Verkehre klimafreundlich kombinieren

Die Plattform modility soll das Buchen intermodaler Verkehrsverbindungen erleichtern. Einfache Nutzung erhöht die Attraktivität der klimafreundlichen Schiene.

Bisher werden noch über 80 Prozent der Waren, die wir Konsumierende täglich benötigen, auf der Straße transportiert. Und nur 2,5 Prozent mit Kombinierten Verkehren! Die Plattform modility will das ändern. CEO Hendrik-Emmanuel Eichentopf erklärt, welchen Beitrag das Corporate Start-up der HHLA dazu leistet.

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Herzlich willkommen zum Magazin "Tor zur Zukunft", liebe Zuhörende und lieber Hendrik-Emmanuel Eichentopf!
Schön hier zu sein, Christian, vielen Dank für die Einladung.

Du bist von den ersten Anfängen an beim Start-up modility dabei und heute leitest du es. Was habt ihr euch damals vorgenommen, als ihr auf die Reise gegangen seid?
Als Start-up nimmt man sich natürlich viel vor. Aber in erster Linie haben wir uns vorgenommen, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, um damit einen entsprechenden Beitrag zu leisten, die Straße zu entlasten und nachhaltige Transporte zu fördern.

Mehr Güter auf die Schiene. Warum eigentlich?
Ja, warum eigentlich? Viele wissen es nicht, aber tatsächlich werden über 80 Prozent der Waren, die wir Konsumierende täglich brauchen, über die Straße transportiert. Und nur 2,5 Prozent mittels des Kombinierten Verkehrs! Wir wollen alle als Gesellschaft unseren CO2 Footprint reduzieren, und dafür ist es notwendig, den sogenannten Model Shift voranzutreiben, also den Shift von der Straße auf die Schiene. Wir von modility wollen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten.

Okay, das hört sich ja gut an. Und wo steht ihr da heute?
Seit circa 100 Tagen sind wir am Markt und konnten seitdem eine Vielzahl von Unternehmungen für Mobility begeistern. Mittlerweile haben wir über 200 registrierte Nutzer auf der Plattform, die wiederum über 100 Relationen anbieten, sprich Zugverbindungen zwischen Terminals. Darunter ist ein gesunder Mix von Spediteuren und Operateuren, sprich von Angebot und Nachfrage.

Wenn ich das richtig verstehe, dann wollt ihr allen, die einen Zugang modility haben, damit auch einen leichteren Zugang zur Schiene ermöglichen. Wie genau funktioniert das?
Ja, nicht nur zur Schiene, sondern zum Kombinierten Verkehr. Das Gute am kombinierten Verkehr ist, dass der Hauptteil über die klimafreundliche Schiene gefahren wird. Da die Schienennetze heute weitestgehend elektrifiziert sind, sind dort fossile Treibstoffe nicht mehr notwendig . Das heißt, nur die letzte Distanz zwischen dem Bahnhof und der jeweiligen Start- bzw. Zieladresse wird mit dem Lkw transportiert.

Und dafür habt ihr euch eine Plattform-Lösung überlegt, also eine digitale Lösung.
Ganz genau. Heute gibt es keinen zentralen Zugang, keinen digitalen Zugang, also keine Informationsmöglichkeiten, über die man sich zentral über die verschiedenen Transportalternativen informieren kann. Es gibt keine Plattformen, es gibt keinen Zugang, über welchen man diese Relationen, diese Angebote auch gleich buchen kann. Und es gibt auch keine Plattform, über welche man diese Transporte schlussendlich abwickeln kann. Und genau das hat modility sich auf die Fahnen geschrieben: Eine zentrale Informationsmöglichkeit, in der man einfach seine Start- und Zieladresse eingibt. Im Hintergrund läuft ein intelligenter Routing-Algorithmus, der die verschiedenen Transportmöglichkeiten anhand Kriterien des kombinierten Verkehrs ermittelt und dann entsprechend die Ergebnisse dem Nutzer zur Verfügung stellt.

Kann man sich das so vorstellen, dass ich z.B. überlege: Wie kriege ich einen Container am besten von Hamburg nach, sagen wir mal Ludwigsburg. Und ihr ermittelt dann eine günstige Verbindung, die eine Kombination aus Straße und Schiene darstellt.
Ja, das hast du richtig verstanden. Tatsächlich gibt es in Hamburg verschiedenste Terminals, also Umschlagsplätze von der Straße auf die Schiene. Zum Beispiel gibt es im Hamburger Hafen naturgemäß verschiedenste Bahnanschlüsse, die als Start- oder Zielpunkt dienen können. Und modility würde dann entsprechend der Angebote, also der verfügbaren Kapazitäten bei uns im System prüfen, welches die günstigste Möglichkeit ist. Günstig im Sinne der Distanzen, günstig im Sinne des CO2-Verbrauchs und günstig im Sinne auch der Transportdauer. Wir würden die entsprechenden Ergebnisse ermitteln und anhand dieser Kriterien dann sortieren.

Das heißt, dass auch die Transportkosten dadurch reduziert werden können?
Ich würde die Frage tatsächlich ein bisschen anders beantworten wollen bzw. nochmal auf etwas anderes eingehen. Jeder Verkehrsträger hat natürlich seine Berechtigung. Es kommt immer ganz auf die Ware an, die du transportieren möchtest. Es kommt auf die Flexibilität an, die du benötigst, und vor allen Dingen auf die Distanz. Je länger diese Distanz ist, desto eher kostenneutral wird der Kombinierte Verkehr. Perspektivisch kommen noch weitere Faktoren hinzu, wie nämlich die CO2-Steuer, die den Straßenverkehr verteuern wird, genauso wie die Mautgebühren, die natürlich auf der Schiene entfallen. Ferner brauchst du bei der Schiene nur einen Lokführer im Gegensatz zu 55 Lkw-Fahrern. Denn eine Lok bzw. ein Zug kann bis zu 55 Container transportieren.

Es gibt ja auch noch andere digitale Plattformlösungen, und die kennt man. Sie nennen sich manchmal selbst digitale Speditionen. Was unterscheidet modility von solchen Portalen wie Sennder oder Instafreight?
Das sind Speditionen, die gute digitale Workflows entwickelt haben und im Wettbewerb mit klassischen Straßen Speditionen stehen. Das heißt, diese Speditionen übernehmen Transport, Verantwortung und führen den Auftrag auch im Kundenauftrag durch. Wie bei modility sind ein digitaler Vermittler. Das heißt, wir stellen unseren Nutzern, unseren Kunden und Marktteilnehmern einen Service, eine Dienstleistung zur Verfügung, über welche sie auf der einen Seite Ihre Angebote digital vermarkten können - und auf der anderen Seite diese Angebote finden und buchen können. Der eigentliche Transport, die eigentliche Geschäftsbeziehung, findet nach wie vor unter den Marktteilnehmern statt. Das entspricht somit den heutigen Marktstrukturen.

Aktuell liegt der Fokus bei euch auf Kombiniertem Verkehr, also der Kombination Schiene / Straße. Kommen dann perspektivisch noch weitere Verkehrsträger dazu?
Es ist die eigentliche Intention von modility, eine Plattform für das Buchen und das Finden von intermodalen Verkehren zu bieten. Und zu diesen Verkehrsträgern gehört ganz klar auch das Binnenschiff als essentieller Verkehrsträger in diesem Markt wie auch die Fähre und möglicherweise perspektivisch auch das Short Sea Shipping. Um da an der Stelle eine europaweite Lösung anbieten zu können.

Wir hier in unserem HHLA Talk hatten schon HHLA Sky zu Gast. Das war auch ein sehr interessantes Start-up, und es wurde wie modility sozusagen im Schoße der HHLA geboren und aufgezogen. Aber ich habe gelernt: es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen HHLA Sky und euch. Wo liegt der?
Wir sind ein Corporate Start-up, und wir sind sehr dankbar, dass die HHLA uns diese Möglichkeit gegeben hat, uns so eigenständig zu entwickeln, wie wir das aktuell tun. Der Unterschied liegt sicherlich darin, dass wir als Vermittler besonders auf Neutralität achten müssen, auf einen neutralen Markenauftritt bzw. auch das Vertrauen unserer Kunden gewinnen müssen. Und insofern haben wir von vornherein gleich darauf geachtet, bekannte Marktteilnehmer mit in die Entwicklung aufzunehmen, wie beispielsweise eine Kühne & Nagel oder die DB Schenker oder eine Volkswagen-Konzernlogistik. So wollten wir sicherzustellen, dass wir ein Produkt entwickeln, das vom Markt akzeptiert wird, aber vor allem auch vom Markt gebraucht wird.

Die HHLA als Hafen Betreiber hat ja bisher selbst keine solchen Portale entwickelt. Warum wurde die Initiative eigentlich durch die HHLA gestartet? Warst du da schon dabei? Haben die selber die Idee gehabt, oder warst du das und bist du auf die HHLA zugekommen?
Tatsächlich ist die Idee, einen zentralen Zugang und ein Portal für den kombinierten Verkehr zu schaffen, gar nicht so neu. Die wird im Markt schon seit geraumer Zeit diskutiert, nur der Zeitpunkt war nie der richtige. Und die HHLA hat diese Idee aufgegriffen und im Markt verprobt. War denn jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo sich die Marktteilnehmer bereit erklären würden, auf einem derartigen Marktplatz sich zu tummeln, sich auszutauschen, Angebote einzustellen? Die ersten Untersuchungsergebnis waren so positiv, dass die HHLA sich dann entschieden hat, aus der Idee wirklich ein Portal entstehen zu lassen. Dementsprechend wurde ein Gründerteam zusammengestellt, das dann genau diese Idee vom Papier in die Wirklichkeit umsetzen sollte.

Wie wir gehört haben, seid ihr auch schon ziemlich weit. Gibt's denn auch schon Pläne für die Zukunft? Wenn ich das richtig verstanden habe, wollt ihr ja in Stufen das Portal auch noch erweitern.
Wir arbeiten sehr sequentiell und iterativ. Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, dass modility an Marktbekanntheit gewinnt. Das heißt, dass Marktteilnehmer darüber informiert sind, dass es diese Lösung gibt, dass diese Lösung buchbar und nutzbar ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich ganz wichtig, dass wir unseren Customer Support, also unsere Kundenschnittstelle gut besetzen und bedienen. Wir müssen jederzeit reaktionsfähig sein im täglichen Support, sei es in der Hilfestellung, sei es in der Unterstützung beim Buchen von alternativen Transporten im Sinne der Schiene. Und natürlich ist unser Kerngeschäft die Produktentwicklung, eine schöne IT-Lösungen zu entwickeln. Die soll Spaß machen, genutzt zu werden. Wir haben uns orientiert an B2C Nutzerkonzepte, die man eher aus dem privaten Bereich erkennt, wenn man einen Flug bucht oder wenn man ein Hotel bucht. Designsprache bzw. das Nutzererlebnis, das eher aus dem B2C Bereich bekannt ist, haben wir übertragen in unsere Designsprache, in unser Nutzererlebnis. So dass der Disponent, der Nutzer dort dasselbe Erlebnis wiederfindet, das er sonst eher aus dem privaten Bereich kennt.

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Modility hat einen sehr einfachen Einstiegspunkt für den Kombinierten Verkehr geschaffen. Die Plattform bringt Nachfrage nach Bahnlösungen und freie Transportkapazitäten der Zug-Operateure zusammen.

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Ich möchte zum Schluss nochmal auf eine Initiative, auf ein Projekt eingehen. Und zwar "Zukunft Schienengüterverkehr". Das ist ein Projekt, in dessen Rahmen ihr vom Eisenbahnbundesamt gefördert werdet. Worum geht es dabei?
Speaker 1: Also wie der Name eigentlich ja schon verrät, geht es darum, die Attraktivität der Schiene zu erhöhen und damit mehr Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Dabei werden unterschiedlichste Vorhaben gefördert, unter anderem rein physische, also Asset-lastige Vorhaben, wie beispielsweise die Einführung der digitalen Kupplung, sodass sich die Waggons automatisch miteinander verbinden können. Es werden aber auch innovative digitale Themen gefördert, wie beispielsweise die Entwicklung bzw. Pilotierung von modility und damit die Verprobung von modility am Markt.

Unser Magazin heißt ja eigentlich auch Tor zur Zukunft. Vielleicht zum Schluss ein Resümee von dir. Wozu braucht der Schienengüterverkehr der Zukunft modility?
Weil es einen Zugang wie modility heute nicht gibt, weil der kombinierte Verkehr noch viel zu intransparent, nicht auffindbar ist - und damit einem Großteil der Spediteure da draußen verschlossen bleibt - und weil damit mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden können, müssen, sollen. Deshalb müssen wir das Buchen des Kombinierten Verkehrs so einfach wie das Buchen eines LKWs machen. Und deswegen braucht die Zukunft des Schienengüterverkehrs modility.

Das war ein gutes Schlusswort von Hendrik-Emmanuel Eichentopf, CEO von modility. Ich hoffe, Sie haben auch dieses Mal wieder ein paar interessante Informationen oder Anregungen mitgenommen, und wir hören uns beim nächsten HHLA Talk wieder. Bleiben Sie so lange informiert, indem Sie unseren Newsletter HHLA Update abonnieren!

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