Binnenschiffe im digitalen Netz des Hamburger Hafens

Hamburg ist Deutschlands wichtigster Seehafen und damit einer der wichtigsten Verkehrsknoten für die europäische Wirtschaft. Doch was nur Wenige wissen: Die Elbmetropole ist auch der zweitgrößte Binnenhafen der Bundesrepublik. Zur reibungslosen An- und Abfahrt der Schiffe trägt auch das HVCC Hamburg Vessel Coordination Center bei, ein Gemeinschaftsunternehmen von HHLA und Eurogate.

Jede zweite Tonne in Hamburg umgeschlagener Ladung wird mit dem Zug transportiert. Dagegen nehmen sich die rund 10 Prozent bescheiden aus, die mit Binnenschiffen über Wasserstraßen bewegt werden.

Doch Transporte mit dem Binnenschiff haben einen großen Vorteil: Sie sind zuverlässig. Denn Schiffe stehen nicht im Stau wie LKW auf der Straße und sind deswegen meistens pünktlich.

Hinzu kommt: Binnenschiffe sind ökologisch attraktiv. Kein anderes Fahrzeug transportiert Container oder Schüttgut so umweltfreundlich.

Täglich von Hamburg ins Binnenland

Von Hamburg starten täglich Transporte auf der Elbe und den angeschlossenen Kanälen in das Binnenland oder laufen die Stadt an.

Auf der Mittel- und Oberelbe bestehen regelmäßige Verbindungen in Richtung Magdeburg, Aken, Torgau, Riesa, Dresden und bis in die Tschechische Republik. Entlang der Unterelbe laufen Binnenschiffe unter anderem Brunsbüttel, Cuxhaven und Glückstadt an.

Auf dem Elbe-Seitenkanal mit der Verbindung zum Mittellandkanal gibt es Anschlüsse an Braunschweig, Haldensleben, Hannover und Minden. Zudem verkehren Binnenschiffe regelmäßig nach Berlin.  

Die Nachfrage nach Binnenschiffs-Verbindungen ist groß. So stieg das jährliche Containervolumen, das den Hamburger Hafen per Binnenschiff erreicht oder verlässt, seit 2012 um 50 Prozent auf über 145.000 Standardcontainer (TEU).

Allein 2019 verzeichnete der Hamburger Hafen einen Zuwachs von 13 Prozent beim Containertransport mit dem Binnenschiff. Hinzu kamen 170.000 TEU an hafeninternen Transporten über das Wasser, sogenannte nasse Umfuhren. Diese ersetzen jährlich rund 120.000 LKW-Fahrten quer durch den Hafen und sind damit beispielhaft für eine erfolgreiche Verkehrsverlagerung beim Gütertransport.

HVCC optimiert Schiffsverkehre

Zu dieser Entwicklung trägt maßgeblich das HVCC Hamburg Vessel Coordination Center als Gemeinschaftsunternehmen der HHLA und der Eurogate Container Terminal Hamburg GmbH bei.

Seit über zehn Jahren optimiert das HVCC als Koordinationsstelle Großschiffs-, Feeder- und auch Binnenschiffsverkehre bei der Anfahrt und der Rotation im Hafen sowie beim Auslaufen der Schiffe.

Daten austauschen, Partner miteinander verbinden und durch möglichst viele Beteiligte das Gesamtsystem Hafen stetig verbessern – das ist die Aufgabe des HVCC.

Früher war ein hohes Maß an bilateraler Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen im Hafen, Binnenschiffern und Reedereien erforderlich. Verspätete sich beispielsweise ein Schiff, löste das enorm viele Telefonate und E-Mails aus.

Die zentrale HVCC-Binnenschiffskoordination baut Ineffizienzen entlang der Transportkette mit einer Koordinierungssoftware speziell für Binnenschiffe ab, erhöht die Transparenz von Plandaten und sorgt so für eine verlässlichere Abfertigung.

„Die neue Plattform digitalisiert die Planung von Binnenschiffsanläufen in Hamburg, die Koordination der Rundläufe im Hafen sowie die Liegeplatzvergabe und Terminalabfertigung und gestaltet die Prozesse wesentlich transparenter“, sagt HVCC-Geschäftsführer Gerald Hirt. „So stellen wir einen synchronen Datenaustausch zwischenBinnenschiffsreeder, Schiffsführung, Terminals und HVCC sicher.

Das HVCC nutzt frühzeitig Synergien, die sich aus der Planung von Schiffsanläufen an den Terminals ergeben und optimiert so die Hafenrotation insgesamt. Das führt zu kürzeren Liegezeiten im Hafen, besser geplanten Schiffsanläufen, einer optimalen Auslastung der Terminals und zu einer höheren Abfertigungsqualität.

Für die Reedereien bedeutet das weniger Treibstoffverbrauch und die Vermeidung unnötiger Wartezeiten. Das macht das Binnenschiff insgesamt attraktiver für Spediteure und Verlader, die damit ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können.

Die bessere digitale Integration in den Hafen wertet das Binnenschiff als leistungsstarkes und umweltfreundliches Verkehrsmittel auf. Das weiß auch der Hamburger Wirtschaftssenator Michael Westhagemann: „Eine Einrichtung wie das HVCC ist europaweit einzigartig. Es hat sich zu einem etablierten Player in der maritimen Welt entwickelt und ist ein Best-Practice-Beispiel für gelebte Digitalisierung im Hamburger Hafen. Der Aufbau einer Koordinierungsplattform für die Binnenschifffahrt wird die Wettbewerbsfähigkeit dieses nachhaltigen Verkehrsträgers weiter erhöhen. Das ist positiv für Hamburg als Hafenstandort.“ Die Entwicklung der HVCC-Binnenschiffsplattform wurde von der Behörde für Wirtschaft und Innovation gefördert.