Selbst ist der Truck

Für die einen ist es ein Science-Fiction-Szenario, für die anderen fast schon Realität – autonom fahrende Lkw. Die HHLA hat gemeinsam mit MAN Truck & Bus ein Projekt zum fahrerlosen Fahren im Hamburger Hafen gestartet, um den Gütertransport von morgen aktiv zu gestalten.

Die HHLA und der zum Volkswagen-Konzern gehörende Lkw-Hersteller MAN Truck & Bus testen automatisiert beziehungsweise autonom fahrende Lkw im Realeinsatz. Dabei dient der HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) als Testumfeld für einen Teil der Praxiserprobung. "Hamburg TruckPilot" heißt das hoch innovative Projekt zur Entwicklung von Automatisierungslösungen im Straßentransport. Ziel der Partnerschaft ist es, realitätsnah die genauen Anforderungen für den kundenspezifischen Einsatz sowie die Integration autonom fahrender Lkw in den automatischen Containerumschlagprozess zu analysieren und zu validieren. Gleichzeitig werden zukunftsweisende Standards in Methodik und Durchführung definiert.

Der mit elektronischen Automatisierungssystemen ausgestatteten Prototypen-Lkw von MAN fährt von Soltau über die A7 nach Hamburg. Am Steuer, Detlev Gosler, der regelmäßig Container zwischen dem Weets Logistic Center in Soltau und dem Hamburger Hafen transportiert.
Ankunft HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) in Hamburg am Check-Gate. Weets-Fahrer Detlev Gosler rückt auf den Beifahrersitz. Eine MAN-Sicherheitsfahrerin nimmt auf dem Fahrersitz Platz. Sie überwacht die autonomen Fahrfunktionen und wird im Bedarfsfall eingreifen und die Fahrertätigkeit übernehmen.
Per Touchpad erhält das Fahrzeug den autonomen Fahrauftrag, damit der Lkw genau weiß, an welchem Lagerblock er den Container auf seinem Chassis abliefern soll.
Selbstständig gibt der Prototypen-Lkw vorsichtig Gas und steuerte mit 25 km/h das Blocklager an. Alles unter den wachsamen Augen der geschulten Sicherheitsfahrerin.
Jetzt kommt der schwierigste Teil: Rückwärts Einparken in die zugewiesene Blocklager-Spur. Mit hoher Präzision rangiert der Prototypen-Lkw selbsttätig und erreicht ohne das Eingreifen der Sicherheitsfahrerin seinen Platz am Blocklager des CTA.
Jetzt müssen das Fahrzeug und der unmittelbare Gefahrenbereich den Entladeprozess verlassen werden. Mit einem sogenannten Spreader wird der Container, der für den Export nach Nordamerika bestimmt ist, aufgenommen …
… und wandert ins automatische Blocklager. Dort wartet er, bis er auf das entsprechende Seeschiff verladen wird.
Nach der erfolgreichen Ablieferung fährt der MAN-Truck autonom zurück zum Check-Gate und verlässt den Containerterminal. Auch bei den darauffolgenden Praxisfahrten mussten die Sicherheitsfahrer kein einziges Mal eingreifen. Damit ist der entscheidende Schritt im Pilotprojekt Hamburg TruckPilot gelungen.
Insbesondere Weets-Fahrer Detlev Gosler, der die Abläufe am CTA genau kennt und die Praxistests als Beifahrer beobachten konnte, ist beeindruck: „Irre, wie präzise und zügig das alles ablief. Ein ungeübter Fahrer könnte nicht so gut rückwärts einparken. Selbst ein geübter Fahrer bräuchte einen sehr guten Versuch. Dieser Aspekt des Automatisierungssystems würde mir den Alltag schon mal extrem erleichtern.“
Auch Till Schlumberger, Projektleiter bei der HHLA, freut sich über den gelungenen Praxistest: „Autonomes Fahren wird kommen. Entsprechend wollen und müssen wir uns als HHLA frühzeitig darauf vorbereiten, dass perspektivisch autonome Lkw an unseren Terminals Container abholen beziehungsweise anliefern.“
Ebenso zeigt sich Sebastian Völl zufrieden. Er ist Projektleiter Automatisiertes Fahren bei MAN Truck & Bus. „Hamburg TruckPilot ist ein wichtiger technologischer Meilenstein auf dem Weg der Entwicklung autonomer Fahrsysteme bei MAN. Das Know-how, das wir hier aufgebaut haben, bringt uns unserem Ziel näher, dass künftig autonome Lkw nicht nur auf dem Gelände von Logistik Hubs, sondern auch im Regelverkehr zwischen diesen Logistik-Knotenpunkten regulär zum Einsatz kommen.“

Autonom stattfindende Be- und Entladung

Die mit entsprechenden elektronischen Automatisierungssystemen ausgestattete Proto­typen-Trucks werden voll automatisiert und autonom innerhalb des CTA die Ent- und Beladung abwickeln. Natürlich wird ein geschulter Sicherheitsfahrer immer im Fahrzeug sein und die Automatisierungssysteme überwachen. Bei Bedarf greift er ein und übernimmt die Fahrertätigkeit.

Die automatisierten Fahrfunktionen sollen Lkw-Fahrer künftig bei ihrer Arbeit entlasten und unterstützen. So könnte der Fahrer bei der autonom stattfindenden Be- und Entladung das Fahrzeug verlassen und die Zeit für die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nutzen. Weitere potenzielle Vorteile liegen in der Effizienzsteigerung durch das vorausschauende automatisierte Fahren. Dieses reduziert den Kraftstoffverbrauch signifikant und kann außerdem den allgemeinen Verkehrsfluss positiv beeinflussen. Nicht zuletzt versprechen sich die Projektpartner in allen Bereichen einen Anstieg der Sicherheit.

Das Projekt „Hamburg TruckPilot“ ist Teil der strategischen Mobilitätspartnerschaft zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg­  und der Volkswagen AG.

Lesen Sie die aktuelle Pressemitteilung

Fahrerloses Fahren im Containterterminal

„Autonomes Fahren wird kommen“

Im Gespräch mit Till Schlumberger und Sebastian Völl, den Projektleitern von Hamburg TruckPilot bei der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und MAN Truck & Bus.

Interview lesen

Letztes Update 21.04.2021