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DER ALTE ZOLLZAUN

Entlang der Kaimauern am Zollkanal reckte sich ein drei Meter hoher eiserner Maschenzaun, verstärkt mit Stacheldraht. Er sicherte den einst den wichtigen Freihafenstatus der Speicherstadt.

 

Ein drei Meter hoher Zaun aus massivem Maschendraht, gekrönt von mehreren Reihen Stacheldraht, schreckte lange Zeit die Touristen beim Betreten der Speicherstadt. 2010 wurde das aus den 60er-Jahren stammende Relikt Stück für Stück auf Hüfthöhe abgeflext und mit einem stählernen Handlauf versehen. Jetzt geleitet er Touristen beim Flanieren vom Kehrwieder bis zum Neuen Wandrahm. So bedeutsam, wie die Attraktivität des Quartiers Speicherstadt heute für potenzielle Mieter und Besucher ist, so unverzichtbar war der Zollzaun früher für die Lagerhäuser in der Speicherstadt. Über die beeindruckende Länge von 17,5 Kilometern umschloss er den weltweit größten Freihafen, der in der Speicherstadt begann und bis hinter den Köhlbrand reichte. An den wenigen Übergängen wachten Zollbeamte darüber, dass keine unverzollten Güter aus dem Freihafen transportiert wurden. Personen konnten weitgehend frei passieren, mussten allerdings die eingeschränkten Öffnungszeiten beachten.

 

Die Zollgrenze war lange Zeit ein Garant für den gewaltigen Aufschwung in der Handelsmetropole Hamburg. Sie wurde mit dem Zollanschluss Hamburgs an das Deutsche Reich 1888 nötig, um den ansässigen Kaufleuten weiterhin den gewohnten freien Warenverkehr mit dem Ausland zu ermöglichen. Im Freihafen konnten Importgüter zollfrei gelagert, veredelt und weiter verschifft werden. Dazu mussten allerdings die notwendigen Lagerhäuser in der Speicherstadt erst gebaut und ausgerüstet werden. Das übernahm die 1885 gegründete Vorgängerin der HHLA, die Hamburger Freihafen- und Lagerhaus-Gesellschaft (HFLG). Sie betrieb den damals modernsten und größten Logistikkomplex der Welt, erweiterte ihn wegen der großen Nachfrage nach Lagerflächen mehrfach.

 

Als die Zollgrenze im Jahr 2003 bis zur Veddel verschoben wurde, forcierte die HHLA den Strukturwandel in der mittlerweile denkmalgeschützten Speicherstadt. Kreative und Modefirmen zogen ein, der Kulturspeicher zog mehr und mehr Touristen an - der alte Zollzaun jedoch blieb und sein baulicher Zustand verschlechterte sich. Erst als HHLA Immobilien erhebliche Unterstützung zusagte und das Projekt anpackte, fiel auch in Hamburg jene Mauer, die die Innenstadt lange durchschnitten hatte. Nur vor dem Zollmuseum an der Kornhausbrücke wird der hohe, hellgraue Zaun als historisches Denkmal erhalten bleiben, ebenso die ehemalige Zollstation.Am 1. Januar 2013 verlor übrigens auch der Rest des Hafengebietes seinen Status als Zollfreihafen und wurde zum "gewöhnlichen" Seezollhafen.