Nachhaltig kombiniert

Der Kombinierte Verkehr wird interessanter, weil immer mehr Bahnunternehmen Verbindungen mit Ökostrom anbieten.

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Wer seine Produkte verladen muss, für den wird die Bahn als ökologisch vorteilhafter Verkehrsträger immer interessanter. Das Angebot an nachhaltigen Schienentransporten steigt und ist bei Speditionen und Verladern aus Industrie und Handel sehr gefragt.

Mit der Gründung des hundertprozentigen Tochterunternehmens Boxx Intermodal Logistics ging die Warsteiner Gruppe einen neuen Weg. Sie öffnete ihre eigenen intermodalen Verkehre auch für externe Kunden. „Unser Fokus liegt auf der Steigerung von ökologisch-nachhaltigen Transporten und der Professionalisierung unserer Dienstleistungen für unsere Kunden“, erläutert Daniel Küster, Leiter Supply Chain Management der Warsteiner Brauerei. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer von Boxx Intermodal Logistics fügt deshalb hinzu: „Wichtig ist, dass sich unser Angebot nicht auf die Getränkebranche beschränkt, sondern für alle containerfähigen Güter gilt.“

Daniel Küster von der Warsteiner Brauerei hat ein neues Geschäftsmodell aufgegleist (Bildquelle: Warsteiner Gruppe)

Aktuell fährt die Warsteiner Brauerei in Zusammenarbeit mit der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) über den eigenen Gleisanschluss die Zielorte München, Verona und Hamburg mit Ganzzügen an. In direkter Zusammenarbeit mit dem Hafen Hamburg verschifft Warsteiner seine Produkte in die ganze Welt.

Auch intermodale Produkte bieten Rundum-Serviceleistungen

Solche „Door-2-Door“-Lieferung bis zur „Haustür“ des Kunden bieten mittlerweile viele intermodale Produkte. Durch Rundum-Serviceleistungen und hohe Liefer- und Versorgungssicherheit entwickelt sich Gütertransport auf der Schiene zu einer ökologisch-nachhaltigeren Alternative zum Straßenverkehr.

Wie in dem folgenden Beitrag geschildert wird, ist die Bahn der mit Abstand umweltfreundlichste Verkehrsträger.

Auf der grünen Schiene

Der Hamburger Hafen ist der größte Eisenbahnhafen der Welt. Fast jeder zweite Hinterland-Container erreicht oder verlässt ihn auf der Schiene.

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Deshalb kommt dem Schienengüterverkehr beim Erreichen der Klimaziele eine Schlüsselrolle zu. Davon sind viele Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVT) überzeugt und bieten immer mehr Produkte mit Ökostrom an. Ein Vorreiter auf diesem Gebiet ist die HHLA-Bahntochter Metrans.

Wo es möglich ist, stellt Metrans auf Ökostrom um und geht sogar noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen kompensiert die Emissionen der zu transportierenden Container bei den meisten Verbindungen im Voraus. CEO Peter Kiss sagt dazu: „Klimafreundlicher Logistik gehört die Zukunft, und „HHLA Pure“ lässt diese Zukunft ein Stück näher rücken.“

Der HHLA-Konzern will bis 2040 klimaneutral produzieren

2021 betraf das 912.000 TEU (Standardcontainer) auf den Destinationen von und nach Hamburg, Bremerhaven und den Adria-Hafen Koper, für die mehr als 45.000 Tonnen CO2 nach dem zertifizierten Gold Standard durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen wurden. Darüber hinaus hat das Unternehmen in Budapest für die so genannte „letzte Meile“ der erste Elektro-Lkw Ungarns in Betrieb genommen. Bereits seit Jahren werden dort Hybrid-Loks eingesetzt, wo die Oberleitungen für das Rangieren mit elektrischem Antrieb fehlen. Die Maßnahmen der Metrans gehören zum Ziel des gesamten HHLA-Konzerns, bis 2040 klimaneutral zu produzieren.

Der erste Elektro-Lkw Ungarns fährt die letzte Meile für Metrans.

Ein anderes Beispiel ist die japanische Reederei ONE, die jüngst ihr Hinterland-Angebot erweitert hat. Sie bietet jetzt auch Transporte für Basel oder Dortmund von Hamburg oder Bremerhaven aus an. Als Partner hat sich die Reederei für TFG Transfracht entschieden. TFG bietet in Sachen „Green Logistics“ vor allem den Hauptlauf per Schiene an. Damit werden rund 80 Prozent CO2-Emissionen gegenüber einem Transport per Lkw vermieden. Unter dem Produktnamen TFGeco deckt TFG mit ihren Zügen den Strombedarf des Schienenverkehrs vollständig durch erneuerbare Energien ab. Damit will das Unternehmen zu einem nachhaltigen Umweltschutz betragen.

Die „ONE Colombia“ wird am HHLA Terminal CTA abgefertigt.

Ökostrom und Energiesparen sind modern geworden

Auch die TX Logistik setzt auf Ökostrom. In Deutschland ist das Unternehmen nach eigenen Angaben zu 100 Prozent mit zertifiziertem grünem Strom unterwegs. Um den Energieverbrauch bei Transporten so niedrig wie möglich zu halten, setzt das zur Mercitalia-Gruppe (Gruppo FS Italiane) gehörende Eisenbahnlogistikunternehmen ausschließlich moderne Lokomotiven ein. Die Triebfahrzeuge erzeugen selbst Strom, indem sie beim Bremsen freiwerdende Energie zum Teil zurückgewinnen und in elektrische Energie umwandeln, was Rekuperation genannt wird. Die Rekuperationsquote von TX Logistik ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt aktuell bereits bei rund 16 Prozent.

Das Unternehmen will perspektivisch nicht nur mehr Container, sondern auch bisher nicht kranbare Sattelauflieger auf die Schiene bringen. Dafür hat sie ihr Umschlagsystems NiKRASA verbessert und auch schon im Bahn- und Terminalbetrieb getestet. Die neu konstruierte Version benötigt nun keine Terminalrampe mehr und ist stapelbar. Mit Blick auf die meist begrenzten Stellplatzkapazitäten kommt das dem kombinierten Verkehr zugute.

Für Verlader wird die Bahn durch solche Nachhaltigkeitsinitiativen immer interessanter, denn sie haben sich häufig selbst ehrgeizige Ziele für die Senkung von CO2-Emissionen gegeben. Die Nachfrage steigt entsprechend, und davon profitieren auch StartUps wie die von der HHLA gegründete Online-Plattform modility.

Das Online-Portal modility vereinfacht KV-Buchungen

Wer auf der Suche nach Transportlösungen ist, kann über modility ganz einfach online Bahnverbindungen inklusive Vor- und Nachläufen finden und individuell planen. Der Transport lässt sich auch gleich in wenigen Schritten buchen. So werden die Nachfrage nach Bahnlösungen und freie Transportkapazitäten der Zug-Operateure zusammengebracht.


„Wir wollen als Gesellschaft unseren CO₂-Fußabdruck reduzieren, und dafür müssen wir den Wechsel vom Straßen- zum Schienenverkehr vorantreiben.“

Hendrik-Emmanuel Eichentopf


„Wir wollen dazu beitragen, dass die europäische Schieneninfrastruktur noch besser genutzt wird“, sagt modility-CEO Hendrik-Emmanuel Eichentopf. Er begründet die Notwendigkeit damit, dass derzeit noch über 80 Prozent der Waren, die Konsumierende täglich brauchen, über die Straße transportiert werden. „Und nur 2,5 Prozent mittels des Kombinierten Verkehrs“, ergänzt er. „Wir wollen als Gesellschaft unseren CO2-Fußabdruck reduzieren, und dafür ist es notwendig, den sogenannten Modal Shift voranzutreiben, also den Wechsel vom Straßen- zum Schienenverkehr.“

Veröffentlicht am 28.10.2022