30 Jahre Metrans – immer der Zeit voraus.

Angefangen hat es mit zwei Zügen pro Woche, heute sind es rund 550. Wie entwickelte sich Metrans zu einem der führenden privaten Bahnoperateure Europas?

Die HHLA-Bahntochter Metrans transportiert seit drei Jahrzehnten Container zwischen Häfen und ihrem Hinterland. Angefangen hat es mit zwei Zügen pro Woche, heute sind es im gesamten Netz rund 550. Damit ist das Unternehmen einer der führenden privaten Bahnoperateure Europas.

Wenn im Rahmen eines Jubiläums von Metrans die Rede ist, darf ein Name nicht fehlen: Jiri Samek. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs war er als Repräsentant eines tschechoslowakischen Staatsbetriebes in Polen zuständig für den Containertransport aus den polnischen Häfen nach Prag. Dann kam die Wende. Ganz Visionär, der Jiri Samek war, nutzte er die gewonnene Freiheit. Statt das Angebot als Nummer eins in einem staatlichen Transportunternehmen anzunehmen, entschied er sich für die neuen Chancen. Im Frühjahr 1991 gründete er sein eigenes Unternehmen. Das war die Geburtsstunde von Metrans.

Seine Idee: die damalige Tschechoslowakei an den Seehafen Hamburg anzubinden. Die Elbe verbindet über die Moldau Prag und Hamburg. Was traditionell eine der wichtigsten Handelsrouten war, hatte der Eiserne Vorhang zerschnitten. Auch Containertransporte per Bahn waren nur innerhalb der osteuropäischen Staaten möglich. So mussten die Transporte zum größten Teil über völlig überlastete Straße abgewickelt werden. Bis im Oktober 1991 endlich im Prager Stadtteil Uhříněves ein Bahnterminal der Metrans seinen Betrieb aufnahm.

Auf diesem Güterbahnhof im Prager Stadtteil Uhříněves nahm Metrans seinen Betrieb auf.

Noch heute liegt dort, in der Nähe einer Hochhaussiedlung, der Heimatbahnhof des Unternehmens. Kurz darauf, im Februar 1992, verkehrte der erste mit Containern beladene Shuttle-Zug zwischen der Hansestadt und der tschechoslowakischen Hauptstadt. Früh zeigte sich, dass der eingeschlagene Weg ein erfolgreicher sein würde. 

Waren zu Beginn nur zwei Zugpaare pro Woche vorgesehen, konnte deren Zahl schon zum Ende des Gründungsjahres auf vier bis fünf erhöht werden. Heute sind es im gesamten Netz rund 550 pro Woche.

Einstieg der HHLA bringt Wachstumsschub

Eine entscheidende Weichenstellung für nachhaltiges Wachstum erfolgte mit dem Einstieg der HHLA bei Metrans Mitte der 1990er Jahre. Die Investitionssummen stiegen und wurden genutzt, um leistungsfähige Terminals aufzubauen. Rasch entwickelte das Unternehmen sein effizientes intermodales Netzwerk.

Mit hochfrequenten Bahnverbindungen und maßgeschneiderten Dienstleistungen konnten viele neue Kunden überzeugt werden. Metrans-CEO Peter Kiss fasst die Philosophie so zusammen: „Wir bieten einfache und neutrale Lösungen auf dem komplexen Gebiet des Kombinierten Verkehrs. Vor allem wollen wir unseren Kunden mit verschiedenen, manchmal auch sehr spezifischen Situationen helfen.“

Und die Kunden schätzen vor allem den „All-Inclusive-Service“, der zum Beispiel die Zollabwicklung, Depot- und Rangierleistungen und den Vor- oder Nachlauf per Lkw beinhaltet. Das produktive Grundprinzip bei der Metrans ist jedoch das folgende: Container mit den häufig fahrenden Shuttle-Verbindungen schnell aus den Häfen abzutransportieren, um sie im Hinterland in den fünf Hub-Terminals in Posen (Polen), Prag und Česká Třebová (beide Tschechien), Dunajská Streda (Slowakei) und Budapest zu sortieren.

Das erste Hub-Terminal außerhalb von Tschechien entstand im slowakischen Dunajska Streda

Von dort werden sie mit anschließenden „Antennenzügen“ und Lkw für die letzte Meile zu den Empfängern gebracht. Der schnelle und stetige Abtransport vom Hafengelände bringt auch der HHLA operative Vorteile, nicht zuletzt während der Corona-Pandemie und den mit ihr einhergehenden Containerstaus.

Einer der führenden privaten Bahnoperateure Europas

Heute ist Metrans einer der führenden privaten Bahnoperateure Europas und Marktführer für Containertransporte in bzw. aus dem Hafenhinterland in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Das gesamte europäische Netzwerk umfasst 17 eigene und weitere assoziierte Terminals.

Derzeit entsteht im ungarischen Zalaegerszeg, an der Verkehrsachse mit den Adria-Häfen Triest, Koper und Rijeka, ein weiterer Hub-Terminal. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im Februar 2021 mit der ungarischen Regierung geschlossen. 2023 soll der erste Bauabschnitt der Anlage in Betrieb gehen.

Metrans-Netzkarte

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Der Hintergrund: Die Menge der in Ungarn auf der Schiene transportierten Container ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Metrans profitiert bereits davon, vor allem durch den im Jahr 2017 eröffneten Terminal in Budapest. Allein auf dieser Anlage wurden im ersten Jahr etwa 250.000 Standardcontainer (TEU) umgeschlagen, 2020 waren es bereits 484.769 TEU pro Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 betrug der Umschlag von Metrans in ganz Europa noch rund 470.000 TEU.

Stark auf der Neuen Seidenstraße

Doch nicht nur für die Ausdehnung des Metrans-Netzes nach Süd- und Südosteuropa ist Ungarn von großer Bedeutung. Das Netz und besonders der Terminal Budapest sind auch ein wichtiger Teil der Neuen Seidenstraße. Der Schienengüterverkehr zwischen Asien und Europa hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dieser Entwicklung haben die Corona-Pandemie und die dadurch verursachten Kapazitätsengpässe in der Schifffahrt einen zusätzlichen Schub gegeben. Metrans fertigte 2020 insgesamt 913 Züge aus oder nach China ab. Verglichen mit dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 114 Prozent.

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Innovationen Made by Metrans

Neben hochfrequenten Bahnverbindungen, einem dichten Netz und umfassenden Dienstleistungen zeichnet Innovationsfreudigkeit Metrans aus. Bis 2004 war die Intermodal-Tochter der HHLA auf Waggons der Deutschen oder der Tschechischen Staatsbahn angewiesen. Sie mussten im Vorfeld bestellt werden und die Bereitstellung war nicht immer zuverlässig.

So wurde der Entschluss gefasst, gemeinsam mit dem slowakischen Güterwagenhersteller Tatravagonka eigene Waggons zu entwickeln. Der Erfolg der Eigeninitiative ist überzeugend: Die heutigen rund 3.000 Metrans-Waggons sind zum überwiegenden Teil Leichttragwagen und sehr energieeffizient. Der Bestand der Leichttragwagen wird stetig ausgebaut. Jedes Jahr kommen rund 200 neue Wagen hinzu. Sie sind rund vier Tonnen leichter als ein herkömmlicher Containertragwagen, weisen einen geringeren Rollwiderstand auf und benötigen weniger Energie für den Transport.

Bald schaffte Metrans eigene Lokomotiven an und verfolgte dabei einen nachhaltig-innovativen Ansatz.

Eine spezielle Konstruktion ermöglicht es, die Container auf den bis zu 700 Meter langen Blockzügen enger zu platzieren, sodass mehr Boxen bei gleicher Zuglänge transportiert werden können. Zudem sind die Containertragwagen mit sogenannten „Flüsterbremsen“ (K-Sohle) ausgerüstet. Die Fahr- und Bremsgeräusche dieser Waggons werden so um die Hälfte reduziert.

Auch bei den Lokomotiven verfolgt Metrans einen nachhaltig-innovativen Ansatz. Als erstes Unternehmen weltweit testete das Unternehmen beim Rangieren die umweltfreundliche Hybrid-Technologie. Je nach Einsatz fahren sie zwischen 50 und 70 Prozent ihrer Betriebsdauer im Batteriebetrieb. Dadurch kann der Kraftstoffverbrauch reduziert und der CO2-Ausstoß um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Stickstoffdioxid-Emissionen fallen sogar um bis zu 70 Prozent weniger an.

Stolz auf das Erreichte

So ist die Metrans für die Zukunft optimal aufgestellt. Weitere Investitionen in die Nachhaltigkeit der Flotte, das Netzwerk und in die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens werden dafür sorgen, dass das Unternehmen die anstehenden Herausforderungen im Seehafenhinterlandverkehr meistern wird. Das bisher Erreichte würdigte auch HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath anlässlich der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal: „Unsere Bahntochter Metrans hat im ersten Quartal 2021 erneut einen herausragenden Beitrag zur positiven Geschäftsentwicklung geleistet. Die Metrans hat 30 Jahre nach ihrer Gründung allen Grund, stolz auf das Erreichte zu sein.“

"Metrans liebt Herausforderungen!"

Wie wurde aus einer Vision ein erfolgreiches Unternehmen mit cleveren intermodalen Lösungen? CEO Peter Kiss über die Metrans-Familie und ihre nächsten Ziele.

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