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Fast alles Banane

Auf dem O'swaldkai, im Herzen des Hamburger Hafens, sind neue Früchte im Kommen. Das HHLA Frucht- und Kühlzentrum verlor im Zuge der Containerisierung viele Kühlschiffe mit Bananen, doch der Strukturwandel scheint gelungen.

 

Für die einen ist er ein Segen, für die anderen fast schon ein Fluch. Der Container. In den vergangenen Jahren hat er auch beim Bananengeschäft Einzug gefunden. An der HHLA Frucht am O’Swaldkai im Herzen des Hamburger Hafens ging diese Entwicklung nicht schmerzlos vorüber. „Wir hatten mal 1 Mio. Tonnen frische Früchte aus Übersee hier, davon 80 Prozent Bananen“, sagt Axel Hoeckrich, Geschäftsführer der HHLA Frucht- und Kühl-Zentrum.

Im Zuge der Containerisierung sei in den vergangenen fünf Jahren etwa die Hälfte davon verloren gegangen. Grund: Die Importeure haben sich aufgrund des Kostendrucks entschieden, Containerdienste zu nutzen, und bedienen Ziele wie Helsingborg oder Oslo in Skandinavien inzwischen mit Feederschiffen. Container lassen sich zudem im Hinterland entladen, neuerdings werden sie sogar direkt zu den Bananenreifereien gefahren. Früher war Hamburg der Hub für ganz Nordeuropa. „Aufgrund dieses Strukturwandels waren wir gezwungen, etwas zu tun“, fügt er hinzu. Auf dem O’Swaldkai wurden Schuppen umgebaut und umgewidmet, um sie zum Beispiel an HHLA Logistics für deren Projektlogistik vermieten zu können.

 

Gestiegener Kartoffelimport, aber auch andere Güter

Dieses Jahr profitierte das Fruchtterminal vom gestiegenen Kartoffelimport. Das bescherte einen Boom von Februar bis in den Juli hinein. Außer Bananen, Ananas, Äpfeln, Zitrusfrüchten oder Kartoffeln sollen am O’Swaldkai künftig auch andere Güter abgewickelt werden. Dazu gehören Fleisch, Fisch oder Pharmaprodukte, die gekühlt werden müssen oder einen temperaturgeführten Umschlag brauchen. Dabei will die HHLA Frucht ihre Erfahrungen aus dem Bananengeschäft ausspielen.

 

„Wir sind nach harten Restrukturierungsmaßnahmen auf der Kostenseite wieder wettbewerbsfähig“, sagt Hoeckrich. Es sei gelungen, wieder mehr Mengen und somit mehr Umsatz zu erzeugen. Im laufenden Jahr wurde ein zweistelliges Wachstum im Kerngeschäft verzeichnet, das Unternehmen ist für die Zukunft gut gerüstet. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die bestehenden Mengen aufgrund der verkehrsgeografischen Lage Hamburgs und unserer modernen Umschlagtechnik halten können.“

Bis vor ein paar Jahren sind Bananen noch konventionell als Break Bulk (Massenstückgut) mit Kühlschiffen (Specialised Reefer Vessels) nach Hamburg gekommen. Sie wurden mit Elevatoren entladen, im Schuppen palettiert und für LKW-Transporte versandfertig gemacht. Inzwischen werden die Früchte auf Paletten in die Kühlschiffe geladen, per Hafenmobilkran und Lastkorb aus den Luken gehoben und mit 8-t-Gabelstaplern in die automatische Bananenumschlaganlage gebracht. „2008, als wir diese Anlage gebaut haben, kamen fünf Kühlschiffe pro Woche“, erinnert sich der Geschäftsführer.

 

Kühlschiff besetzt eine Nische

Inzwischen laufen pro Woche nur noch ein Seatrade-Kühlschiff aus Ecuador sowie zwei Maersk-Vollcontainerschiffe aus Südamerika das Terminal an. Darüber hinaus erreichen zahlreiche Container von den Containerterminals das Fruchtzentrum per Straßentransport. Der Container mag gewisse Vorteile haben. „Trotzdem besetzt das Kühlschiff eine Nische, die sich ganz gut hält“, fügt Hoeckrich hinzu. Das schließt er auch daraus, dass die Reederei Seatrade neue Kühlschiffe in Auftrag gegeben hat. 

Viele Importeure seien nach wie vor der Meinung, dass Bananen auf dem Kühlschiff besser aufgehoben sind, da es zuverlässiger ist und eine viel kürzere Transitzeit aufweist. „Das konventionelle Schiff ist wie ein Taxi, das bestellt wird und zuverlässig direkt zum Ziel fahrt“, erläutert Hoeckrich. Von Guayaquil in Ecuador direkt nach Hamburg. Das Containerschiff' könne man mit einem Bus vergleichen, der an vielen Haltestellen wie den Häfen Rotterdam und Antwerpen anhält, um aus- und einzuladen, bis er endlich in Hamburg ankommt. Doch die Banane ist empfindlich und muss schnell, bei 14 °C grün transportiert werden. Kommt sie gelb an, lässt sie sich nicht mehr verkaufen. 

Legt das konventionelle Kühlschiff’ am O’Swaldkai an, werden zunächst die Deckscontainer mit einer Containerbrücke gelöscht. Danach fährt ein Hafenmobilkran an die Kaikante ran. An ihm hängt ein Korb, der aus der Schiffsluke zugleich vier Paletten aufnimmt und auf der Kaikante absetzt. Staplerfahrer bringen die Paletten zur Aufgabestation der Bananenumschlaganlage, wo sie mit Trägerpaletten inklusive RFID-Sender verknüpft werden und somit im Lager lokalisierbar sind. Vor der Einlagerung werden die Bananen der sogenannten Grün- und einer Temperaturkontrolle unterzogen.

 

Permanente Temperatur von 14 °C

Ist alles in Ordnung, bringt das System sie automatisch in das Hochregallager, das eine permanente Temperatur von 14 °C aufweist. Zudem ist eine EU-Qualitätskontrolle und Zollverwiegung erforderlich, bei der die Marktkonformität wie Größe und Gewicht geprüft wird. Die Bananenumschlaganlage hat vier Kühlkammern mit je 2050 und somit insgesamt 8200 Palettenstellplätzen. An mehreren Aufgabestationen werden die Bananen eingelagert. Pro Stunde lassen sich bis zu 650 Paletten aus dem Kühlschiff oder Container holen und einlagern. Das entspricht einer Menge von mehr als 30 LKW.


Rufen Kunden Ware ab, setzen sich Regalbediengeräte in Betrieb und lagern die Paletten aus. Vier sogenannte Ballerinas, die aus je einer um 180 Grad drehbaren Gabel bestehen, können insgesamt maximal 342 Paletten pro Stunde für die Verladung bereitstellen. Die Mitarbeiter nehmen die Paletten mit den Gabelstaplern auf und stellen sie zur Verladung an die Rampe, wo die LKW warten. Bis zu 20 LKW werden pro Stunde beladen. Das Warenwirtschaftssystem zeichnet alle Vorgänge auf, so dass eine lückenlose Rückverfolgbarkeit jederzeit gewährleistet ist.

 

Händler vereinbaren Volumen

Das Geschäft mit den Bananen läuft ganzjährig. In Deutschland teilen sich fünf große Einzelhandelsketten rund drei Viertel des Markts. Sie verhandeln mit den Importeuren in der Regel ganzjährige Programme, in denen ein bestimmtes Volumen vereinbart wird. Die Importeure kaufen die Bananen und sonstige Früchte in der Regel auf CIF-Basis (Cost Insurance Freight) von den Ursprungsländern.

Das heißt, die Ware ist bis zum Ankunftshafen bezahlt. „Dann fangt unsere Wertschöpfung an“, erläutert Hoeckrich. HHLA Frucht übernimmt die Ware im Auftrag der Importeure an der Kaikante und wird für den Schiffsumschlag oder die Containerumfuhr vom Containerterminal bezahlt. Die Container werden ausgeladen, leere Boxen zurückgefahren und die Bananen auf Kühl-LKW verladen. „Da endet unsere Leistung. Wir sind also für die Schnittstelle von der Ankunft bis zur Verladung frei LKW zuständig.“ Der Empfänger der Banane ist meist ein Selbstabholer.

 

Größe und Gewicht der Banane wird geprüft

Das Terminal stellt die gewerblichen Mitarbeiter und das Equipment, um die Ware umzuschlagen. Am Fruchtzentrum sind verschiedene Speditionen ansässig, die logistische Leistungen anbieten. Zur HHLA Frucht gehört die Fruchtspedition Ulrich Stein, die für Importverzollung, Disposition, Containertransporte und Sonderleistungen rund um die Frucht verantwortlich ist. Bananen müssen in Europa eine gewisse Qualität, also Größe, Dicke und Beschaffenheit haben. Sie werden gewogen und bekommen mit der sogenannten Wiegenote ein amtliches Dokument. Danach erfolgt die Verzollung. Bananen aus Ecuador werden derzeit mit 132 EUR/t verzollt. Bei 4000 bis 50001 kommt so schnell eine halbe Mio. EUR Zollschuld pro Schiff zusammen.

Am O’Swaldkai arbeiten bei Bedarf zudem spezialisierte Dienstleister, die Qualitätskontrollen erbringen sowie Gutachter und Behörden wie das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „Wir können alles aus einer Hand bieten, um die Ware in den freien Verkehr zu bringen“, sagt Geschäftsführer Hoeckrich.

 

Zuversichtlich in das kommende Jahr

Auch für das kommende Jahr ist die Geschäftsführung zuversichtlich, dass es mit dem Bananengeschäft gut läuft. Welche Mengen es im Kerngeschäft geben wird, zeichnet sich jedoch immer erst im letzten Quartal ab, wenn die neuen Verträge geschlossen werden. „Wir wollen den Standort zudem wasserseitig als Reeferstandort im Hamburger Hafen weiterentwickeln und verstärkt Binnenschiffe für die Containerumfuhr einsetzen“, heißt es. Schließlich sei das temperaturgeführte Lager das einzige in Hamburg, das direkt an der Kaimauer liege. Vorstellbar sei, dort künftig auch Tiefkühlware abzuwickeln.

 

Autorin: Nicole de Jong