Mit Lächeln aus dem Stau

Die HHLA-Tochter Container-Transport-Dienst (CTD) hat sämtliche Abläufe digitalisiert, auch die „letzte Meile“ auf dem Weg zum Kunden. Dafür steht das Projekt SMILE, mit dem Fahrer Wartezeiten und Leerfahrten vermeiden.

Laufen viele Großcontainerschiffe die Hamburger HHLA-Terminals an, kann es auf den Straßen im Hafen schon mal eng werden. Der Ausbau der vielbefahrenen A7 bringt weitere Einschränkungen für die Lkw, die mit Containern auf ihren Chassis unterwegs sind. Auch die HHLA-Tochter Container-Transport-Dienst (CTD) muss mit der ständigen Staugefahr umgehen.

"Wir sind auf Umfuhren zwischen den Hafenterminals und Depots sowie die sogenannte letzte Meile eines Transports spezialisiert", sagt Ralph Frankenstein, CTD-Geschäftsführer. Wenn Fachleute wie er von der „letzten Meile“ sprechen, meinen sie das letzte – oder manchmal auch das erste – Wegstück zum oder vom Kunden. Das übernimmt beim Container fast immer der Lkw, weil die Bahn oder das Schiff nur selten bis direkt auf ein Werksgelände gelangen.
 

Track & Trace in Echtzeit

Zeit ist Geld für die als Selbständige arbeitenden Lkw-Fahrer, welche die Stahlboxen auf 330 CTD-Containerchassis transportieren. Auch sie müssen mit der häufig schwierigen Verkehrssituation umgehen. Aber Software Cargo Support erspart ihnen zumindest die Fahrt zur CTD-Zentrale im Hamburger Hafen.  Früher mussten sie sich dort die schriftlichen Aufträge abholen. Heute erledigen sie dies per Smartphone oder Tablet-PC. Diese digitalen Werkzeuge sind für die Fahrer inzwischen so wichtig wie ihre Zugmaschine.

Die Digitalisierung hilft auch in der Logistik, die Papier- und Formularflut einzudämmen. SMILE heißt das Projekt für den smarten Transport auf der letzten Meile. "Wir fanden den Namen sehr passend", sagt Frankenstein nicht ohne Stolz.

Schließlich haben alle Beteiligten dank SMILE Grund zum Lächeln: Die Disponenten erhalten mehr Freiraum für komplexere Aufträge, die Fahrer sind besser ausgelastet und die CTD-Kunden können in Echtzeit den Weg ihrer Container verfolgen.

Den Standort, wo sich eine Stahlkiste gerade befindet, können die Auftraggeber über ein Webportal abfragen oder über eine XML-Schnittstelle in ihr Logistikprogramm importieren. "Mit dieser Lösung spielt der CTD bundesweit ganz vorn in Sachen Digitalisierung mit", sagt Ralf Ostholt. Als Technischer Leiter bei Cargo Support hat er einen guten Überblick der Branche.
 

Automatische Slotbuchung

Schon vor der Einführung von SMILE bekam die Digitalisierung des Straßenverkehrs im Hafen einen entscheidenden Schub. Ende 2017 führte die HHLA das so genannte Slotbuchungsverfahren (SBV) ein. Jeder Lkw-Fahrer muss sich seitdem online für seine Terminal-Anfahrt ein einstündiges Zeitfenster buchen. Ohne Slot, keine Zufahrt auf das Terminal.

So funktioniert die Slotbuchung

Durch das SBV entspannte sich die Lage auf den Parkplätzen und Zufahrten rund um die Terminals spürbar. Das System kennt die GPS-Daten eines Lkw-Fahrers sowie die benötigte Fahrzeit zum Terminal. Im Hintergrund bucht es automatisch einen Slot. Die Software kann aber noch deutlich mehr. Sie erteilt dem Fahrer, der sich in der kürzesten Entfernung zu einem bestimmten Abholort befindet, den Transportauftrag.

In diesem Fall ist das Rille Hadzic, der seit über 30 Jahren für den CTD fährt. Er bestätigt den Auftrag auf seinem Tablet-PC und fährt zu einem Exporteur, um die Ladung abzuholen Dort erfasst Hadzic mit der Kamerafunktion des mobilen Geräts die Containernummer.

Die Software sendet die Daten an den Kunden, damit dieser die Sendung verfolgen kann. Über eine Schnittstelle wird dem Terminal der Container angekündigt. Falls notwendig, meldet SMILE auch einen Verwahrerwechsel, also die Haftbarkeit für unverzollte Ware,  beim Zoll an. Hadzic kann sich unterdessen auf die Fahrt durch den vollen Hamburger Hafen konzentrieren.
 

Fahrten in die Nacht verlagern

"Wir haben in der Software das Kölsch-Prinzip aus der Gastwirtschaft übernommen", sagt IT-Experte Ostholt. Ein Fahrer bekommt so lange neue Aufträge, bis er dankend abwinkt. Der Vorteil: Weniger Leerfahrten.

Hadzic ist mittlerweile auf dem Weg zum Terminal Altenwerder. Im Hintergrund scannt SMILE, ob auf diesem Terminal Abholaufträge anstehen.  Im Idealfall transportiert Hadzic auf dem Rückweg direkt neue Ladung auf seinem Chassis.

Neben mehr Effizienz hat der CTD auch seine Betriebszeiten ausgeweitet. Schließlich sind Straßen nachts deutlich weniger befahren. Die Terminals arbeiten rund um die Uhr, nur etliche Im- und Exporteure tun das nicht. "Wir konnten einige unserer Kunden überzeugen, uns zu vertrauen und den Schlüssel zu ihrem Logistikgelände zu geben ", sagt Frankenstein.

 So können seine Fahrer in den Nachtstunden volle Container vom Terminal an die Rampen der Kunden transportieren. Mit Schichtbeginn am Morgen können die sofort ausgepackt werden.   "Früher kam es bei morgendlichen Lieferungen durch Straßensperrungen, Baustellen und Stau öfter zu Verzögerungen. Das Umgehen wir in den Nachtstunden", sagt Frankenstein.

Allerdings ist das Büro des CTD nur von 6 bis 18 Uhr mit Disponenten besetzt. Doch auch hier hilft SMILE. Die gesamte Auftragsvergabe erfolgt von 18 bis 5 Uhr morgens automatisiert.
 

Digitaler Rechnungsversand

Ist der Transport erledigt, sind auch die nachfolgenden Schritte digital und voll automatisch. Der Auftraggeber erhält seine Rechnung, der Fahrer eine Gutschrift. Für die CTD-Mitarbeiter eine enorme Zeitersparnis in Sachen Drucken, Eintüten und Frankieren. Stattdessen können sich Frankensteins Mitarbeiter auf das Wesentliche konzentrieren.

"Das Programm funktioniert wie ein Teenager“, sagt Software Experte Ostholt. „Es meldet sich nur, wenn etwas vom Soll-Prozess abweicht." Während mit SMILE der Transportauftrag fast vollständig digitalisiert wurde, wird an anderer Stelle im Prozess noch eine Unterschrift auf Papier benötigt.

 Frankenstein sucht auch dafür nach Lösungen. Vielleicht könnte die Blockchain-Technologie helfen und rechtssichere Unterschriften ersetzen.

Über CTD

Der Container-Transport-Dienst ist das älteste Tochterunternehmen der HHLA. Seit 1974 bietet es Umfuhren im Hamburger Hafen an. Das Geschäftsgebiet umfasst heute einen Umkreis von 150 km um die Hansestadt.

Im "nassen Dreieck" zwischen den Häfen Hamburg, Bremen und Bremerhaven kommen neben Lkw auch Binnenschiffe zum Einsatz. Während im Hamburger Hafen rund 600 Container pro Tag bewegt werden, sind es bundesweit rund 1.400.

Der CTD betreibt mit seinen 45 kaufmännischen Angestellten neben der Hamburger Zentrale eine Niederlassung in der Nähe von Berlin und eine in Kornwestheim bei Stuttgart. Als Partner des kombinierten Verkehrs konzentriert sich der CTD auf die erste und letzte Meile eines Transports.

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