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„Hamburg ist wie unsere zweite Heimat“

Interview mit Peter Kiss, Vorstandsvorsitzender der Metrans Gruppe, über Wachstumspläne, Investitionen und Entwicklungen im Hinterlandverkehr.


Seit April 2018 ist die HHLA Alleineigentümer der Metrans Gruppe. Welche Folgen hat dies für die weitere Unternehmensentwicklung?

Kiss: Metrans und HHLA verbindet seit dem Jahr 1995 eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Diese werden wir gemeinsam mit dem Ziel fortsetzen, die starke Position der Metrans im Wettbewerb europäischer Eisenbahnverkehrsunternehmen zu festigen und auszubauen. Für unsere Kunden wollen wir dabei auch weiterhin ein zuverlässiger Partner sein. Die Metrans ist eine Erfolgsgeschichte. Diese fortzuschreiben, ist die Herausforderung, der ich mich gern stelle.


Welche Investitionen sind in den kommenden Jahren geplant?

Kiss: Die HHLA plant, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 1 Milliarde Euro zu investieren, davon sollen 350 Millionen Euro in Intermodalaktivitäten fließen. Konkret bedeutet dies für uns, dass wir weitere Terminalanlagen errichten, neue Lokomotiven anschaffen und unseren Waggonpark weiter modernisieren werden. Mit dem digitalen Wandel steigen die fachlichen Anforderungen. Entsprechend werden wir auch in unsere Mitarbeiter investieren. Wir brauchen starke und kompetente Teams, damit die Metrans weiter wachsen kann.


Peter Kiss
Vorstandsvorsitzender der Metrans Gruppe

 

Welche Bedeutung hat der Hamburger Hafen für Metrans als tschechisches Unternehmen?

Kiss: Hamburg ist der Bahnhafen in Europa. Dies ist eine Voraussetzung für das starke Wachstum im europäischen Hinterlandverkehr. Die HHLA hat Anfang der 90er Jahre den ersten Containerzug nach Warschau geschickt, die Metrans im Jahr 1991 von Prag aus ihren ersten Zug nach Hamburg. Diese Stadt war das erste europäische Ziel eines Zuges entlang der europäischen Seidenstraße. Wenn Sie so wollen, ist die Stadt so etwas wie unsere zweite Heimat.
Der Hafen bleibt auch in der Zukunft die wichtigste Anlaufstation für Hinterlandverkehre durch Zentral-, Ost-, und Südeuropa. Wir fahren auch andere Häfen an, aber nirgendwo sonst als in Hamburg haben wir so viele Kunden und die größte Anzahl an Verbindungen. Der Hamburger Hafen bietet sowohl bei der Abwicklung als auch wegen der hohen Zahl an Überseeverbindungen beste Bedingungen für unsere Kunden. Deshalb setzen wir mit unserer erfolgreichen Mannschaft vor Ort auch weiterhin auf diesen Standort.


In Deutschland werden die Trassenpreise gesenkt. Die Niederlande wollen ebenfalls Trassenpreise senken. Wird das aus Sicht Metrans auch zu günstigeren Frachtraten für die Verlader führen oder ist davon auszugehen, dass nur einige Operateure diesen Preisvorteil an ihre Kunden weitergeben? Was plant Metrans?

Kiss: Die Senkung der Trassenpreise wurde schon im vergangenen Jahr angekündigt. Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Grundsätzlich braucht die Schiene dringend eine Kostenentlastung, um sich im intermodalen Wettbewerb mit dem Diesel-Lkw besser aufstellen zu können. Dies auch deshalb, weil sich andere Faktorkosten zuletzt negativ entwickelt haben. Niedrigere Trassenpreise rechnen sich zudem auch nur, wenn ausreichende Infrastrukturkapazitäten vorhanden sind. Was nützen geringere Trassenpreise, wenn sich der Transport verlängert, weil auch die Züge mittlerweile im Stau stehen?


Sie sind seit dem 1. April Vorstandsvorsitzender der Metrans Gruppe. Welchen Projekten widmen Sie sich in diesem Jahr und wo sehen Sie die Unternehmensgruppe im Jahr 2020?

Kiss: Im Vorstand verantworte ich die Bereiche Vertrieb und Personal sowie Investitionsprojekte und die Beteiligungen an unseren Tochtergesellschaften. Pavel Pokorny ist für Finanzen und IT zuständig. Den Betrieb leitet Martin Horinek, der schon einige Jahre vor mir bei der Metrans angefangen hat. Wir sind ein Team, das für den Erfolg arbeitet. Mit Blick auf das Jahr 2020 sage ich, wir wollen größer, schneller, besser, effizienter und digitaler werden. Wir wollen weiter mit unseren Kunden profitabel wachsen. Deshalb suchen wir kontinuierlich nach neuen Lösungen und entwickeln Ideen, um unser Leistungsversprechen in hoher Qualität erfüllen zu können.


Was zeichnet das Metrans Containerzugsystem aus und vor welchen Herausforderungen sehen Sie den Kombinierten Verkehr in den kommenden Jahren?

Kiss: Die Metrans ist die einfache Lösung auf die Komplexität des Kombinierten Verkehrs: Eng an den Kunden, Port-to-Door und ein umfassendes Prozessmanagement. Dafür haben wir unter anderem unsere fünf Hub-Terminals. Wir wollen schnell aus dem Hafen raus und die Ware ins Hinterland weiterleiten, sodass der Kunde auf schnellstem Weg die Ware bekommt und sich gut unterstützt fühlt. Wenn der Kunde es wünscht, bieten wir ihm eine „All-Inclusive-Lösung“ an, also eine, bei der der Kunde lediglich einen Ansprechpartner hat.


Ist Wachstum auf den angestammten Metrans Relationen weiter möglich oder orientieren Sie sich in Richtung neue Marktregionen? Sind die Verkehre der Neuen Seidenstraße in Richtung China dabei auch von Interesse?

Kiss: Europa hat für uns den großen Vorteil, dass es in fast allen Regionen noch wächst. Allerdings sind die Bedingungen für Wachstum von Region zu Region unterschiedlich. Selbstverständlich beobachten wir die Entwicklung in anderen Märkten, einer davon ist die „Neue Seidenstraße“. Auch hier stehen wir ganz eng an der Seite unserer Kunden.