Treiber des Fortschritts

Warum Christopher Schlage, beim Service Center Altenwerder zuständig für Portalkrane, in dritter Generation in den Hafen gegangen ist.

Sein Urgroßvater war für die HHLA tätig. Sein Großvater auch. Sein Vater ist für die HHLA tätig. Sein Bruder auch. „50 Prozent unserer Familiengespräche“, sagt Christopher Schlage lächelnd, „drehen sich um die Arbeit, mindestens.“ Der 33jährige kennt demzufolge eine Menge alter Geschichten. Im Gegenzug schreibt er an einer neuen.

Als gelernter Industrie-Elektroniker hatte er bei der Marine und diversen Firmen bereits Erfahrung gesammelt, da erzählte ein Kollege seines Vaters vom Container Terminal Altenwerder (CTA). Dort würden Mitarbeiter gesucht. Damals, 2001, bestand der CTA aus nicht viel mehr als einem Lagerkran und ein paar Gleisen.

Schlage schlug dennoch zu – so sehr ihn als Kind der Hafen faszinierte, so sehr überzeugten ihn nun die Pläne für die Zukunft: ein fast komplett automatisierter Terminal. So etwas gab es damals auf der ganzen Welt nicht.

Auch heute ist der CTA „state of the art“: Der Container wird aus dem Schiff gehoben, auf computergesteuerte „Automated Guided Vehicles“ verladen, die ihn zentimetergenau zu führerlosen Lagerkranen bringen, welche ihn wiederum in ewig lange, mehrstöckige Lagerblöcke einsortieren, bis sie ihn später – der Ladung entsprechend – auf LKWs oder Züge verladen.

52 solcher vollautomatischen Lagerkrane gibt es am CTA. Es sind riesige Metallgebilde, mit 16 Rädern, 14 Motoren und pro Stück mehrere Millionen Euro teuer. Dass sie reibungslos funktionieren, dafür sorgt Schlage mit seinem siebenköpfigen Team. Was nach klassischen Wartungsarbeiten klingt, ist allerdings so komplex, dass hier ein eigenes Berufsbild entstanden ist. Denn die Krane senden und empfangen permanent Daten, um beispielsweise durch Lichtschranken ihre Position zu bestimmen oder mithilfe dreidimensionaler Laser Container aufzunehmen oder abzuladen. Stimmen Datenabgleiche nicht überein, schalten sich die Kräne aus Sicherheitsgründen selbständig ab.

Anfangs arbeitete Schlage im direkten Entstördienst. „Ich habe das von der Pike auf gelernt, danach kannte ich jeden Kran bis in seine Eingeweide“. Mit der Beförderung zum Technischen Disponenten kam ein neues Aufgabenfeld hinzu: die Optimierung der Abläufe. Durch das Schreiben eigener Steuerungssoftware gelang es dem Team etwa, den Durchschnitt der Kran-Fehlermeldungen um 80 Prozent zu senken – ein ungeheurer Effizienz-Gewinn.

Inzwischen kommen sogar Mitarbeiter des Kran-Produzenten ABB, einer der Weltmarktführer, zum Informationsaustausch auf den CTA. „Viele stürzen und stützen sich auf unser Wissen“, sagt Schlage nicht ohne Stolz. „Dabei war vieles, was es heute gibt, selbst für mich einst unvorstellbar. Genau deshalb sehe ich im Kran auch noch viel Potential, wir selbst können den technischen Fortschritt voran treiben.“

Und wenn nicht er, dann vielleicht sein Sohn. Der Junge ist zwar erst zwei Jahre alt, aber jeder in der Familie ist dafür, dass auch er mal bei der HHLA anheuert.

Mehr zum Container Terminal Altenwerder