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DER CARGOMIX MACHT'S

Während viele Reedereien und Terminals sich weltweit immer weiter spezialisieren, setzt man bei Grimaldi auf die jeweils beste Mischung bei der Ladung. In Hamburg hat die italienische Reedereigruppe dafür einen idealen Partner gefunden: die HHLA Tochter UNIKAI.

 

Eine Eigenschaft wird bei Grimaldi besonders hoch geschätzt. Sie findet sich in der Konstruktionsweise der Grimaldi-Schiffe ebenso wie in ihren Fahrplänen. Und sie hat dafür gesorgt, dass die italienische Reedereigruppe trotz Krise schon wieder auf Wachstumskurs fährt. Diese wichtige Eigenschaft heißt: Flexibilität.

 

„Schauen Sie sich beispielsweise unsere Schiffe an", erläutert Hans-Jürgen Sell, Geschäftsführer von Grimaldi in Deutschland. „Die meisten können neben Fahrzeugen auch Container, Stückgüter oder sogar Projektladung aufnehmen, denn durch Hängedecks lässt sich die Deckshöhe der Ladung anpassen. Und sie verfügen über eigenes Ladegeschirr, sodass sie in fast jedem Hafen der Welt unabhängig von Landkränen laden und löschen können." Auch am O'Swaldkai sind sie häufig zu Gast und werden von der HHLA Tochter UNIKAI abgefertigt. „UNIKAI hat nicht nur Autoexperten, sondern auch Experten für alles andere. Das passt perfekt zu unserem Cargo-Mix", erläutert Sell. Seit 1994 arbeitet man auf dem O'Swaldkai so erfolgreich zusammen, dass Grimaldi 2007 eine 49 %ige Beteiligung an UNIKAI erwarb.

 

Die weiß-gelben Grimaldi-Schiffe, deren Namen meist mit GRANDE beginnen, sind weder dem Trend zur engen Spezialisierung noch dem scheinbar grenzenlosen Größenwachstum gefolgt. So fahren große, auf Autos beschränkte „Pure Car Carrier" nur wenige „Rennstrecken", zum Beispiel zwischen Nordeuropa, Mittelmeer und Cotonou, dem westafrikanischen Haupthafen für Gebraucht- und Neufahrzeuge.

Meist werden sogenannte ConRo-Schiffe eingesetzt, die idealer Weise bis zu 800 TEU Container transportieren. Den restlichen Stauraum auf den elf bis 13 Decks füllen nicht nur Autos oder „rollende Ladung". Auf der Rückfahrt von Afrika werden Kakao, Schnittholz oder vorgefertigte Produkte wie zum Beispiel gebündelte Besenstiele an Bord genommen. Für bessere Auslastung sorgt auch die komplexe Verknüpfung der Fahrpläne. Manche Schiffe fahren von Afrika weiter nach Südamerika, denn zwischen diesen Kontinenten hat sich ein dynamischer Handel entwickelt. Nordamerika wird über die Tochtergesellschaft ACL in die „Loops" und „Strings" der Schiffsplaner ebenso eingebunden wie die für Grimaldi überaus wichtige Mittelmeerregion. Seit Kurzem integriert Finnlines, ein weiteres Mitglied der Gruppe, auch die baltischen Staaten und Russland über den Grimaldi-Terminal im schwedischen Wallhamn. Muss in diesem Netzwerk mal ein zusätzlicher Hafen angefahren werden, können sich Ankunft und Abfahrt in bestimmten Korridoren verschieben.

 

Dieses flexible Gesamtsystem ist weniger krisenanfällig als das von Wettbewerbern, die sich darauf konzentrieren, Hunderttausende Neuwagen schnell von A nach B zu schaffen. Auf das Geschäft mit großen Mengen versteht sich die Grimaldi-Gruppe allerdings ebenso gut. Über ihr größtes eigenes Terminal in Antwerpen verschifft die Reederei jährlich mehr als 700.000 Autos, meist Neuwagen aller großen europäischen Automobilhersteller. Im Vergleich dazu nehmen sich die etwa 120.000 Fahrzeuge, die über Hamburg als Grimaldis zweitgrößte Drehscheibe jährlich verschifft werden, noch bescheiden aus. Doch durch die enge Kooperation mit Grimaldi entwickelte sich der O'Swaldkai zu einem echten internationalen „Hub" (Drehkreuz) und wurde erheblich umgebaut. „Ein Ausbau der Anlage war seit Jahren überfällig", erzählt UNIKAI-Geschäftsführer Michael Sieck. Zufahrt, Gate, Verkehrsführung und Stellflächen wurden völlig neu gestaltet, um Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und neue Lagerflächen zu schaffen. „Ohne die Neustrukturierung hätten wir die vermehrten Schiffsabfahrten nicht bewältigen können."

 

Partner Grimaldi holte 2008 den Nordamerika-Verkehr von ACL aus Bremerhaven nach Hamburg. Das waren etwa 50 Abfahrten pro Jahr mehr, und 2009 kamen noch 36 Abfahrten in die Mittelmeer-Region dazu. Jetzt können hier zum Beispiel Autos aus Nordamerika Richtung Mittelmeer, Mittel- und Fernost oder Südamerika umgeladen werden. Selbst die andauernde Krise der deutschen Fahrzeugindustrie ließ die Umschlagmengen auf dem Terminal nur unwesentlich sinken. Auch in Hamburg wurden weniger Neuwagen umgeschlagen, doch zwei Drittel der rollenden Ladung aus Hamburg für Grimaldi-Schiffe bestehen aus gebrauchten Autos und Lkw, die weiterhin ihre Abnehmer in Afrika finden. Aus ganz Deutschland und Österreich, selbst aus Skandinavien, Italien und Osteuropa kommen die Young-Timer in Sammeltransporten nach Hamburg.