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IMP beschleunigt Abläufe

Die "Import Message Platform" (IMP) von DAKOSY macht es möglich: Beteiligte der Transportkette im Hamburger Hafen werden schneller und besser informiert.

Montagmorgen im Hamburger Hafen: Die am Wochenende gelöschten Importcontainer sollen so schnell wie möglich ins Hinterland befördert werden, die Empfänger warten schon. Doch der Spediteur muss noch alle Unterlagen an den Zoll schicken und auf dessen Freigabe warten. Natürlich ist er da nicht der Einzige. Bei der Zollstelle hagelt es Anfragen - die Mitarbeiter schaffen es nicht, alles gleichzeitig zu bearbeiten. Bei diesem Szenario sind schon zum Wochenstart alle genervt.

 

Es geht aber auch anders! Die Hamburger Hafenwirtschaft hat eine elektronische Plattform eingerichtet, in die jeder an der Transportkette Beteiligte Informationen einspeist und sich dadurch das Recht verdient, Daten herauszunehmen - bezogen auf den ihn betreffenden Transport. Import Message Platform (IMP) heißt die Lösung. An dieses System, dessen Entwicklung von der HHLA forciert wurde, können alle Beteiligten, die in den Importprozess involviert sind, rechtzeitig mit Statusinformationen zu ihren Transporten versorgt werden, so dass eine vorausschauende Planung ermöglicht wird.  Carrier liefern  Manifeste, Spediteure liefern Verfügungen und melden, mit welchem Verkehrsträger der Hinterlandtransport erfolgen soll, Zoll und Behörden melden Freigaben, Fuhrunternehmer oder Bahnoperateure bekommen Informationen über den aktuellen Containerstatus.

 

IMP zeigt Status der Ware

Die Idee, die hinter IMP steckt: Jeder ist informiert und kennt möglichst früh den aktuellen Status seiner Ware. Die Beteiligten tauschen die Daten automatisiert aus, wodurch sich die Abläufe beschleunigen. Die Logistikkette funktioniert. Bahntransporteure beispielsweise können, wenn nach Lage der Daten schon früh klar ist, dass sich eine Containerladung verzögert, den Platz auf dem Zug anders verplanen und damit sicherstellen, dass der Zug dennoch voll aus dem Hafen rollt. Ist dem Terminal vor Ankunft der Schiffe bekannt, wann und mit welchen Verkehrsmitteln der Hinterlandtransport abgewickelt werden soll, lässt sich der verfügbare Stellplatz optimiert nutzen.

 

Zollanmeldungen außerhalb der Bürozeiten

Löscht jedoch ein Schiff am Wochenende, geht es mit der Zollanmeldung nicht sofort voran, da Spediteure in der Regel dann nicht arbeiten. Die neue Funktion "Auto-IMP" schafft Abhilfe. So ist es nun möglich, auch außerhalb der Bürozeiten Zollanmeldungen automatisiert bestätigen zu lassen. Spediteure erfassen die Zollanmeldung im Zollabwicklungssystem Atlas bereits vor der Schiffsankunft. Damit ist die Datengrundlage für die summarische Anmeldung (Suma), die warenbezogene Erklärung, gelegt. Ist der Container gelöscht, wird das Verfahren gegenüber dem Zoll automatisiert bestätigt, anschließend endbearbeitet und freigegeben. Kommt der Spediteur am Montagmorgen in sein Büro, kann er direkt den Containertrucker beauftragen. Allerdings gibt der Zoll nicht jede Ladung sofort frei. "Manchmal wollen wir ein Dokument, eine Rechnung oder Beförderungsunterlagen sehen", sagt Zollamtsrätin Susanne Thieme. "Die lassen uns die entsprechenden Firmen in der Regel per E-Mail zukommen", fügt sie hinzu. Das geschieht jedoch erst, wenn derjenige weiß, dass das Dokument verlangt wird, also möglicherweise erst am nächsten Morgen oder Wochenanfang. Deshalb soll es künftig die Möglichkeit des Dokumenten-Uploads geben. Damit können Unternehmen relevante Transportpapiere verschlüsselt auf der Plattform hinterlegen. Verlangt der Zoll nach einem dieser Dokumente, kann er rund um die Uhr darauf zugreifen, "ohne dass am anderen Ende der Leitung jemand live sitzen muss", sagt Thieme.

 

"Alle Seiten profitieren von der Plattform"

In seiner Zollanmeldung muss der Spediteur dann nur noch eine Referenznummer angeben. An diesen erkennt der Zöllner, dass Dokumente hinterlegt sind, die er sich bei Bedarf anschauen kann, um anschließend die Zollfreigabe zu erteilen. Die Daten werden verschlüsselt, sodass nur der Zoll darauf zugreifen kann. Vorteil für den Spediteur: Er kann den LKW am Montagfrüh einige Stunden früher losschicken.
"Alle Seiten profitieren von der Plattform", sagt Dirk Gladiator, der beim IT-Dienstleister Dakosy für die Abteilung Port Communication Services verantwortlich ist. Bislang sind alle Reeder und Hafenterminals angeschlossen. In Kürze werden auch alle Behörden, die mit Import zu tun haben, angebunden sein. Damit ist die Basis geschaffen, dass auch Spediteure von den Informationen profitieren, "und die Plattform wird damit zur privaten Cloud für den Hamburger Hafen ", fügt Gladiator hinzu. Bislang arbeitet grob geschätzt etwa ein Viertel der Spediteure mit der Lösung. Im Laufe des Jahres sollen aber weitere hinzukommen. Große Unternehmen integrieren den Datenpool über Schnittstellen in ihre eigenen Systeme, kleine und mittlere Firmen können über eine Webapplikation zugreifen. Gladiator: "Ein Internetzugang genügt, um an die Plattform ranzukommen."

(Autorin: Nicole de Jong)

 

Der IT-Dienstleister Dakosy wurde 1982 als Datenkommunikationssystem für den Hamburger Hafen gegründet. Das Unternehmen hat die Import Message Platform (IMP) gemeinsam mit der Hamburger Hafenwirtschaft, unter anderem der HHLA, entwickelt.