Tradition und Moderne schließen sich nicht aus

Gerald Hirt, Geschäftsführer des Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC), konnte kein Kapitän werden. Schiffe dirigert er jetzt trotzdem. 

Sie hätten natürlich den großen Saal für ein Foto auswählen können. Schwere Balken, ein Sitzungstisch von einschüchternder Länge und an der Wand ein gewaltiges Historiengemälde der umliegenden Speicherstadt. Seht her, hätte das Foto dem Betrachter zugerufen, hier residiert ein altehrwürdiges Unternehmen, eine Institution der Hamburger Wirtschaftswelt.

Nur leider hätte diese Inszenierung nicht dazu gepasst, wie sich die HHLA – die Hamburger Hafen und Logistik AG – selbst wahrnimmt. Und auch nicht zu Hirt, dem Geschäftsführer ihrer Tochtergesellschaft HVCC, der fotografiert werden soll. Er steht mit seiner Laufbahn stellvertretend für die Personalphilosophie des Unternehmens. Und deshalb posiert er nicht im gediegenen Sitzungssaal. „Natürlich ist die HHLA ein Konzern mit einer langen Geschichte, auf die wir stolz sind“, sagt Hirt. „Aber Tradition und Moderne müssen sich ja nicht ausschließen.“

Tatsächlich hat sich die HHLA enorm gewandelt – so wie die gesamte, immer globaler agierende Hafenwirtschaft. International ist ein Wettbewerb um Nachwunsch und die besten Profis entbrannt. Schließlich sind es die Mitarbeiter, die den Erfolg eines Unternehmens ausmachen. „Der Wettbewerb um junge Talente, Experten und Manager ist heute eine unserer schönsten Herausforderungen“, erklärt Arno Schirmacher, Leiter des Personalmanagements der HHLA, die in Hamburg gut 3.500, weltweit mehr als 6.000 Menschen beschäftigt. „Neben attraktiven Arbeitsplätzen haben wir dabei einen gewissen Startvorteil: Mit Schiffen verbinden eigentlich alle etwas Positives.“

Wettbewerb um junge Talente, Experten und Manager

Der Wettbewerb zeigt sich auch auf anderer Ebene: bei der Suche nach Mitarbeitern. Schließlich sind sie es, die den Erfolg eines Unternehmens ausmachen. „Der Wettbewerb um junge Talente, Experten und Manager ist heute eine unserer schönsten Herausforderungen“, erklärt Arno Schirmacher, Direktor des Personalmanagements der HHLA, die in Hamburg gut 3500, weltweit etwa 5500 Menschen beschäftigt. „Neben attraktiven Arbeitsplätzen haben wir dabei einen gewissen Startvorteil: Mit Schiffen verbinden eigentlich alle etwas Positives.“

Denn so wie der Besuch der imposanten Containerterminals der Höhepunkt jeder Hafenrundfahrt sei, übten sie auch auf Bewerber enorme Anziehungskraft aus. Der Hamburger Hafen, Deutschlands „Tor zu Welt“, löst fast automatisch Fernweh und Abenteuergeist aus.

Auch HVCC-Geschäftsführer Hirt ist dieser Magie erlegen. Es waren Fährfahrten nach Skandinavien in der Kindheit, die seine maritime Begeisterung weckten. Und wären seine Augen nur 0,2 Dioptrien schärfer gewesen, hätte er nach dem Abitur und zwei Jahren bei der Marine vermutlich ein Kapitänspatent erworben. Einen Weg in die Welt der Schifffahrt fand der Göttinger dennoch: Er schrieb sich an der Fachhochschule Oldenburg für ein Studium der Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft ein.

Nach einem Traineeprogramm bei der Reederei P&O Nedloyd kam er 2003 zur HHLA-Tochter HPC Hamburg Port Consulting. Das Unternehmen berät Kunden weltweit beim Hafenmanagement. Hirt war hier vor allem mit Marktanalysen beschäftigt. Nur gut zwei Jahre später trat er bereits seine nächste Stelle im Konzern an, als Vertriebsmanager der HHLA Containerterminals.

Dieser schnelle Wechsel in unterschiedliche Unternehmensbereiche demonstriert für Personalleiter Schirmacher die Durchlässigkeit der HHLA. „Wir bieten unseren Beschäftigten tolle Chancen“, sagt er. „Wenn sie sich weiterentwickeln, dann entwickelt sich auch das Unternehmen!“ Die Chance, sich bei der HHLA zu entfalten, hält auch Hirt für einen der Pluspunkte des Konzerns. Wobei der erste Anstoß vom Mitarbeiter kommen müsse: „Letztlich ist ja jeder selbst für seine Biografie verantwortlich. Wenn man Initiative zeigt, stößt man hier bei seinen Vorgesetzten auf offene Ohren.“

„Wenn sich unsere Beschäftigten weiterentwickeln, dann entwickelt sich auch das Unternehmen!“

Arno Schirmacher, Leiter des Personalmanagements der HHLA

So war es auch bei ihm, als er 2007 mit der Idee zu seinen Chefs kam, einen berufsbegleitenden MBA in Shipping & Logistics an der Copenhagen Business School zu beginnen. Der Studiengang erstreckte sich über zwei Jahre, alle zwei Monate gab es einwöchige Präsenzzeiten. Die HHLA reagierte positiv und übernahm sogar einen Großteil der Studienkosten.

Was seine Vorgesetzten damals überzeugte, war zum einen der Mehrwert, den Unternehmen aus besser qualifizierten Mitarbeitern ziehen. Zum anderen zahlte sich Hirts MBA konkret aus, denn in seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit Fragen, die für die HHLA relevant waren.

Nach dem Abschluss seines Studiums rückte Hirt bald in Positionen vor, in denen er Personalverantwortung übernahm. Darauf bereitete ihn die HHLA gezielt vor – durch Schulungen mit externen Coaches. „Ich halte es für wichtig, dass solche Trainings nicht inhouse stattfinden“, sagt Hirt. Schließlich bespreche man dabei persönliche Dinge und agiere freier, wenn nicht jedes Wort in die Personalakte gelangen könne.

Inzwischen leitet er ein Team mit 17 Mitarbeitern. Seit Juli 2017 ist Hirt Geschäftsführer des Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC), eines Joint Ventures, das die HHLA gemeinsam mit EUROGATE, dem zweiten großen Terminalbetreiber der Stadt, initiiert hat. Als zentrale, neutrale und überbetriebliche Koordinationsstelle sorgt das HVCC für reibungslose Großschiffs-, Feeder- und Binnenschiffsverkehre im Zulauf auf den Hamburger Hafen, bei der Rotation im Hafen und beim Auslaufen der Schiffe nach deren Abfertigung.

Fragt man Hirt nach seiner Personalphilosophie, antwortet er: „Ich versuche, den Mitarbeitern dieselben Entwicklungschancen zu geben, die mir gegeben wurden.“