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/ 23.05.2016

Schnell, schneller, Rille!

Refik Hadzic (56), Spitzname Rille, fährt Containertrucks für die HHLA-Tochter Container-Transport-Dienst (CTD). Wir begleiten ihn an einem normalen Arbeitstag.

 

Die Tür des Firmengebäudes am Reiherdamm 44 öffnet sich. Ein Mann mit Warnweste und tief ins Gesicht gezogener Mütze tritt heraus. In der Hand hält er nur ein Klemmbrett. Sein Schritt ist schnell, fast schon läuft er. Sein Ziel: sein Lkw - Arbeitsplatz für täglich 9 Stunden. Refik Hadzic, Spitzname Rille, ist Lkw-Fahrer seit fast 30 Jahren. Er arbeitet als Subunternehmer für die HHLA-Tochter CTD (Container-Transport-Dienst). Sein Job: Container-Umfuhren zwischen den Terminals im Hamburger Hafen.

Der Lkw mit dem über 13 Meter langen Auflieger wirkt gigantisch. Der Blick hoch zur offenen Fahrertür verdeutlicht die Ausmaße des Trucks. Rille erklimmt routiniert das Fahrerhaus. Es ist bereits seine fünfte Tour an diesem Tag. „Heute ist der Job schneller als früher“, sagt er. „Ich fahre bis zu zehn Touren am Tag.“ Rille hat einen leichten Akzent, kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Geschickt navigiert Rille seinen Lkw durch die engen Straßen auf ein benachbartes Firmengelände. Hier holt er einen 40-Fuß-Container ab, Ziel CTA. Die Fahrt zum HHLA Container Terminal Altenwerder verläuft reibungslos. Im Radio singt Taylor Swift „Blank Space“. Hin und wieder ist ein kurzes Hupen zu hören – man grüßt sich.

Es ist kurz nach 14:00 Uhr. An der Einfahrt zum Containerterminal, dem OCR-Gate, identifiziert sich Rille mit seiner Truckerkarte, gibt die Tourenplannummer ein. Gleichzeitig erfassen Kameras und Scanner automatisch das Lkw-Kennzeichen und die Containernummer. Früher wurden diese Daten manuell über Handfunkterminals erfasst, mit denen die Terminalmitarbeiter um die einzelnen Lkws herumliefen. Die Wartezeiten für Lkw-Fahrer haben sich mit der Automatisierung dieser Abläufe enorm verkürzt – ein positives Ergebnis für alle, auch für Rille.

Rille verdient seinen Lohn pro Tour. Für ihn ist das Sprichwort „Zeit ist Geld“ keine abgedroschene Floskel, für ihn ist es Realität. „Durch die Vormeldung der Transportdaten kann ich heute bis zur Übergabespur durchfahren, ohne auszusteigen, ohne lange Schlangen.“

Rille hat Glück – sein Auftraggeber nutzt die Transportvormeldung via TR02 V14. Über diese Anwendung liefert der Disponent des Fuhrunternehmens die Daten für die Containeranlieferung bzw. -abholung im Vorweg elektronisch. Erst bei grünem Licht durch das Terminal – wenn also alle erforderlichen Daten vorliegen und die Abfertigung reibungslos stattfinden kann – fährt Rille los.

Am CTA gibt es viel Verkehr, und Rille nutzt die Wartezeit, um Papierkram zu erledigen. „An manchen Tagen fahre ich nur 5-6 Stunden, der Rest meines Arbeitstags ist dann Standzeit“, erklärt Rille. Aber er ist optimistisch. Demnächst soll das Slotbuchungsverfahren eingeführt werden, bei dem Terminal und Fuhrunternehmen ein Zeitfenster für die Anlieferung bzw. Abholung eines Containers vereinbaren. „Manche Kollegen sehen das kritisch, aber das wird die Wartezeiten an den Terminals verkürzen. Jede neue Idee braucht etwas Zeit.“

Rilles Truck passiert das Check-In Gate und fährt zur Übergabespur. Dort nimmt ein Lagerkran ferngesteuert den Container vom Lkw. Während dieses Vorgangs darf Rille nicht im Lkw sitzen. Anschließend kann der leere Lkw das Terminal zügig verlassen. Die nächste Tour wartet schon. Es geht zurück über die Köhlbrandbrücke zum HHLA Container Terminal Tollerort. 15:47 Uhr, und vor Rille liegen heute noch drei weitere Touren.


Text & Foto: Julia Delfs, Hamburg Hafen Marketing