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/ 26.07.2010

Nicht loslassen

Marijo Pavlovic, 34, Leiter Disposition Nahverkehr und EDV-Koordinator bei CTD, über vermeidbare Leerfahrten durch den Hafen.

 

„Die meisten Tage hier sind sehr spannend“, sagt Marijo Pavlovic. Er macht eine kurze Pause und grinst. „Einige wenige sind aber auch entspannend“, fährt er fort. Welche Tage er meint, liegt auf der Hand: jene, an denen die Containerterminals im Hamburger Hafen nicht arbeiten. Allerdings sind dies traditionell sehr, sehr wenige. Genau genommen nur fünf. Mithin gibt es für Pavlovic selten nichts zu disponieren.

Der 34 jährige verantwortet den Bereich der Hafenumfuhren der HHLA Tochter CTD (Container-Transport-Dienst GmbH). Damit sind jene 500 bis 600 Container gemeint, die täglich direkt innerhalb des Hafengebiets bewegt werden. Zudem ist er der EDV-Koordinator und in dieser Funktion zuständig für eine kleine Revolution.

Es ist noch nicht so lange her, da wurden die Umfuhren auf Papierbögen in DIN-A3-Größe koordiniert, mit angehängten und kopierten Zetteln. Auch heute noch ist dieses manuelle System bei vielen konkurrierenden Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Beim CTD allerdings ist man längst einige Schritte weiter.

Ein selbst entwickeltes Computerprogramm ist der Herzmuskel des Unternehmens. Zum einen erfasst es alle entscheidenden Daten: das Schiff und dessen Ankunftszeit, Nummer und Gewicht des Containers, den Empfänger. Zudem gibt es zahlreiche Schnittstellen mit dem Terminal oder dem Zoll. „Wenn morgens ein Kunde möchte, dass 150 Container am Terminal A nachmittags von Terminal B verladen werden können, ist unser Problem nicht die Entfernung“, sagt Pavlovic „Unser Problem ist die Zeit“.

Das Computerprogramm steuert die LKW-Fahrer deshalb so, dass eine Schnellabfertigung am Terminal möglich ist, weil sie alle Papiere in elektronischer Form bei sich haben. Es weist ihnen sogar effiziente Tourenpläne zu. Dafür haben die Trucker Netbooks und Drucker in ihren Kabinen, mit denen sie sich via Internet auf den aktuellen Stand bringen. Von CTD aus gehen dann wiederum Statusmeldungen an den Kunden.

Neben dem Zeitgewinn bietet das System zwei weitere Vorteile: Der Grad der Automatisation erlaubt es, verstärkt die Nachtstunden zu nutzen. Außerdem können unnötige Leerfahrten vermieden werden, so dass Ressourcen geschont werden. „Mich ärgert es jedes Mal", so Pavlovic, „wenn ich einen LKW mit Leer-Chassis im Hafen fahren sehe."

Ein „Container-Fetischist“ will der gelernte Speditions-Kaufmann allerdings nicht sein. In seiner Freizeit ist er Fan der zivilen Luftfahrt, steht gerne mal am Hamburger Flughafen und schaut den Fliegern hinterher. Und er ist Film-Liebhaber, sein Lieblingsstreifen ist „Fight Club". „Hör auf, alles kontrollieren zu wollen", fordert Tyler Durden, die von Brad Pitt verkörperte Hauptfigur des Films, an einer Stelle. „Lass einfach los… Lass los !"

Doch in diesem Punkt ist Marijo Pavlovic ganz anderer Ansicht. Er weiß, dass das EDV-gestützte Dispositionssystem Arbeitsabläufe clever beschleunigt, der Umwelt wie der Kundschaft dient. Deshalb arbeitet er daran, es noch besser zu machen.