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Rohrpost bei der HHLA

Erst zischte es in den Rohren, dann knallte die Kartusche in den Postkasten. Jahrzehntelang hat die HHLA ein druckluftbetriebenes Rohrpost-system genutzt. Die Transportgeschwindigkeit lag sogar deutlich über dem Tempo heutiger spam- und virengeprüfter E-Mails.  

 

In der heutigen Zeit, in der Briefe und Bilder, sogar Filme sekundenschnell online versendet, dann aber minutenlang auf Spam und Viren überprüft werden, scheint es unvorstellbar: Bis vor Kurzem war die Rohrpost der schnellste Weg, ein Dokument zu verschicken.   

 

Die erste Stadtrohrpost der Welt schoss ab 1853 in London Nachrichten mit Druckluft an ihr Ziel. Auch Hamburg erkannte den Vorteil der schnellen Rohrverbindung und nahm 1864 die Hamburger Stadtrohrpost in Betrieb. Nach und nach verbreitete sich die Drucklufttechnik, und so beschleunigten bald auch kleinere Rohrpostsysteme die Arbeitswege in Hamburger Firmen.

 

Es war damals eine grandiose Erfindung, die Dokumente mal schnell mit der Röhre zu verschicken. So war eine Rohrpost im ehemaligen HCCR Bürogebäude auf dem CTB quasi im Zickzack zwischen fünf verschiedenen Stationen auf drei Etagen verlegt. „Es gab kein ständiges Rauf- und Runterrennen im Treppenhaus“, erinnert sich Margot Behn, obwohl täglich viele Dokumente zwischen KV-Abteilung, Fakturierung, Buchhaltung, Sekretariat und Betriebsleitung versendet wurden. Dass die Kartuschen dafür laut in den Eingangskorb knallten, war allerdings ein etwas nerviger Nebeneffekt. Umso passender der Spitzname für die Posthülsen: „Rohrbomben“.  

 

An das Zischen der Pressluftrohre erinnert sich auch Ingo Wöstenberg. Als Schreibhilfe am Überseezentrum hat er oft die Rohrpost-Kartuschen mit Dokumenten bestückt, den Schraubverschluss fest zugedreht, die Sendung in das Eingaberohr des Pressluftsystems eingesetzt und dann per Knopfdruck die Pressluft gestartet. „Da war so ein Zug hinter, dass ich immer meinen Ehering festhalten musste“, sagt Wöstenberg, der die Rohrpostzentrale mit zwölf verschiedenen Rohrleitungen noch genau vor sich sieht.  

 

Mit der Eröffnung des Überseezentrums im Jahr 1967 wurde auch die Rohrpost in Betrieb genommen. Dabei war die Transportrichtung der Rohrleitungen wechselbar. So konnten die Frachtpapiere der angelieferten und abzuholenden Waren zwischen allen fünf Lagerhallen, der Lkw-Annahme und der Bürozentrale hin- und hergeschickt werden. Das ersparte lange Botengänge und so auch Zeit beim Warenumschlag.

 

Richtig umständlich wurde es immer dann, wenn die Rohrpost verstopfte. „Manchmal waren die Kartuschen nicht richtig zugedreht, oder eine heimlich versendete Pferdewurst war doch zu schwer für die Pressluft“, verrät Wöstenberg mit einem Schmunzeln. Dann überprüften Handwerker jeden Zentimeter der über sechs Kilometer langen Rohrleitungen, bis die Blockade gefunden und beseitigt werden konnte. „Meistens aber funktionierte die Rohrpostanlage reibungslos.“