Fadenweise Ersatzteile

Am Containerterminal Altenwerder (CTA) drucken fünf Kollegen in Eigeninitiative nicht mehr verfügbare Ersatzteile und Prototypen. Mit den Werkzeugen aus dem 3-D-Drucker spart die HHLA viel Geld.

Der quietschgrüne Plastikwinkel sieht unspektakulär aus. Doch mit dem kleinen Plastikteil für drei Cent spart das Service Center Altenwerder (SCA), die Werkstatt auf dem CTA, das Zehntausendfache seines Materialwerts. 

Das Original hält ein 400 Euro teures Sonnenrollo in der Fahrerkabine einer Containerbrücke. Doch als Ersatzteil bietet der Hersteller den Winkel nicht an. Geht die billige Plastikhalterung kaputt, muss das komplette Sonnenrollo ausgetauscht werden. 

Mit dem billigen Plastikteil durchkreuzt SCA-Mitarbeiter Uwe Soltwisch das 400-Euro- Angebot des Rollo-Herstellers. Denn anstatt den Sonnenschutz komplett auszutauschen, druckte er den Ersatzwinkel mit seinem privaten 3D-Drucker. Mittlerweile hat Soltwisch die Form des Winkels sogar optimiert: Der Nachbau ist wesentlich stabiler als das Original.

Geld sparende Heimarbeit

Eigentlich arbeitet der 50-jährige Soltwisch als technischer Disponent am SCA. Doch die 3D-Drucktechnik reizte ihn schon lange. Im Frühjahr 2018 kaufte er privat einen 3D-Drucker und testete das Gerät mit den mitgelieferten Druckvorlagen.

Ersatzteile aus der Düse

Doch das war Soltwisch schnell zu wenig: Er nahm sich den abgebrochenen Winkel der Rolloaufhängung mit nach Hause. Damit tüftelte er so lange herum, bis er zufrieden war.

Mit dem selbstgedruckten Winkel überzeugte er SCA-Betriebsleiter Henning Verstege, einen 3D-Drucker für den Instandhaltungs- und Reparaturbetrieb des Container Terminal Altenwerder anzuschaffen.

„Wir haben in den ersten zwölf Monaten schon rund 40 technisch und wirtschaftlich sinnvolle Druckobjekte entwickelt“, freut sich Soltwisch. Ursprünglich gelernter Elektriker unterzieht der technische Betriebswirt heute alle Anwendungsfälle einer Kosten-Nutzen-Abwägung.

Eigeninitiative und Ehrgeiz

„Wir“ ist dabei das 3D-Kompetenzteam, das es mittlerweile am SCA gibt. Es besteht aus Soltwisch und seinen Kollegen Carsten Hillmer, Pat Ludwig, Sönke Manstein und Sebastian Thiess. „Wir haben alle zu Hause unsere eigenen 3D-Drucker und probieren da viel aus. Wir pushen uns gegenseitig“, erklärt Soltwisch.

Der Ansporn durch die Kollegen sei ein entscheidender Erfolgsfaktor. „Unser 3D-Druckprojekt klappt am SCA deshalb so gut, weil alle hohe Eigeninitiative, Interesse am Basteln und Ehrgeiz mitbringen.“

Die Fünf von der Druckstelle 

Nicht nur die Kollegen des 3D-Kompetenzteams fördern die neue Technik. Die Fünf von der Druckstelle haben terminalweit so viel Werbung für ihre 3D-Druck-Initiative gemacht, dass jetzt auch Kollegen der verschiedenen Großgeräte-Teams bei technischen Problemen auf sie zukommen.

40 technisch und wirtschaftlich sinnvolle Ersatzteile und Prototypen aus dem 3D-Drucker wurden in den ersten 12 Monaten am SCA entwickelt.

Wie beispielsweise die Mitarbeiter, die die Spreader der Blocklagerkräne warten. Dort gab es immer wieder Probleme mit den Halterungen der Kameras, die die Echtzeitbilder für die Fernsteuerer liefern. Defekte Gewinde führten zu verzerrten Kamerabildern. Das machte es für die Fernsteuerer schwierig, Container millimetergenau auf die Lkw zu verladen.

Als schnelle und preiswerte Lösung druckte Manstein die Halterung selber - inklusive Sechskantvertiefung für eine handelsübliche Mutter.

Denn diese ist robust und kann bei Bedarf ersetzt werden. Manstein tüftelte die Druckunterlagen für den Prototypen selber aus: Der Drucker schichtet einen verflüssigten Kunststoffaden übereinander und baut so das Objekt nach und nach auf. Das muss der Druckdatenersteller bei der Planung bedenken.

Praxistest: In der Spreader-Werkstatt ersetzt ein SCA-Handwerker die bisherige, verschleißanfällige, weiße Kamerahalterung durch den orangenen Prototypen aus dem hauseigenen 3D-Drucker. Für diesen wurden optimierte 3D-Druckdaten erstellt und direkt vor Ort Schicht über Schicht gedruckt.

Kompetenz, die sich auszahlt

Diese additive Fertigungsweise hat das 3D-Druck-Kompetenzteam längst verinnerlicht. Und setzt sie gewinnbringend ein: Den Schwerpunkt legen die Druck-Macher auf nicht lieferbare Ersatzteile und selbst optimierte Prototypen.

Weshalb sich das auszahlt, erklärt Soltwisch: „Statt uns vom Hersteller teuer eine Neuentwicklung fertigen zu lassen, haben wir die Möglichkeit, selbst einen Prototypen auszudrucken.

So können wir schnell einschätzen, ob die Idee praxistauglich ist.“ Der Test des Kamerahalters läuft bisher sehr gut. Er ist eine Werbung für die 3D-Druck-Kompetenz in Altenwerder – jedes Mal, wenn SCA-Kollegen das Originalteil im Spreader gegen die selbst gedruckte, stabilere Variante austauschen.