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Zwei-Boxen-Taxi

Mit der gleichen Anzahl an Van-Carrier-Fahrten deutlich mehr Container bewegen – das schafft der Tollerort, seit dort die VCs zwei 20-Fuß-Container gleichzeitig transportieren. Eine Effizienzsteigerung, die bei den Kunden gut ankommt.

 

Twin-Pionier Thomas Ritscher fährt den Van Carrier Nr. 93 unter die Containerbrücke 9, wo direkt hintereinander zwei 20-Fuß-Container bereitstehen, die der Brückenfahrer gerade eben von der „Cosco Hope“ gelöscht hat. Ritscher positioniert sein 14 Meter hohes Gefährt über den beiden Boxen, setzt den Spreader exakt so ab, dass alle acht Verriegelungspunkte genau getroffen sind, hebt seine Ladung an und bestätigt mit einem Fingertippen auf den Monitor, dass er beide Container in einer Fahrt transportiert. 02.11 Minuten später setzt er das Pärchen in Block Y7 ab – der erste erfolgreiche Transport von zwei Boxen in nur einer Fahrt auf dem HHLA Container Terminal Tollerort (CTT).

574 Van-Carrier-Fahrten an Großschiff gespart

Über den Touchscreen wählt der VC-Fahrer die Twin-Betrieb-Funktionen aus

Während es auf vielen Containerterminals üblich ist, dass die Containerbrücken im sogenannten Twin-Betrieb arbeiten, also zwei 20-Fuß-Container gleichzeitig löschen oder laden, werden die Boxen in der Regel einzeln von Van-Carriern (VC) auf der Anlage transportiert. Dass auch die VCs im Twin-Betrieb arbeiten, gibt es bisher weltweit nur auf einer Hand voll Terminals. Denn dieses deutlich effizientere Verfahren setzt neben diversen Softwareanpassungen und für den Twin-Betrieb geeigneten Großgeräten voraus, dass die Stellplatzvergabe im Yard und die Auftragsverteilung für die einzelnen Containertransporte besonders umsichtig geplant werden und die Van-Carrier-Fahrer noch exakter arbeiten. „Am CTT sind die Containerbrücken und Van-Carrier mit Twin-Spreadern ausgerüstet, und die Planungs- und Steuersoftware ist theoretisch zum Twin-Betrieb in der Lage. Es in der Praxis umzusetzen, erforderte allerdings erhebliche Vorbereitungen. Im Sommer 2011 haben wir das Twin-Projekt gestartet, um das Potenzial zu heben“, erklärt Projektleiter Thomas John. Und der Einsatz lohnte sich. Nach einem knappen Jahr Vorbereitung lief der Twin-Betrieb am CTT sofort sehr gut an. „Die Mannschaft hat einen riesigen Ehrgeiz daran gesetzt, schnell brauchbare Ergebnisse zu erzielen“, resümiert Ulf Zielsdorf, kaufmännischer Leiter und Leiter Projekte.

 

So gelang der CTT-Mannschaft schon einen Monat nach dem Start des Twin-Betriebs beim Abfertigen der „Cosco Taicang“ eine hervorragende Leistung: 68 Prozent der zu ladenden 20-Fuß-Container wurden paarweise von Van-Carriern zu dem 10.000-TEU-Schiff gebracht und sogar 87 Prozent der gelöschten 20-Fuß-Container von der Kaikante ins Yard. Durch diesen extrem hohen Twin-Anteil wurden allein bei dieser einen Schiffsabfertigung 574 VC-Fahrten eingespart und die Brückenproduktivität stieg erheblich.

 

„Ursprünglich hatten wir eine Anlaufzeit von sechs Wochen und eine Lernphase von einigen Monaten geplant“, erinnert sich Rene Eisenberg, Mitarbeiter der CTT-Projektabteilung. Doch dann wurde kurzfristig entschieden, dass bereits am Pfingstmontag alle VCs am Großschiff mit der eingeschalteten Twin-Software arbeiten sollen. Und es klappte. „Dank der tollen Erfahrungen von Pfingstmontag hatten wir eine Anlaufzeit von drei Tagen und eine Lernphase von drei Wochen“, so John.

 

Doppelt effizient - das kommt gut an

Doppelt effizient: Der VC-Fahrer stellt zwei 20-Fuß-Container gleichzeitig im Yard ab

Dabei klappte das Twin-Löschen quasi aus dem Stand perfekt. Da die Spreader der Containerbrücken auf dieselben Maße einstellbar sind wie die der VCs, wird das 20-Fuß-Containerpärchen vom Brückenfahrer so unter der Brücke abgesetzt, dass der Van-Carrier es gut anheben kann: Die beiden Boxen stehen genau gerade hintereinander und haben den richtigen Abstand. Dadurch ist es für geübte VC-Fahrer wie Ritscher ein Leichtes, sie zusammen aufzunehmen. Dafür, dass er die beiden Container dann auch problemlos im Yard abstellen kann, muss die Steuerzentrale sorgen.

 

„Wenn wir sehen, dass ein Schiff mit besonders vielen 20-Fuß-Containern kommt, sind wir gezwungen, den Containeryard extra gut aufzuräumen. Wir bereiten dann zum Beispiel die Importreihen so vor, dass 20-Fuß-Pärchen abgesetzt werden können. Denn diese können nur auf andere 20-Fuß-Container gestellt werden“, veranschaulicht Jan Ladendorf aus der Terminalsteuerzentrale. So wie die Schiffsplaner durch umsichtige Staupläne dafür sorgen, dass möglichst viele Twin-Bewegungen machbar sind, müssen Ladendorf und sein Team bei der Yard-Planung die Voraussetzungen für den Twin-Betrieb schaffen und schnell reagieren, wenn die VC-Fahrer auf Probleme stoßen. „Wenn ich zwei Container zum Schiff bringen soll, die aber im Lager leicht schräg stehen oder ein paar Zentimeter zu weit auseinander, dann kann ich sie nicht als Twin fahren“, erklärt Ritscher. Er informiert dann die Mitarbeiter der Terminalsteuerzentrale per Sprechfunk, damit diese die von den Schiffsplanern festgelegte Arbeitsreihenfolge sofort anpassen, sodass ein weiterer VC den zweiten Container, den Ritscher stehen lassen musste, zum Schiff bringt.

 

Doch die Twin-Quoten zeigen, dass es zu solchen Problemen immer seltener kommt und die meisten 20-Fuß-Container, die theoretisch zu zweit gefahren werden können, dies auch werden. Nur einige Containerpaarungen fallen heraus, z.B. Gefahrgut- und Kühlcontainer oder zwei Boxen mit zu großer Gewichtsdifferenz. Bereits rund 80 Prozent aller möglichen Twin-Container werden in dem effizienteren Verfahren gelöscht und immerhin schon gut die Hälfte geladen, so Eisenberg. Ritscher, der auch als Brückenfahrer arbeitet, erklärt, dass er beim Laden der Container aufs Schiff ganz schön Gas geben muss, wenn ihm drei VC-Fah¬rer im Twin-Betrieb Boxen unter die Brücke stellen. „Unsere Reederkunden haben gemerkt, dass die Einzelbrückenleistungen seit Anfang Juni hochgegangen sind“, berichtet Zielsdorf. „Das kommt natürlich gut an.“