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Die Reise der süßen Früchtchen

Der Hamburger Hafen ist Deutschlands wichtigste Drehscheibe für Südfrüchte. Die Containerisierung hat das traditionelle Geschäft stark verändert, aber HHLA Frucht nutzt den Standortvorteil Hamburgs als Eisenbahn- und Containerhafen.

Über 100 Jahre brachten die legendären Bananendampfer Woche für Woche Südfrüchte nach Hamburg. Den größten Teil der Ladung machten die Lieblingsfrüchte der Deutschen aus (siehe Info-Kasten), doch es kamen auch Ananas, Kiwis, Avocados oder andere Obst- und Gemüsesorten mit den markanten Kühlschiffen. Sie wurden mit der Einführung von Kühlcontainern – auch Reefer genannt – vollständig durch Containerschiffe verdrängt. Für HHLA Frucht brachte die Umstellung auf den reinen Boxen-Verkehr viele Veränderungen. Umschlagprozesse und Transportketten mussten angepasst werden, doch gleichzeitig eröffneten sich auch neue Möglichkeiten und Märkte.


Alles Banane

Deutschland ist buchstäblich eine Bananenrepublik. In kaum einem anderen europäischen Land steht die süße, gelbe Frucht so hoch im Kurs wie hier. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von ca. zwölf Kilogramm liegt die Banane auf Platz 2 der beliebtesten Obstsorten – hinter dem heimischen Apfel. Etwa 1,3 Millionen Tonnen werden jedes Jahr in die Bundesrepublik importiert. Der deutsche Markt gilt als gesättigt, während vor allem in Osteuropa noch reichlich Wachstumspotenzial schlummert. In Polen beispielsweise liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bei sieben Kilo. Tendenz steigend.

 

Mit dem Fruchtzug nach Osten

Zum Beispiel kann jetzt der bedeutende Standortvorteil Hamburgs als größter Eisenbahnhafen Europas ausgespielt werden: Bananencontainer fahren seit Kurzem direkt vom Fruchtterminal auf dem O’Swaldkai mit der Bahn nach Osteuropa. Eine enge Zusammenarbeit mit Metrans, der HHLA-Bahntochter, macht diese Fruchtzüge möglich.

„Wir beladen pro Woche drei bis vier Blockzüge mit jeweils bis zu 44 Bananencontainern, die für Polen und Rumänien bestimmt sind“, sagt Axel Hoeckrich, Geschäftsführer des HHLA Frucht- und Kühl-Zentrums. Die komplette Beladung der Waggons dauert nicht mehr als drei Stunden. Die Zugverbindung ist nicht nur umweltfreundlicher als der Lkw-Transport, sondern auch schneller als der alternative Seeweg übers Mittelmeer. „Der Schiffstransport nach Rumänien dauert locker zwei Wochen länger“, erklärt Hoeckrich.

 

 

 

Technisch ist man am O’Swaldkai bestens auf den Container eingestellt. Unter anderem werden hier jede Woche zwei Vollcontainerdienste mit Bananen abgefertigt, darunter die „Columbia Express“, die für Maersk im Südamerika-Liniendienst fährt. Vom Schiff geht es entweder ins Kühllager, wo die Container von den 60 Gabelstaplern entladen werden. Oder die Boxen werden an einen der 300 Reefer-Anschlüsse angeschlossen, die die Kühlboxen auf dem Terminal auf Temperatur halten. „In diesem Jahr werden wir weitere 50 Anschlüsse nachrüsten“, so Axel Hoeckrich.

Bananen lagern bei exakt 13,7°

Allein im letzten Jahr wurden über das Kühllager von HHLA Frucht 430.000 Tonnen Bananen umgeschlagen. Weitere 250.000 Tonnen gingen als FCL-Container, also voll beladene Boxen, ungeöffnet über den Terminal. Dazu kamen rund 100.000 Tonnen anderer Früchte wie Ananas, Citrus oder Äpfel. Das 145.000 Quadratmeter große Betriebsgelände umfasst drei Fruchtlager mit insgesamt 20.000 Palettenstellplätzen und eine hocheffiziente Bananenumschlaganlage. Dort warten die Südfrüchte bei exakt 13,7 Grad Celsius auf ihren Weitertransport zu den Reifereien.

 

 

 

„Außerdem holen wir vom HHLA Container Terminal Burchardkai wöchentlich 200 Bananencontainer an unsere Anlage. Hinzu kommen weitere Fruchtcontainer, die an den anderen Containerterminals in Hamburg eingesammelt werden“, erläutert der HHLA Frucht-Geschäftsführer. Die Hafenumfuhren erfolgen zunehmend wasserseitig und ohne Stau mit dem Binnenschiff. Das ist ökonomisch wie ökologisch von Vorteil.

Für die Zukunft ist HHLA Frucht damit bestens aufgestellt – und will auch in Zukunft die „Vitaminzufuhr“ nach Deutschland und seine Nachbarländer sichern. Immerhin legt fast jede dritte Banane, die in Deutschland verzehrt wird, am O’Swaldkai einen Zwischenstopp ein.