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/ 17.10.2018

Der Transformer

Als Leiter Unternehmensentwicklung ist Jan Bovermann für den digitalen Wandel der HHLA verantwortlich. Wer ist der Mann, der neue Geschäftsfelder für die HHLA finden soll?

Neulich saß Jan Bovermann, 49, wieder in einer Runde von Führungskräften und sprach über sein Lieblingsthema: den digitalen Wandel in der Logistik. Überzeugungsarbeit leisten, nennt Bovermann das. Seit 2017 ist er bei der HHLA damit befasst, Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Unternehmen vor einer großen Herausforderung steht und was getan werden muss, um diese zu meistern. Einer der typischen Bovermann-Sätze lautet dann: „Die Zukunft beginnt nicht morgen oder übermorgen. Sie beginnt in jeder Sekunde, die anbricht. Jetzt etwa. Oder: Jetzt.“

 

Fragt man Bovermann nach den Auswirkungen des digitalen Zeitalters, dann erinnert er an zwei Fotos, die vor einigen Jahren um die Welt gingen. Das erste Foto entstand am 4. April 2005. Papst Johannes Paul II. ist tot. Auf dem Petersplatz in Rom drängen sich Menschenmassen, die dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen. Einige der Trauernden halten Kameras in die Höhe, um das Geschehen festzuhalten Handys sieht man kaum.

 

Acht Jahre später, am 13. März 2013, entsteht an gleicher Stelle wieder ein Foto. Gerade haben die Kardinäle Papst Franziskus gewählt. Wieder stehen Tausende Menschen auf dem Petersplatz. Doch statt Kameras benutzen sie Smartphones und Tablets, um Fotos zu machen. „Wir posten Fotos in Facebook, kaufen online ein, kommunizieren über Nachrichtendienste. Die Digitalisierung ist tief in Alltag und Arbeitsleben eingedrungen,“ sagt Bovermann.

 

Was diese Entwicklung für ein Unternehmen wie die HHLA bedeutet, darüber denkt Bovermann in seinem Büro im 6. Stock der Firmenzentrale nach. Zudem ist er viel unterwegs, um rechtzeitig Trends zu erkennen und von anderen zu lernen. Bovermann kann sich dabei auf ein gutes Netzwerk an Kontakten stützen. Zudem weiß er aus langjähriger Beratertätigkeit, dass sich alle Unternehmen die gleiche Frage stellen: Wie soll man auf die durch die Digitalisierung ausgelöste radikale Veränderung der Märkte reagieren?

 

So viel ist klar, wenn sich die Kunden wandeln, dann ändern sich auch ihre Nachfragen. Deswegen geht ein anderer Bovermann-Satz auch so: „Entweder du digitalisierst dich, oder du wirst digitalisiert, weil der Markt dich dazu zwingt.“ Das gelte auch für Logistikunternehmen, die weltweit derzeit tiefgreifende Veränderungen durchmachen. Im Grundsatz hatte man das bei der HHLA schon verstanden bevor Bovermann in das Unternehmen kam. Als Motor des digitalen Wandels hatte die Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath die HHLA im Frühjahr 2017 bereits positioniert. Ein Satz, der dem neuen Digital Officer zunächst gar nicht gefiel, weckte er doch Erwartungen, von denen man nicht sicher sein konnte, dass sie schnell erfüllt würden.

 

Nach etwas mehr als einem Jahr, die Bovermann nun bei der HHLA wirkt, lässt sich ein positives Fazit ziehen. Die Digitalisierung wird im Unternehmen aktiv und mit Augenmaß in vielen Projekten vorangebracht, „im Kleinen wie im Großen“, wie Bovermann sagt. Besonders stolz ist er auf die Kooperation mit dem Lkw-Hersteller MAN. Gemeinsam mit der VW-Tochter erprobt die HHLA autonom fahrende Lkw im Realeinsatz. Als Testumfeld dienen der Container Terminal Altenwerder (CTA) und eine rund 70 Kilometer lange Autobahnstrecke auf der A7. Steuerung, Sicherheitsüberwachung und Abfertigung des Lkw auf dem Terminal sollen einmal autonom und vollautomatisch erfolgen.

 

Intensiv hat sich Bovermann auch mit dem Thema Drohnen beschäftigt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) schätzt, dass in Deutschland derzeit rund 400.000 Drohnen genutzt werden. Das Aufkommen soll sich bis zum Ende des Jahrzehnts verdreifachen. Gleichzeitig wird auch die Zahl der in der Logistik eingesetzten Flugobjekte steigen. Logistikunternehmen wie Amazon, DHL, UPS experimentieren mit dem Einsatz von Drohnen im Nahverkehr und in der Lagerlogistik.
„Schon heute gibt es leistungsfähige Drohnen, die potenziell Leercontainer transportieren könnten“, sagt Bovermann. Bereits jetzt werden bei der HHLA Drohnen im Arbeitsalltag für Inspektions- und Wartungsarbeiten eingesetzt. Um den Anschluss an die Entwicklung auf diesem Feld nicht zu verpassen, hat sich die HHLA 2018 an dem Hamburger Start-Up „Spherie“ beteiigt. Das junge Unternehmen ist auf die Entwicklung und den Einsatz von Drohnen spezialisiert.

 

Bovermann ist kein Träumer. Er stammt aus einer Unternehmerfamilie aus Wiesbaden, die über Generationen ein erfolgreiches Möbel-Logistikunternehmen geführt hat. Im New York der 90er-Jahre hat Bovermann seinen Master Business Administration gemacht. Der gelernte Bankkaufmann lebte im Stadtteil Hells Kitchen in Manhattan, einem Viertel, in dem man abends besser mit wachem Blick durch die Straßen ging. Bovermann ist Realist, er sagt: „Wenn autonome Fahrzeuge und Drohnen technologisch ausgereift sind, dann werden sie das Geschäft rund um den Container verändern.“ Das sollte man nicht beklagen, sondern die sich bietenden Chancen nutzen und die Veränderungen selbst gestalten, sagt der Digital Officer. Man braucht nicht lange überlegen, wofür sich die HHLA entschieden hat. Wäre das Unternehmen nicht bereit, den digitalen Wandel als große Chance zu sehen und aktiv anzupacken, dann wäre Bovermann nicht hier. „Für unsere Kunden wollen wir digitaler Vorreiter sein, für den Hamburger Hafen Motor des digitalen Wandels,“ fasst er seine Mission zusammen.