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Transportströme der Zukunft mutig gestalten

Wie verändert der digitale Wandel die globalen Transportströme? Und welche Zukunftschancen ergeben sich daraus für die Logistik-Branche?  Darüber diskutierten am Mittwoch, 26.September 2018, auf Einladung der HHLA Experten, Unternehmer und Wissenschaftler aus Deutschland und den USA in Hamburg.

Vor den etwa 200 Gästen hob die HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath zu Beginn der Veranstaltung die Bedeutung eines auf offenen Grenzen und fairen Regeln beruhenden Welthandels hervor. Ungeachtet zunehmender protektionistischer Tendenzen sei die Globalisierung nicht vorbei. „Wir müssen sie weiterentwickeln und dafür ist es notwendig, Brücken zu bauen und den Dialog zu suchen“, sagte Titzrath im Gespräch mit dem Ressortleiter Wirtschaft der Wochenzeitung „Die Zeit“, Uwe Jean Heuser. Unter dem Titel „Boxen Stopp?“ diskutierten in den folgenden sechs Stunden Experten aus Theorie und Praxis über mögliche Auswirkungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts auf die Transportströme der Zukunft.         

Unter anderem erläuterte Dirk Ahlborn, Co-Gründer und CEO der Hyperloop Transportation Technologies Inc., wie Menschen und Waren knapp unter der Schallgeschwindigkeit durch Röhren transportiert werden können – vielleicht schon in drei Jahren, prophezeite der eigens aus Los Angeles angereiste Manager. Anhand von Praxisbeispielen aus dem Flugzeugbau zeigte Güngör Kara, Chief Digital Officer der EOS GmbH, wie der industrielle 3D-Druck die Lieferketten bereits heute verändert. Was automatisch fliegende und mit Sensoren ausgestattete Drohnen leisten können, präsentierte Benjman Federmann, CEO der doks. Innovation GmbH, mit kurzen Video-Einspielern.

 

 

"Seien Sie mutig, Visionen zu entwickeln und umzusetzen!"

Eine zentrale Botschaft war allen drei Rednern gemeinsam mit dem China-Experten Prof. Dr. Sebastian Heilmann von der Universität Trier: Seien Sie mutig, Visionen zu entwickeln und umzusetzen. „Und das so schnell wie möglich“, sagte der Wissenschaftler. „Digitale Transformation in der Logistik wird in China sehr viel schneller vorangetrieben als in Europa, weil es weniger Hemmnisse gibt“, sagte Heilmann und illustrierte dies am Beispiel der Blockchain-Technologie. „Wir haben noch über Blockchain diskutiert, da gab es in China schon Studiengänge zur Blockchain-Programmierung.“ Das Fazit des Experten: „Die werden uns Beine machen.“ Er sehe aber durchaus Chancen für deutsche Unternehmen, erfolgreiche Kooperationen mit chinesischen Firmen einzugehen: „Die Chinesen brauchen glaubwürdige europäische und vor allem deutsche Partner.“ Er empfehle daher, konkrete Pilotprojekte zu starten.

Wie sich die Globalisierung verändert darüber diskutierten der Ökonom, Historiker und Autor des Buchs „The Box: How the Shipping Container Made the World Smaller and the World Economy Bigger“, Marc Levinson, Prof. Dr. Kai Hoberg von der Kühne Logistics University und Prof. Dr. Dalia Marin von der Ludwig-Maximilians-Universtität München. Die Runde war sich einig: Nicht die Politik der Trump-Administration ist der Auslöser für Tendenzen der Deglobalisierung. 

Erstmals Studie über die Potenziale des Datenaustauschs für die maritime Branche vorgestellt

Olaf Merk, zuständig für Häfen und Schifffahrt beim International Transport Forum der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte bei der Konferenz erstmals die Ergebnisse einer Studie vor, in der die Potenziale des Datenaustauschs für die maritime Branche untersucht wurden. Merk und sein Team kommen darin zu dem Schluss, dass die vielen an der Supply Chain beteiligten Akteure Unmengen an Daten sammeln und verarbeiten, aber nur ungenügend miteinander teilen und so Optimierungs- und Wachstumspotenziale ungenutzt bleiben. Grund dafür seien einerseits Bedenken, Informationen mit Wettbewerbern auszutauschen, aber auch Datenschutzhemmnisse. Der OECD-Experte sprach sich unter anderem für mehr Mut zum Datenaustausch und Standardisierungsmaßnahmen aus.


„Der Container habe noch nicht ausgedient"

Für die Bundesregierung betonte abschließend der Koordinator für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, die Bedeutung einer leistungsfähigen Logistik für eine Exportnation wie Deutschland. Die Frage nach einem „Boxen Stopp?“ beantwortete der CDU-Politiker so: „Der Container habe noch nicht ausgedient. Er wird uns noch viele Jahre begleiten. Er wird sich aber verändern.“

So hochkarätig besetzt wie das Podium war auch das Publikum: Unter den rund 200 Gästen befanden sich viele Geschäftsführer aus der Branche. Über die Impulse und Thesen der Vorträge wurde sich in den Pausen angeregt ausgetauscht. Positiv wurde auch vermerkt, dass die HHLA Fragen der Zukunftsfähigkeit der Logistik-Branche in einem so öffentlichen Format diskutieren lasse.