auf einem HHLA Container Terminal im Hamburger Hafen eine Art Bahnhof entwickeln, von dem Seecontainer in das Röhrensystem geschickt werden bzw. ankommen. Dass sich HTT für Hamburg als Testfeld entscheiden hat, bestätigt einmal mehr die Attraktivität der Stadt und des Hafens als Innovationsstandort.


Welche Intentionen verfolgt HHLA mit diesem Joint-Venture in der nahen Zukunft?

Titzrath: Intelligente Mobilitätslösungen wie die Hyperloop-Technologie können einen signifikanten Beitrag zur Entlastung von Verkehrsinfrastruktur um Häfen herum leisten, was wiederum bedeuten würde, dass weniger Schadstoffe in die Luft gelangen. Diese Technologie zu entwickeln ist unser Ziel.


Der Hafen gilt als Hauptverursacher für eine zu hohe Schadstoffbelastung der Hamburger Luft. Was kann ein Unternehmen wie die HHLA für den Klimaschutz tun?

Titzrath: Zunächst teile ich die Auffassung von Bürgermeister Peter Tschentscher, dass Klimapolitik nicht wachstumsfeindlich sein darf. Verbote, Regulierungen und Vorschriften helfen nicht weiter. Die Industrie ist Teil der Lösung beim Klimaschutz. Die HHLA unternimmt im Rahmen ihres nachhaltigen Geschäftsmodells seit vielen Jahren große Anstrengungen, die auch von einer unabhängigen Instanz wie dem Deutschen Nachhaltigkeitsrat gewürdigt werden. Unsere Anlage in Altenwerder wurde als der weltweit erste „Zero Emission“-Terminal zertifiziert. Die Angebote unserer Bahntochter Metrans sind geeignet, um mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.