/ SUCHEN
/ DEUTSCH/ ENGLISH

/ 20.01.2016

Der Selbstfahrer

Peter Kempf (30), ist als Lehrlokführer auch für das technische Lokmanagement bei Metrans in Hamburg zuständig. Er sorgt mit seinen Kollegen dafür, dass seine Rangierloks 24 Stunden am Tag einsatzbereit sind.

 

Wenn die Arbeit der Lokomotivführer auf den Streckenlokomotiven der Metrans erledigt ist, geht es für Peter Kempf und seine Kollegen erst richtig los. Die Rangierlokführer der Metrans Rail Deutschland sind die Spezialisten für die erste und die letzte Meile an der Schiene. Sie zerlegen die bis zu 720 m langen Containerzüge in mehrere Teile und stellen sie dann in den Terminals Altenwerder, Burchardkai, und Tollerort zu. Umgekehrt holen sie Waggongruppen aus den Terminals ab und stellen sie zu Ganzzügen zusammen, die Hamburg mit Containern für das Hinterland verlassen. Leerlauf kennt Kempf dabei nicht. „Wir fassen acht bis zehn Züge pro Schicht an“, sagt der 30jährige.

Der 30jährige Kempf ist trotz seines jungen Alters ein Eisenbahner der alten Schule. Er hat noch die klassische Lokführerausbildung absolviert: Erst eine Lehre zum Industriemechaniker, dann die eigentliche spezifische Ausbildung bei der EVB in Bremervörde. Bei der Metrans Deutschland Rail ist er seit November 2013, als das Unternehmen mit den Rangierarbeiten im Hamburger Hafen startete. „Ich habe hier meine Berufung gefunden“, sagt Kempf, der aus einer Eisenbahnfamilie kommt.

Kempfs Aufgaben sind vielseitig und abwechslungsreich. Zum einen ist er verantwortlich für die Ausbildung der Lokführer, die im Hafen auf den Metrans-Rangierloks Dienst tun. Gleichzeitig verantwortet er das technische Management des Fuhrparks. Er sorgt dafür, dass die Wartungs- und Reparaturarbeiten fachgerecht ausgeführt und dokumentiert werden.

Kleinere Arbeiten an den Loks erledigt er selbst. Außerdem springt er als Lokführer im Tagesgeschäft ein. „Ich fahre regelmäßig, das lasse ich mir auf keinen Fall nehmen“, sagt Kempf. Die Kollegen von Metrans sind im Hafen meist zu zweit unterwegs, ein Lokführer und ein Rangierbegleiter. „ Wegen der langen Züge ist es im Hafen nicht möglich allein zu fahren“, sagt Kempf. Der Grund: An den Weichen ginge für einen einzelnen Lokführer zu viel Zeit verloren.

Die Lokomotiven, die Kempf fährt und pflegt, sind Klassiker aus den Baujahren 1963 bis 1978 – für die langlebigen Rangierloks kein besonders hohes Alter. Kempf liebt die Arbeit mit den Veteranen; sie stellen deutlich höhere Ansprüche an die Lokomotivführer als die modernen hochtechnisierten Loks der neuesten Generation. Auch der Bedarf an technischer Betreuung ist intensiv – doch Kempf und sein Kollege im technischen Management sind auf dem kurzen Dienstweg immer ansprechbar, wenn es Probleme gibt. „Wir helfen uns hier gegenseitig. Wichtig ist, dass der Laden läuft“, sagt Kempf.

In naher Zukunft wird sich Kempf auch um hochmoderne Lokomotiven kümmern können. Lokomotiven mit Hybridantrieb konnte Kempf bereits selber testen – sie sparen bis zu 60 Prozent Kraftstoff und verbessern somit die Ökobilanz des ohnehin umweltfreundlichen Verkehrsträgers Schiene weiter.

Privat zieht es Kempf allerdings zu den echten Oldtimern der Schiene. In seiner Freizeit ist er als Führer von Dampfloks auf Museumsbahnen aktiv – und fährt sogar den berühmten Rasenden Roland auf der Insel Rügen.