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/ 01.12.2010

Der Mann mit der Zange

Wie Siegfried Fenger, 67, bis zum Ruhestand als Maschinenschlosser und Dreher die Kräne am Heben und die Schiffe am Laufen gehalten hat.

 

Siegfried Fenger kennt den Hamburger Hafen noch ohne Köhlbrandbrücke und Containerterminals. Mit dem Fahrrad und der umgeschnallten Werkzeugtasche ist er in den 60er Jahren zum Burchardkai gefahren, eine Fähre hat Passagiere wie ihn übergesetzt. „Die meiste Arbeitszeit war ich unterwegs“, erzählt der 67-Jährige. Von Werkstattstützpunkten und Kaistrecken der HHLA und später zum HHLA Container Terminal Burchardkai. Van-Carrier, die ferngesteuert selbstständig Container umstapeln? Science Fiction war das damals!

 

„Siegfried hilfreich und gut“ haben sie ihn genannt bei der HHLA. Denn mit seiner stets paraten Wasserpumpenzange konnte er oft unkompliziert helfen. Das, was er sich in 43 Jahren bei der HHLA an Wissen und Können angeeignet hat, wird heute bei der HHLA kaum noch gebraucht. Kurbelwellen und andere Maschinenteile für Pumpen, Kräne oder Hilfsdiesel kann Fenger aus einem Block fertigen. Komplizierte Zahnradgetriebe der ersten Containerbrücken kann er reparieren. Heute werden fertige Ersatzteile eingebaut. Doch begehrt war Fengers Wissen an anderer Stelle: anfangs auf dem Museumsschiff Cap San Diego und im neu entstehenden Hafenmuseum in Schuppen 50. Vor allem, weil Ersatzteile einst verschrottet wurden, statt sie fürs Museum aufzubewahren.

 

Siegfried Fenger kam als Flüchtlingskind nach Hamburg. Seinen Ausbildungsplatz zum Schiffs- und Maschinenschlosser bekam er, „weil ich groß und kräftig genug für die Werkstatt war“. 1965 kam er zur HHLA. „Gutes Geld“ habe man da verdient, aber auch ordentlich dafür geschuftet. Mit Barkassen wurden die Monteure zu den Schiffen gefahren und wieder abgeholt, wenn die Arbeit fertig war. „Meine Mutter hat mal aus Sorge die Polizei gerufen“, erzählt Fenger gut gelaunt. Das „gute Geld“ habe ihm aber nicht gereicht. Er wollte weiterkommen, machte seinen Industriemeister, den Schweißfachmann und schließlich den so genannten Refa-Fachmann, eine Ausbildung mit Schwerpunkt Arbeitsvorbereitung, Kalkulation und Fremdvergabe. Alles auf der Abendschule, alles selbst bezahlt. Bis zum Ruhestand 2007 leitete Fenger die Van-Carrier-Werkstatt auf dem Burchardkai. „Der Hafen“, sagt er immer noch, „ist mein Leben.“